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Die hilfreichsten Kundenrezensionen
87 von 92 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Israel von allen Seiten,
Von K. Hauser (München) - Alle meine Rezensionen ansehen
Rezension bezieht sich auf: Eine Frau flieht vor einer Nachricht: Roman (Gebundene Ausgabe)
David Grossmanns Roman wird erzählt aus der Sicht einer Frau, die vor der Nachricht flieht, dass ihr Sohn im Krieg gefallen sein könnte. Diese Frau hat in ihrem Leben zwei Männer geliebt, von beiden je einen Sohn bekommen, einen geheiratet und den anderen verlassen und steht jetzt vor den Trümmern von Ehe und Familie. Es wird darüber erzählt, wie es für eine Frau ist, zwei Söhne groß zu ziehen, sie wachsen und gedeihen zu sehen und sie dann doch an ein Erwachsenen- und Männerleben zu verlieren.Gleichzeitig entsteht auch ein eindringliches Bild des Lebens in Israel, das den Leser (und die Leserin) so schnell nicht wieder los wird. Es wird von palästinensischen Menschen in Israel erzählt, die eine Existenz im Verborgenen leben, ähnlich wie illegale Menschen in Deutschland. Es entsteht ein Bild der israelischen Gesellschaft, die durch die seit so vielen Jahren andauernde Kriegssituation, umgeben von Feinden, die sie vernichten wollen, unwiederbringlich verändert, verkrüppelt wurde. Beeindruckend wird das gezeigt, als die Hauptfigur einige Zeit lang jeden Tag wie unter Zwang Bus fährt. Die Angst und Beklemmung, die die Bedrohung durch Selbstmordattentäter verursacht, lässt diese für uns in Deutschland so triviale Alltagstätigkeit zu einem Albtraum werden. Oder es geht darum, dass der Sohn während der Militärzeit Schuld auf sich lädt, weil er Befehlen gehorchte. Dabei geht es keinesfalls darum, die Israelis oder die Palästinenser als die Bösen darzustellen. Statt dessen gelingt es Grossmann, die Zerstörung in den Seelen der Menschen zu zeigen, ohne parteiisch zu werden. Beim Lesen wird klar, wie unermesslich hoch der Preis nicht nur für die Palästinenser, sondern auch für die Israelis ist, den sie zahlen für ihren Willen, in diesem Land bleiben zu wollen. Gleichzeitig erzählt das Buch aber auch über die Kraft, die aus der Liebe zweier Menschen füreinander erwachsen kann. Die Frau und der Mann, der der Vater ihres zweiten Sohnes ist, den sie nicht geheiratet hat, der, nachdem er in Ägypten in Kriegsgefangenschaft war und schwer gefoltert wurde, nur noch ein Schatten seiner selbst war, finden auf einer langen Wanderung wieder zueinander. Am Ende könnte es sein, dass sie dauerhaft wieder zusammen finden - und es könnte sein, dass die Nachricht, vor der die Frau fliehen wollte, vielleicht doch nicht eintrifft. Das Buch erzählt in einer wunderbar lebendigen Sprache und lässt vor dem Leser eine ganze Welt entstehen. Wenn man nachdenkt, erinnert man sich immer wieder an neue, beeindruckende Szenen, die in ihrer Eindringlichkeit dieses ganze Leben mit all der Liebe und Trauer, den Verlusten und den Ängsten, der Lebensfreude und der Hoffnung wahrnehmbar machen. Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen
42 von 46 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Leben unter Dauerkriegsbedrohung: eine Geschichte von Verlusten, Trauer und existenzieller Not!,
Rezension bezieht sich auf: Eine Frau flieht vor einer Nachricht: Roman (Gebundene Ausgabe)
In einem fiebrigen Dialog auf einer Krankenstation erzählen Ora, Avram und Ilan sich aus ihren Kriegserlebnissen, die sie alle im Sechs- Tage- Krieg in Israel erlebt haben. Wirr und unausgewogen sind ihre Stimmen, teils gleichen sie Halluzinationen, teilweise Erlebtem, Befürchtungen und Schrecknissen, Sehnsüchten und immer wieder zeigen sie die Angst.Nach einem Zeitsprung von zwanzig Jahren begleitet Ora ihren Sohn Ofer zu einer Sammelstelle für einen Freiwilligenkriegseinsatz. Der arabische Taxifahrer Sami, fast ein Freund der Familie, bringt sie dorthin. Auf der Fahrt wird allen bewusst, dass es gefährlich ist, eine Taxifahrt in diese Gegend mit einem arabischen Fahrer zu wagen. In einer der schönsten Passagen zeigt Ora mit unendlicher Empfindsamkeit, wie sehr sie bedauert, Sami zu dieser gefährlichen Fahrt aufgefordert zu haben. Nach und nach, Satzfetzen um Satzfetzen, kommen Erinnerungen und Einfälle hinzu, die zur Geschichte Oras ein wenig Aufklärung bringen. Sie hat einen Sohn von Ilan, und sie hat einen Sohn von Avram, den Gefährten jener fernen Nächte auf der Krankenstation. Was ist aus ihnen allen geworden? In einer tastenden, suchenden und atmosphärisch aufwühlenden Diktion nähert sich David Grossman seiner Geschichte: der Geschichte einer Frau, die vor einer Todesnachricht flieht. Ofer, ihr Zweitgeborener, hat sich noch einmal freiwillig zum Einsatz gemeldet, und Ora ist voller böser Vorahnungen. Sie fürchtet die Todesnachricht und glaubt fest, dass sie kommt! Wenn sie nicht erreichbar ist, denkt sie, dann kann sie nicht erfahren, dass ihr Sohn gefallen ist, und der Tod bleibt scheinbar ungeschehen. Sie zittert und bangt und flieht mit dem verstörten und kriegsgeschädigten Avram auf eine Reise nach Galiläa, denn Ilan, ihr Mann, hat sie schon vor langer Zeit verlassen. Dorthin, nach Galiläa, wollte sie jetzt eigentlich mit Ofer unterwegs sein. Grossman hat das tägliche Leben Israels in seinem Roman atmosphärisch hoch sensibel eingefangen. Bedrohlich und unfassbar ist die tägliche Todesnähe, und beängstigt fühlt man sich eingebunden in den unentwirrbaren und unheimlichen Alltag des Terrors und der Gefahren. Die Teilnahme von Freiwilligen und Wehrpflichtigen an plötzlichen Einsätzen ist an der Tagesordnung, und jede Familie bangt um das Leben ihrer Söhne, Väter und Ehemänner. David Grossmann hat in seiner Geschichte den Tod eines Helden verewigt. Fast visionär wie in seinem Roman erlebt er während des Schreibens den Tod seines eigenen erst zwanzigjährigen Sohnes Uri vorweg, der in dem nur 33 Tage andauernden Libanonkrieg 2006 gefallen ist. In Trauer fühlt man sich den Protagonisten verbunden. Grossman bringt uns die Zerrissenheit des Landes nahe, in der sich Familien entzweien, Völker demoliert werden und in dem sich Menschen auf allen Seiten von unheilbaren seelischen Wunden geschlagen sehen. Wer in Israel lebt, sieht sich dauerhaft unter dem Brennglas der Vergänglichkeit. David Grossman zeigt uns die Ohnmacht, das Ausgeliefertsein und die Schicksalskraft, mit der Dinge passieren, die man einfach nicht ertragen kann. Der Roman bietet ein anrührendes, unwiederbringliches und ergreifendes Zeugnis tragischer Ausweglosigkeit. David Grossmans sprachliche Symbolkraft ist von unfassbarer Aussagekraft. Ein Meisterwerk ganz großer Erzählkunst ist dem hoch angesehenen Dichter hier gelungen. Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen
33 von 37 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Einfach Weltliteratur,
Von
Rezension bezieht sich auf: Eine Frau flieht vor einer Nachricht: Roman (Gebundene Ausgabe)
Dieses Buch überzeugt in jeder Hinsicht durch einen aufregenden Plot, durch eine sprachliche Dichte und eine Wortmächtigkeit, wie wir sie selten lesen können.So sind wir von Beginn an gefangen in einer Geschichte von großer Intensität. "Eine Frau flieht vor einer Nachricht" - Ora flieht vor der Möglichkeit erfahren zu müssen, dass ihr Sohn Ofer, der sich freiwillig zu einem Einsatz gemeldet hat, verwundet oder getötet worden ist. Wenn sie nicht erreichbar ist, so glaubt sie, kann sie dieses Nachricht auch nicht bekommen. Denn: Wir befinden uns in Israel und mitten in den Kämpfen zwischen Israelis und Palästinensern. Und so ist dieser Roman auch ein Epos über israelische Gegenwart und über jüdische Befindlickeit in den Zeiten des Krieges. Das Buch ist aber auch eine außerordentliche psychologische Studie über ein Frau, die zwischen zwei Männer (Ilan und Awram) lebt - und mit ihrem Sohn, um den sie leidet. So ist ihre Flucht vor der Nachricht auch eine Flucht zu sich selbst. Manche Szenen haben alttamentarisches Format, andere wieder sind von schierer, nackter und bedrohlicher Wirklichkeit. Und noch etwas hat dieses Buch: Es ist nicht zuletzt geprägt vom persönlichen Erleben des David Grossman, der während des Schreibens an diesem Roman seinen Sohn in einem dieser auch geschilderten Einsätze verloren hat. Ein großartiges Buch. David Grossman ist sicher der zur Zeit beste und bedeutendste Autor Israels. Mehr noch: Auch wenn man mit diesem Prädikat etwas vorsichtig sein sollte - hier hat es Gültigkeit. Der Roman ist Weltliteratur! Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen
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