Richard Strauss' "Alpensinfonie" zählt neben "Also sprach Zarathustra", "Tod und Verklärung" den "Metamorphosen" für 23 Solostreicher und "Ein Heldenleben" zu seinen großartigsten, beliebtesten und bekanntesten Werken. Bildmalerisch beschreibt Strauss den Aufstieg und den Abstieg auf einem alpinen Berges.
Beinahe impressionistisch schildert Strauss die Nacht, die dem grandiosen Sonnenaufgang vorangeht. Dieser ist mindestens so gewaltig dargestellt wie der aus "Also sprach Zarathustra". Der Aufstieg beginnt, zunächst gemächlich - herrlich untermalt durch das Nachahmen eines Wasserfalls im Pizzikato und die zum Einsatz kommenden Kuhglocken -, dann lebendig über blumige Wiesen - wieder die hehren Glocken -, dann stürmischer durch gefahrvolle Stellen. Der Wanderer wird belohnt durch einen grandiosen Blick vom Gipfel, den der Komponist phänomenal in Szene setzt.
Dann beginnt der Abstieg. Der Wanderer hat eine Vision, geradezu eine Erscheinung des Göttlichen. Doch dann ziehen Nebel und Wolken auf, ein Gewitter droht. Immer wilder lässt Strauss das Orchester die Gefahren des Abstiegs darstellen. Das Gewitter selbst kann es durchaus mit dem aus Beethovens "Pastoraler" aufnehmen. Man fühlt sich regelrecht bedrängt von Gewitterwolken, Donner und Blitz.
Der riskante, rutschige Abstieg neigt sich seinem Ende, Strauss projiziert einen wärmenden Sonnenuntergang und lässt das Bild verklingen, ein Bild, dass der Hörer so schnell nicht vergessen wird.
Giuseppe Sinopoli hat nicht zuletzt durch seinen grandiosen Mahler Zyklus bewiesen, dass er mit majestätischen, wuchtigen Werken, die dennoch viel Klangmalerei verlangen, umgehen kann und dass er es vermag, auch riesige Orchester zu dirigieren und schier endlose und verschnörkelte Partituren zu bewältigen. Der Klang der perfekt spielenden Staatskapelle Dresden ist einwandfrei.
Fazit: Karajan in allen Ehren, aber diese Einspielung setzt neue Maßstäbe und darf durchaus als moderne Referenz angesehen werden.