Herrlich amüsant und mit großem Wortwitz wird die Geschichte von Charlotte MacLeod geschildert. So wird zum Beispiel die Sekretärin der Forschungsstation Viola gleich zweimal an einen Baum gefesselt, was aber sicherlich nicht daran liegt, dass sie ein T-Shirt mit der Aufschrift trägt: „Heute schon einen Baum umarmt?" Dabei ist der Humor keineswegs platt, sondern so feinsinnig, dass er auch ein wenig speziell ist und ein breites Publikum nicht leicht Gefallen daran finden wird. Wer sich für die Romane um den Hobby-Detektiven Peter Shandy entscheidet, sollte auf jeden Fall etwas für skurrile Geschichten übrig haben. In punkto Skurrilität werden die Jury-Romane der Autorin Martha Grimes von der Balaclava-Serie sicherlich übertroffen, insbesondere was den Plot selbst angeht. Gemeinsam ist den beiden Serien, dass die Figuren teilweise recht überzeichnet sind und dass auch immer wieder die gleichen Personen auftauchen, die man nach kurzer Zeit richtig lieb gewinnen kann.
Dabei ist die Liebe zum Detail charakteristisch, welche die Autorin an den Tag legt und welche die Originalität und den Wiedererkennungswert ihrer Romane ausmacht. Im allgemeinen sind die Krimis ohne Spannungsverlust zu lesen und mit schnell vorangetriebener Handlung ausgestattet, bei der allerdings das Verbrechen nicht komplett im Mittelpunkt steht. Bei „Eine Eule kommt selten allein" muss man hier einen kleinen Abstrich machen: im Mittelteil schleicht sich für mich persönlich ein Durchhänger ein, der am Ende jedoch wieder ausgebügelt wird. Aber einen treuen Leser von MacLeods Romanen kann dies nicht von der Lektüre abhalten. Erstlesern sei hier der Erstling „Schlaf in himmlischer Ruh'" empfohlen, mein absoluter Favorit.