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Der Roman gliedert sich in zehn Kapitel, die auf den ersten Blick für sich allein stehen. In der
Mitte angekommen, wird der Leser jedoch die Vielfalt der gesponnenen Fäden und
Verknüpfungen allmählich einzuordnen wissen. Barnes verwendet die Weltgeschichte als
Gerüst, um seine kühn kalkulierten zehn Geschichten in einen Rahmen zu fassen, wobei
viele Motive erkennbar werden, sich aber die Arche und der Schiffbruch als ein roter Faden
abzeichnen. Unser Heimatplanet ist schließlich zugleich Arche, die Barnes entlarvend als
äußerst verletzlich und zerbrechlich beschreibt. Nur der Erzähler dieser Geschichte, der
Holzwurm als blinder Passagier, vermag uns aus einer Scheinwelt herauszuholen, die uns
vorgaukelt, dass die Menschheit mit einem blauen Auge davonkommen könnte.
Neben seiner flotten, witzigen Gangart, täuscht uns der Roman im Wechsel nicht über die
Abgründe des menschlichen Daseins seit Noahs Arche hinweg, indem er Klartext redet. So
wird der unerlaubt mitreisende Wurm gleich im ersten Kapitel einen nicht so ganz mit der
Bibel korrespondierenden Reisebericht der Arche Noah schildern. Er liefert uns die
amüsante Erklärung, wie und warum eine Vielzahl der ersten Arten heute nur noch als
Fabelwesen existieren. Terroristen entführen in einem Kapitel ein Kreuzfahrtschiff im
Mittelmeer, oder eine junge Frau geht mit ihrer Katze auf eine Insel, um so dem drohenden
Atomkrieg auf der nördlichen Hemisphäre zu entkommen. Es gibt auch einen mysteriösen
Gerichtsprozess im mittelalterlichen Frankreich, wobei es darum geht, die Zerstörer des
Bischofsstuhls von Besançon zu bestrafen. Denn Hugo, Bischof zu Besançon, leidet seit
seinem Sturz vom morschen Stuhl an Schwachsinn. Als Zerstörer werden lediglich
Holzwürmer im Gebälk ausfindig gemacht und deswegen angeklagt.
Eines der schönsten Kapitel, abgesehen vom brillant gestalteten 1/2 Kapitel über die Liebe,
ist die Beschreibung des Schiffbruches der Medusa im Jahre 1816 und wie dieses
Geschehen drei Jahre später von Théodore Géricault in seinem monumentalen Gemälde
»Floß der Medusa« festgehalten wurde.
Doch Barnes will nicht nur unterhaltsam sein, seine Kritik äußert er deutlich. Für ihn ist die
Politik nur ein Anhängsel der Weltgeschichte. Drei Dinge seien seit Noah von Bedeutsamkeit
gewesen: die Religion, die Kunst und die Liebe. Die Religion ist für Barnes nicht immer
gleich Wahrheit, Kunst erkennt das Volk nicht unbedingt gleichmütig als Kunst an, und
Barnes' Hoffnung für die Menschheit bleibt so die Kraft der Liebe. Eines steht fest, Barnes
steht souverän über den Dingen, und so darf man gespannt sein auf weitere Bücher.
Vielleicht sind auch Sie bald vom Barnes-Fieber erfasst?
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