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Eine Frau bei 1000°: Roman. Aus den Memoiren der Herbjörg María Björnsson [Gebundene Ausgabe]

Hallgrímur Helgason , Karl-Ludwig Wetzig
4.0 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (40 Kundenrezensionen)

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Kurzbeschreibung

Januar 2012
Drei Söhne von neun Männern, das ist genug. In ihrer Garage surft die 80-jährige Herbjörg durchs Internet und begleicht letzte Rechnungen, während der Ofen für ihre Einäscherung heißläuft. Hallgrímur Helgasons neuer Roman ist ein Parforceritt durch die Geschichte des 20.Jahrhunderts: anrührend und voll isländischer Skurrilität. »Ich lebe hier allein in einer Garage, zusammen mit einem Laptop und einer alten Handgranate. Es ist wahnsinnig gemütlich.« »Ich möchte einen Termin für eine Einäscherung buchen.« »Einen Termin buchen?« »Genau.« »Aha. Ja ... wie war noch mal der Name?« »Herbjörg María Björnsson.« »Hallo? Ich kann den Namen in der Liste nicht finden. Haben Sie den Antrag auf Einäscherung schon eingereicht?« »Nein, nein. Ich möchte einen Termin für mich buchen. Für mich selbst.« »Naja, wir bearbeiten ihn nicht, bevor ... na, Sie wissen schon ... also bevor, äh ..., bevor die Leute tot sind, okay?« »Gut. Wenn es so weit ist, werde ich tot sein. Darauf können Sie sich verlassen. Also, wenn’s eng wird, komme ich einfach vorbei, und ihr schiebt mich lebend in den Ofen.«

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Produktinformation

  • Gebundene Ausgabe: 400 Seiten
  • Verlag: Klett-Cotta Verlag; Auflage: 3., Aufl. (Januar 2012)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3608501126
  • ISBN-13: 978-3608501124
  • Originaltitel: Konan við 1000°C
  • Größe und/oder Gewicht: 21 x 15 x 3,8 cm
  • Durchschnittliche Kundenbewertung: 4.0 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (40 Kundenrezensionen)
  • Amazon Bestseller-Rang: Nr. 79.866 in Bücher (Siehe Top 100 in Bücher)

Produktbeschreibungen

Pressestimmen

»Wer das moderne Island kennenlernen will, verlasse sich auf die wilde Erzählerin dieses Romans.« Tilman Spreckelsen, Frankfurter Allgemeine Zeitung, 08.10.2011 »Es giftet sofort los. Und obwohl einen sein schrilles Äußeres, die schrumpelhäutige Dame mit pinkfarbener Perücke, hätte warnen müssen, ist man überrumpelt. Der Roman springt einen an wie ein kleiner Terrier, direkt nach dem Öffnen der Gartenpforte. Er bellt kurze, heisere Sätze. Aber: Man schlägt den Buchdeckel trotzdem nicht wieder zu.« Johan Dehoust, Kultur SPIEGEL, Oktober 2011 »Die Figuren, die Helgason sich ausdenkt, sind eine rare Pracht. Seiner krachend absurden Phantasie verfällt man sofort. …“Eine Frau bei 1000°“ ist ein schnoddriger Ritt durchs vergangene Jahrhundert - und auch durch die deutsche Geschichte aus isländischer Perspektive.« Anne Haeming, Spiegel Online, 14.10.2011 »Ganz schwindelig wird dem Leser, wie der Autor zwischen den Schauplätzen und Jahrzehnten hin und her springt. Und überwältigt wird er auch: von der hohen Kunst des Spagats zwischen beißendem Humor und den anrührenden Innenansichten einer von der Liebe und der europäischen Historie gequälten Exzentrikerin.« Sarah Brasack, Frankfurter Rundschau, 12.10.2011 »…für Schriftsteller scheint als Regel zu gelten: je langweiliger ihre Werke, desto spannender ihr Privatleben - wenn diese Sentenz stimmt, muss Hallgrímur Helgasons Privatleben sehr öde sein.« Rainer Moritz, Stuttgarter Zeitung, 11.10.2011 »Hallgrímur Helgason ist eine grandiose isländische Version der Matratzengruft á la Heinrich Heine gelungen. Zorn und Trauer durchziehen die Memoiren Herbjörgs, aber ihr Geist und ihre Leidenschaft sind ungebrochen. Zudem brütet die Erzählerin wie ein Legehuhn auf einer Handgranate aus dem II. Weltkrieg, um sich wenigstens symbolisch einen Rest an Handlungsfreiheit zu bewahren. In Herbjörgs Seele lagern die unheilvollen Ereignisse des 20. Jahrhunderts wie eruptives Magma. Einem isländischen Vulkan gleich, droht dieser Sprengstoff jederzeit auszubrechen. Denn wer so alt geworden ist wie Herbjörg und in der Flut der Kriege nicht unterging, dem zerstörte es die Biographie.« Carola Wiemers, Deutschlandradio Kultur, 29.09.2011 »… die absurden Konstellationen in diesem schwarzhumorigen Roman sind unausweichlich, bieten aber uneingeschränktes Lesevergnügen.« Stefan Hauck, Buchjournal, 4/2011 »Ein packender, großer Roman über das Überleben.« Tobias Schwartz, Die Märkische, 22./23.10.2011

Klappentext

»Ich lebe hier allein in einer Garage, zusammen mit einem Laptop und einer alten Handgranate. Es ist wahnsinnig gemütlich.« »Ich möchte einen Termin für eine Einäscherung buchen.« »Einen Termin buchen?« »Genau.« »Aha. Ja ... wie war noch mal der Name?« »Herbjörg María Björnsson.« »Hallo? Ich kann den Namen in der Liste nicht finden. Haben Sie den Antrag auf Einäscherung schon eingereicht?« »Nein, nein. Ich möchte einen Termin für mich buchen. Für mich selbst.« »Naja, wir bearbeiten ihn nicht, bevor ... na, Sie wissen schon ... also bevor, äh ..., bevor die Leute tot sind, okay?« »Gut. Wenn es so weit ist, werde ich tot sein. Darauf können Sie sich verlassen. Also, wenn's eng wird, komme ich einfach vorbei, und ihr schiebt mich lebend in den Ofen.«

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36 von 36 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Eine faszinierende Biographie im 20. Jahrhundert 25. September 2011
Format:Gebundene Ausgabe
'Ich lebe allein in einer Garage, zusammen mit einem Laptop und einer alten Handgranate. Wir haben es wahnsinnig gemütlich.'

Wem dieser Anfang schon skuril erscheint, der wird im Laufe der Lektüre feststellen, dass der Autor dies noch um einiges weiter treiben kann. Herbjörg ist 80 Jahre alt, sie ist die Enkelin eines ehemaligen isländischen Präsidenten und hat eine bewegte Lebensgeschichte, auf die sie in diesem Roman zurückblickt. In Island, Dänemark, Deutschland und Argentinien hat sie Zeit verbracht, die furchtbaren Seiten des Zweiten Weltkriegs am eigenen Leib miterleben müssen, vier Kinder geboren, von denen nur drei überlebt haben. Besuch bekommt sie jetzt mit 80 in ihrer Garage aber kaum noch, nachdem die Kinder ihr Haus verkauft haben und versuchten, sie in ein Pflegeheim abzuschieben, aus dem sie abgehauen ist. Und so liegt sie jetzt da, mit ihrem Laptop und der Handgranate, die ihr Vater ihr vor Jahren gab, um sich im Notfall verteidigen zu können, und lässt ihr Leben für uns Leser Revue passieren.

All dies beschreibt Hallgrímur Helgason mit einer bildhaften und gleichzeitig harten Sprache, die einen beim Lesen immer wieder schlucken lässt, wenn die krebskranke Frau den Angriff der Krankheit auf ihre Organe mit dem Vorrücken der deutschen Wehrmacht vergleicht und von Vergewaltigungen während ihrer Flucht im Krieg berichtet. Herbjörg ist ganz sicher keine nette ältere Dame von nebenan, im Gegenteil, sie ist ziemlich durchtrieben, wenn sie zum Beispiel das Mailpostfach ihrer Schwiegertochter hacken lässt, um rauszufinden, ob die ihren Sohn betrügt. Dennoch fühlt man mit ihr auf ihrer Reise durchs Leben, die skurile alte Dame wächst einem während der Lektüre ans Herz und um so stärker wirken ihre Erlebnisse. Der Stil des Autors ist einzigartig und die sprachlichen Elemente, der Reichtum an Bildern und Metaphern beeindruckend. Obwohl die Geschichte nicht chronologisch erzählt wird sondern wild durch das 20. Jahrhundert springt, kann man ihr problemlos folgen.

Die Geschichte von Herbjörg ist sicher kein Buch, dass man beendet hat, wenn die letzte Seite gelesen ist, sondern eines, das einen begleiten kann und in dem bei erneutem Lesen immer neue Dinge ins Auge springen, so facettenreich ist das Leben dieser isländischen alten Dame.
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9 von 9 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Format:Gebundene Ausgabe
Die Buchrückseite zeigt folgendes Zitat des Buches: "Ich lebe allein in einer Garage, zusammen mit meinem Laptop und einer alten Handgranate. Wir haben es wahnsinnig gemütlich." Für viele ist das vielleicht schon zu schräg und sie werden das Buch beiseite legen, aber manch andere macht das Buch bestimmt neugierig. So wie mich und ich wurde keineswegs enttäuscht, ganz im Gegenteil sogar!!! Denn so schräg ist es gar nicht, es ist eine sehr traurige Geschichte.

Herbjörg Maria Björnsson ist eine 80-jährige, schrullige Frau, die aus ihrer Garage heraus mit dem Leser eine Reise in die Vergangenheit macht. Sie schreibt ihre Memoiren und erzählt dem Leser von Erlebnissen aus dem Zweiten Weltkrieg, von ihren Liebschaften und vielen Bekanntschaften, von ihrem Leid, dass sie erfahren musste, von ihren drei Söhnen, zu denen sie keinen wirklichen Kontakt hat sowie von ihrem bevorstehenden Tod.

Hallgrimur Helgason ist meines Erachtens ein ziemlich genialer Schriftsteller, der sein Buch sehr facettenreich gestaltet hat. Dieses Buch ist zugleich komisch, aber auch sehr tragisch. Auf der einen Seite muss man laut lachen, auf der nächsten Seite kommen einem die Tränen. Mit Herbjörg Maria Björnsson hat er einen sehr vielschichtigen Charakter geschaffen, den man zu Anfang sehr schrullig und schräg findet, manchmal sogar für verrückt erklärt, mit dem man aber gegen Ende nur noch Mitleid empfindet. Was hat diese Frau in ihrem Leben durchgemacht...

Den Großteil des Buches befinden wir uns in der Zeit des Zweiten Weltkrieges. Hallgrimur Helgason schildert den Zweiten Weltkrieg aus einer ganz anderen Perspektive, weder aus der Perspektive eines Deutschen noch aus der Perspektive eines Juden, sondern aus der Perspektive einer Isländerin. Interessant war dabei die geschichtliche Entwicklung Islands, bspw. die Abnabelung der Islands von Dänemark, die Besetzung durch die Amerikaner, usw. Wissenswertes für die Allgemeinbildung...

Der Autor widmet einige Kapitel der Gesellschaft, betrachtet diese sehr sozialkritisch und stellt dabei sehr interessante Thesen auf. Das hat wohl dazu beigetragen, dass man dieses Buch nicht in einem Rutsch lesen konnte. Mich hat dieses Buch in vielerlei Hinsicht sehr zum Nachdenken angeregt.

Zu guter Letzt möchte ich ein großes Kompliment an den Übersetzer aussprechen, der, soweit ich das beurteilen kann, durch hervorragende Wortwahl die Intentionen des Autors an den Leser weitergeben konnte.

Ein hervorragendes Buch aus Island.
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9 von 9 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Schräg, eigen und Femme Fatal mit 80 5. Oktober 2011
Format:Gebundene Ausgabe
Eigentlich ihr Leben lang war Herbjörg Maria Björnsson, durch einen Sprachfehler einer Bediensteten 'Herr' genannt und durch einen unglückliches Traditionsverständnis als eine der wenigen Isländerinnen mit dem Namensbeisatz 'Son' versehen bei 1000 Grad.
Das hört auch jetzt mit 80 Jahren als 'krankes Klappergestellt', als 'gammelnder Garagengötze' (sie lebt in einer ausgemusterten Garage in ihrem Krankenbett mit ihrem altersschwachen, aber surfbereiten Laptop samt diverser 'gefakter' Facebookaccounts) keinesfalls auf. Und das nicht nur wegen der zwei Schachteln Pall Mall am Tag und weil es ihrer Gewohnheit entspricht, eine deutsche Handgranante aus dem zweiten Weltkrieg unter ihrer Bettdecke verstaut zu halten. Nein, 1000 Grad scheint die lebenslang vorhandene 'Hitze' der Herbjörg gewesen zu sein. Sei es mit ihren 'Jonskerlen', mit denen diverse Ehen und einige gemeinsame Kinder im Raume stehen, sei es mit ihren vielfältigen Eigenarten, schon zu Zeiten, in denen 'Emanzipation' ein unbekanntes Fremdwort war, das Leben in vollen Zügen zu genießen. Mit Wein, (oder härterem), Männern und Gesang. Als Enkelin des ersten isländischen Präsidenten und zugleich versehen mit dem, was man als 'äußerst loses Mundwerk' bezeichnen könnte, zieht sie ihre Bahnen durch das letzt Jahrhundert von 1929 an bis zum Jahre 2009 und ist nun, kurzatmig, bettlägerig, klapprig, todgeweiht immer noch mit scharfer Zunge und klarem Verstand per Internet in emsigen Kontakt mit der 'Welt da draußen', auch wenn sie immer wieder (assoziativ und nicht unbedingt chronologisch geordnet) in den 'alten Geschichten versinkt'.

Da, wo John Lennnon sie küsste und nur deswegen nicht mehr daraus wurde, weil ihr just in diesem Augenblick so traurig zumute wurde ob des frühen Todes ihrer ersten Tochter, die im alten von drei Jahren von einem Auto überfahren wurde. Oder bei der kurzen Begegnung mit Jean Paul Sartre auf dem Gang zur Toilette im Pariser Bistro, wo Herbjörg aber ganz gerne dem 'gierigen Blick' auswich (und kein gutes Haar an Sartre und Beauvoir lässt).

Ein pralles Leben auch (aber nicht nur) mit der Prominenz der Zeit, immer mit großer Bugwelle versehen, auf die Härten des Lebens ungefiltert prallend, zudem mit rabenschwarzem Humor, konsequentem Zynismus und spitzer Zunge gesegnet. Ein pralles Leben damals und jetzt, in das der isländische Comedian und Autor Helgason den Leser wie auf einen unermüdlichen Ritt mitnimmt.

Herbjörg, die unter anderem den Namen und das Bild einer ehemaligen 'Miss' sich zu eigen gemacht hat, um dem ein oder anderem Mann bei Facebook zur eigenen Freude romantische (und darüber hinausgehende) Gedanken zu entlocken. Die in ihrer Garage daliegt wie eine 'bedürfnislose Leiche', die abwechselnd 'auf den Tod oder auf jemanden mit einer lebensverlängernden Spritze wartet', Herbjörg hat gelebt. Aus dem Vollen. Aber mit ihr wurde auch gelebt. Mit Härten. Und der Teer und nikotingeschwängerte Atem reicht immer noch, der drallen Pflegerin Loa zu erläutern, endlich mal einen 'ranzulassen', denn die 'Brunftzeit vergeht'. Und wer mit 80 Jahren als Facebookstatus 'is killing dicks' angibt, der wird über Brunftzeiten ja durchaus Bescheid wissen. Mit allen Wassern gewaschen auch im Blick auf den Rest des Lebens ist Herbjörg übrigens selbstredend auch. Ihre undankbare Bagage hält sie per Net unter strikter Beobachtung und liefert sich beileibe nicht hilflos aus.

So laufen die Seiten des Buches wie aus einem Guss, mit großem sprachlichen Witz und jederzeit den Leser faszinierend voran. Schwenken aus der Gegenwart der 80jährigen ab in die diversen Jahrzehnte eines prall gefüllten Lebens, dies allerdings eher assoziativ und (zum Glück, denn die Gegenwart ist noch spannender als all die Erlebnisse der Vergangenheit) nicht als 'Buch im Buch'. Trotz des hohen Sprachwitzes und des knochentrockenen Zynismus der alten Dame, was sie erlebt, was alles passiert, das bildet auch die Härten der Zeit ab, da finden sich vielfach wunde Stellen der Trauer unter der brettharten Schale der Greisin. Emotionen, die Helgason in umwerfender Weise in Sprache zu bannen versteht und die einen das Buch nicht aus der Hand legen lassen.
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