Die Wiener Autorin Christine Nöstlinger (Jahrgang 1936) ist seit Jahrzehnten eine Fixgröße vor allem in der Kinder- und Jugendliteratur. Mit ihren oftmals polarisierenden Alltagsgeschichten aus dem Leben junger Menschen und mit ihrem sprachlichen Gespür für ebendiese Zielgruppe hat sie über die Jahre hinweg ein emanzipiertes, selbstbestimmtes Kindheitsbild im Kinder- und Jugendbuchsektor etablieren können. Aber auch darüber hinaus sind Nöstlingers schriftstellerische Arbeiten bemerkenswert, weshalb sie schon vielfach nationale und internationale Auszeichnungen entgegennehmen durfte, zuletzt beispielsweise dieses Jahr den Corine-Ehrenpreis des Bayerischen Ministerpräsidenten für ihr Lebenswerk.
Da erfreut es die interessierte Leserin/den interessierten Leser umso mehr, dass gerade zu diesem Zeitpunkt im Residenz Verlag eine Glossensammlung mit Kurztexten von Christine Nöstlinger, herausgegeben von Hubert Hladej, erschienen ist. In insgesamt sechs thematisch bzw. inhaltlich gegliederten Überkapiteln liefert die Sammlung präzise Beobachtetes, Humorvolles, aber auch Belehrendes überwiegend aus dem Alltagswahnsinn einer typischen (Haus-) Frau und Mutter. Deshalb darf auch die titelgebende Feststellung 'Eine Frau sein ist kein Sport' als äußerst treffend gelten. Nach und nach werden die unterschiedlichsten kleinen und großen Herausforderungen zu Themen wie (Haus- bzw. Ehe-) Frauen und Männern, Kinder, Familie, zu Haushalt und Kochen, aber auch zum Thema Weihnachten abgearbeitet.
Der typische Nöstlinger-Stil kommt dabei manches Mal auf gewitzte und humorvolle, manches Mal auf liebevoll ironische Weise zum Ausdruck. Und in einigen der Glossen erlaubt sich die Autorin nebst Lebensweisheiten und Ratschlägen auch Ermahnungen anzubieten.
Aus der Sicht einer jüngeren Leserin ist festzuhalten, dass viele der Geschichten und der darin beschriebenen Erlebnisse und Vorkommnisse eher an die Generation der Eltern bzw. Großeltern erinnern als an die eigenen zwischenmenschlichen Beziehungen. Dieser Umstand darf aber durchaus positiv bewertet werden, da er zugleich für die Frauen (und Männer) von heute und deren Entwicklung hin zu aufgebrochenen Rollenbildern spricht.
Abgesehen von einem bei Anführungszeichen und Gedankenstrichen etwas nachlässigem Lektorat, hält das Buch, was es auf dem Umschlag verspricht, und zwar Nöstlingers schönste Glossen zu versammeln und Trost und Rat in vielen Lebenslagen zu sein. Es ist einfach herrlich, über 'Miterzieher', männliche 'Prachtexemplare' oder 'Unkuchen' lesen und schmunzeln zu dürfen.