Bekanntlich ist Oscar Wilde mein Lieblingsschriftsteller. Und hier hat er auch mal wieder bewiesen, wie grandios er schreiben kann. Egal ob Märchen, Roman, Gedichte oder wie hier: eine Gesellschaftskomödie, Wilde schafft es immer wieder durch seinen Zynismus die Leser zu verblüffen. Der Titel scheint zunächst interessant und bleibt es auch stetig.
Wilde legt nicht großen Wert auf Handlungen, er bevorzugt eher die Dialoge zwischen den Personen. Nur so viel: Die damalige obere Gesellschaftsschicht aus dem viktorianischen England wird von Wilde geschickt parodiert. Lord Illingworth ist ein Mann, der zwanzig Jahre zuvor einer seiner Geliebten ein Kind aufgedrängt hat. Durch Zufall trifft er seinen leiblichen Sohn und dessen Mutter nach Jahren wieder. Illingworth weiß, dass Gerald sein Sohn ist, Gerald weiß aber nicht, dass der andere sein Vater ist. Als Illingworth auf einem Tisch einen Brief mit einer ihm bekannten Handschrift entdeckt, wendet er sich zugleich an Lady Hunstanton, eine gute Bekannte, und fragt von wem der Brief sei, denn sie erinnere ihn an die Handschrift einer Frau, die er vor langem gekannt habe. Als Lady Hunstanton fragt wen er meine, antwortet er: Ach niemand Besonderes. Eine Frau ohne Bedeutung. Am Ende des Buches findet Gerald einen vergessenen Handschuh von Lord Illingworth bei seiner Mutter. Er fragt sie: Wem gehört dieser Handschuh und seine Mutter antwortet: Ach niemand Besonderem. Einem Mann ohne Bedeutung. Brief und Handschuh: Das Cover des Buches.
Mehr enthält dieses Büchlein natürlich auch noch, nämlich die amüsanten Dialoge zwischen den Figuren. Und ein aufschlussreiches Nachwort ist in dieser Ausgabe auch enthalten. Sehr zu empfehlendes Buch von meinem Lieblingsmeister: Oscar Wilde. Wer ihn mag, kennt, schätzt oder Wert auf anspruchsvollere Literatur mit Witz und Ironie legt, muss dieses Buch gelesen haben.
Dieser Text wurde von einer 18-jährigen verfasst.