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Produktinformation
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In diesem Fall muss man Reich-Ranicki und seinem Literarischen Quartett wirklich dankbar sein, dass sie mit ihrem Lob Wilhelm Genazino und dessen letzten Roman Ein Regenschirm für diesen Tag einem größeren Publikum bekannt gemacht haben. Gehörte der gebürtige Mannheimer doch lange zu den am meisten unterschätzten Schriftstellern hier zu Lande. Das lag naturgemäß an den leisen, unspektakulären und eher handlungsarmen Geschichten, die er erzählt. Genazino ist aber ein wundervoller Chronist des Alltäglichen, dessen ironisch-melancholischem Blick auf die Welt man sich nach kurzer Eingewöhnungsphase nur zu gerne anvertraut. Der vorliegende kleine Roman, der wieder bezaubert durch diesen unverwechselbaren Genazino-Ton, macht da keine Ausnahme.
Eine Frau, eine Wohnung, ein Roman -- drei Ziele, die sich der junge angehende Schriftsteller gesetzt hat. Im Verlauf der Geschichte, über deren autobiografischen Gehalt man nur mutmaßen könnte, hat er es zumindest zu einer kleinen Wohnung gebracht. Am Ende des Buches sitzt er in einem Café, widmet sich seiner Leidenschaft -- dem Leute-Beobachten -- und ist guten Mutes: "Ich zweifelte nicht, dass ich mich in einem ungeschriebenen Roman bewegte. Ich sah auf mein Frühstück herunter und wartete auf das Aufzucken des ersten Wortes." --Christian Stahl
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Doch Brauereien, Süßwarenfabriken, Gartenbaubetriebe oder Reifenfabriken sind für einen lethargischen, dahinstolpernden Tagträumer ein wahrer Alptraum. Er hat nur eines im Kopf: Literatur! Schließlich kommt er als kaufmännischer Lehrling bei einer Spedition unter. Just zu diesem Zeitpunkt druckt der Tagesanzeiger endlich einen seiner vielen Artikel ab.
Es beginnt ein wunderbares und turbulentes Doppelleben: tagsüber Lehrling, abends und nachts schreibt er kleine Artikel für eine Tageszeitung und einige Magazine. Als auch noch Frauen in seinem Leben eine Rolle zu spielen beginnen und ihm die Stelle eines Redakteurs angeboten wird, verwirrt es diesen Tagträumer vollends.
Er lebt in seiner fiktiven Welt voller Literatur und sucht in der Welt der Wichtigtuer seinen Anteil an der Überheblichkeit des Schreibens und der Schreibenden. Der Reifeprozess zum Voyeur des Alltäglichen beginnt, seine Visionen aber bleiben so profan wie menschlich: "Eine Frau finden, eine Wohnung sein eigen nennen, einen Roman schreiben."
Mit diesem Buch gelingt dem Autor eine pointenreiche Abhandlung über "das Schreiben" und "die Literatur", verpackt in einen witzigen, ironischen Plot; slapstickartige Alltagsbegebenheiten der heranwachsenden 68er-Generation vermischt mit Kurzbiographien deutscher Literaten.
Ein leicht und flüssig zu lesender Entwicklungsroman gewürzt mit wundervoller Situationskomik über die Verlockungen der Literatur und das Erwachsenwerden mit "open end".
So hält sich Wilhelm Genazino die Option für eine (hoffentlich folgende) Fortsetzung offen.
Eine schöne Textstelle:
"Fellhauer gab sinnlose, lautmalerische Worte von sich, die ich gerne hörte. Oft ging er durch den FLur und sagte halblaut Tschingi Tschongi oder flopso bobso vor sich hin. Oder er setzte sich an seinen Schreibtisch und sagte: Tschu Tschu Tschulaka buki. Dabei führte Fellhauer ein verdrossenes Leben."
Für mich war es das erste Buch von Genazino, aber sicher nicht das letzte.
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