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Der Witz liegt nun nicht darin, dass es wahrscheinlich keine „Heilige Ursula" des Lothringers De La Tour gibt.
Der Witz liegt auch nicht in der Legende der Heiligen auf dem Gemälde, die sich Jungfrau aus Überzeugung, einem brünstigen Hunnenkönig so vehement verweigerte, dass er sie mit seinen Pfeilen durchbohrte. Dieses Motiv gäbe sicherlich was Konfrontation fremdländischer Barbarei mit europäischer Gesittung, im Blick auf „Affäre in Paris" einiges her.
Der Witz liegt dagegen viel mehr darin, dass dieser Film sich gar nicht die Mühe macht das Gemälde, das doch für den Fortgang der Handlung so wichtig ist, genauer anzuschauen. Es ist ein Objekt, ein Bild, mehr nicht.
James Ivory, der Regisseur der „Affäre in Paris" holte eine aus französischen und amerikanischen Schauspielern gemischte Truppe vor die Kamera - Kate Hudson als amerikanische Studentin Isabel, Naomi Watts als ihre ältere , glücklos in Paris verheiratete Schwester, Melvil Poupaud als untreuer Ehemann von Roxy, Leslie Caron als Schwiegermutter, Sam Waterston und Stockard Channing als Mr. Und Mrs. Walker.
Es könnte alles in schönster Unordnung sein, wenn nicht eben diese Unübersichtlichkeit, das bunte Durcheinander in der Romanautorin Johnsons quietschfidelen Unterhaltungsroman, dem Regisseur schwer zu schaffen macht. Der amerikanische Regisseur Ivory ist hingegen ein Spezialist für Ordnungen, Hierarchien und das, was sie zerstört- jedoch nicht für die frei florierenden Kräfte moderner Großstadtgeschichten.
Je länger der Film dauert, desto häufiger fragt man sich, ob der Regisseur eigentlich weiß, was genau er uns erzählen will? Wahllos und gleich bleibend temperiert präsentiert er die einzelnen Episoden.
Roxy, fortgeschritten schwanger, versucht sich das Leben zu nehmen; Isabel beginnt einen Liebschaft mit einem Talkshow-Politiker; Tellman, ein weiterer in Paris lebender Amerikaner, verfolgt mit dem Revolver in der Hand seine untreue Frau. Ivory betrachtet das alles teilnahmslos, als könnte man den Reigen dieses Bilderbogens auch in einer anderen Sichtweise betrachten. Beides, das Amerikanische und das Französische vermischen sich nicht - Paris bleibt einfach Kulisse und die „Affäre" ein flüchtiges Rendezvous.
Bei einer Szene, mitten im Film, sitzt Isabel mit ihrem Liebhaber Edgar zusammen, und dieser fragt sie, ob sie seine Mätresse werden möchte. Je nachdem, wie man den von Edgar ausgesprochen Satz deutet, kann er eine Frechheit, einen Drohung oder Ausdruck höchsten Begehrens sein, denn er sagt:" Ich finde sie sehr unterhaltsam, und ich hoffe, sie finden mich auch unterhaltsam." Bei Ivory klingt es bloß wie ein artiges Kompliment. Für eine Reise nach Paris ist das nicht verlockend.