Dieses Buch ist wichtig. Jeder, der sich mit den Geschehnissen von 1945 befaßt, sollte es gelesen haben. Schonungslos und offen schildert die Autorin die letzten Kriegstage und die Zeit danach, wie sie die Berliner Bevölkerung erlebt hat - vor allem die Frauen. Das Leid wird ohne Dramatisierung geschildert, egal ob Familien, die aus Verzweiflung Selbstmord begehen oder Jugendliche, die noch in den letzten Kriegstagen von Bomben getötet werden. Und dann kommen die Russen. Sehr bildhaft wird beschrieben, wie Eltern - nicht immer erfolgreich - versuchen, ihre jugendlichen Töchter zu verbergen, und wie viele Frauen versuchen, sich alt unattraktiv zu machen, um für die Soldaten nicht interessant zu sein. Und daß es unweigerlich zu Vergewaltigungen kommt, wird auch offen und ehrlich beschrieben. Die Autorin selber versucht, sich durch ihre Russischkenntnisse und das gezielte Auswählen von hochrangigen Offizieren noch irgendwie in diesen schlimmen Tagen zu helfen - doch auch wenn sie mit einigen "hohen Tieren" so eine Art Beziehung(wobei dieses Wort dafür an und für sich zu weit gehen würde) eingeht, durch die sie sich und anderen Essensvorräte beschaffen kann, so zeigt sich, daß es allen Truppen - egal welchen Ranges und Alters - schlußendlich nur um "das Eine" geht...und daß auch vor Alten nicht halt gemacht wird.
Ebenso anschaulich wird der Kampf um knappe Lebensmittel beschrieben, daß zu diesen Notzeiten auch Brenesseln oder faulige Kartoffeln reichen müssen, überhaupt wird der Kampf ums Überleben und auch das gegenseitige Bestehlen passend mit "homo homini lupus" charakterisiert.
Dieses Buch zeigt auch auf, daß das Leiden der Leute nach dem Krieg noch lange nicht beendet war - auch nach Kapitulation am 8. Mai kommt es zu Vergewaltigungen und Plünderungen, gleichwohl sich die Wogen inzwischen etwas geglättet haben.
Wer das Buch durchgelesen hat, wird verstehen, daß die Autorin nicht genannt werden wollte. Sie versteht es nebenbei auch recht gut, ihre Erlebnisse gut auszuformulieren - angesichts der Umstände, unter denen dieses Tagebuch entstanden ist, eine große Leistung.
Ich kann dieses Buch nur jedem empfehlen, der auch mal einen authentischen Einblick in das Leid der deutschen Zivilbevölkerung durch den Krieg erhalten möchte. Das Buch zeigt keine Spur von Mitleidsgeheische, nein, vielmehr wurden die Gefühle ausgespart, denn wenn alle Gefühle abgetötet sind, kann auch kein Haß mehr entstehen.
In einer anderen Rezension wurde erwähnt, daß dieses Buch in deutschen Schulen gelesen werden sollte. Dem kann ich mich nur uneingeschränkt anschließen. Schließlich sollte die deutsche Geschichte nicht nur einer einseitigen Betrachtung unterzogen werden.