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Die hilfreichsten Kundenrezensionen
7 von 7 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Sherko Fatah: Ein weißes Land,
Von Ruth Justen (Leipzig, Deutschland) - Alle meine Rezensionen ansehen
Rezension bezieht sich auf: Ein weißes Land: Roman (Gebundene Ausgabe)
Wie macht Fatah das nur? Er führt seine Leser durch düstere Zeiten voller Gewalt, Tod und Schuld und dennoch will ich das Buch nicht zur Seite legen, folge ich dem Autoren und seiner Hauptfigur Anwar bis ans bittere Ende.Der Roman beginnt mit der Jugend von Anwar im Bagdad der 30iger Jahre. Die Briten hatten in Folge des 1. Weltkrieges eine probritische Regierung im Irak installiert. Dagegen wuchs in den 30iger Jahren der Widerstand. Die Deutschen unterstützten diesen Widerstand stark, der zum Sturz der probritischen Regierung 1941 führte. Nicht zuletzt mit ihrer antisemitischen Politik gewannen die Deutschen Partner im arabischen Raum. Dazu gehörte der Mufti von Jerusalem Mohammed Amin al-Husseini. Mitten drin in diesem historischen Kampf steckt der junge Anwar. Er mischt zugleich hinter den politischen Kulissen im Kampf um Armut und Reichtum, um gesellschaftliche Stellung mit. Er wird Dieb, Mörder und schließlich ein Parteigänger des Muftis. Da er ein treuer Diener ist, folgt Anwar dem Mufti nach Berlin. Von Berlin aus schickt Amin al-Husseini Anwar zu den muslimischen Einheiten der Waffen-SS nach Osteuropa. Er beteiligt sich dort an den Morden. Anwar spürt den Wahnsinn des Massenmordes mehr als das er ihn reflektiert. Als einzig Überlebender seiner Truppe kehrt er beladen mit Schuldgefühlen nach Bagdad zurück. Weder lebt er noch will er sterben, am liebsten ist er unsichtbar für alle anderen. Doch das bleibt ein frommer Wunsch. Der koruppte irakische Offizier, der ihn schon in der Vorkriegszeit als Spitzel benutzt hat, lässt Anwar keine Ruhe. Das Buch entlässt mich dem Gefühl, dass alles weiter geht. Die gleichen zwielichtigen Gestalten werden die gleichen kaputten Menschen benutzen, um Unrecht zu säen, zu plündern und zu morden. Definitiv düster, aber ungemein sensibel und vielschichtig erzählt Sherko Fatah seine Geschichte von Schuld und Mitschuld. Luchterhand Literaturverlag 2011 Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen
3 von 4 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Anwar entdeckt die Welt,
Von
Rezension bezieht sich auf: Ein weißes Land: Roman (Gebundene Ausgabe)
Anwar ist der Held des Buches. Ob er ein Held oder eher ein Antiheld ist wüsste er wahrscheinlich selbst nicht zu beantworten (denke ich).Anwar wächst im Bagdad der 30er Jahre als Araber unter Arabern auf. Aber es gibt schon eine Sicht auf die britischen Kolonialisatoren. Dann entdeckt er die Welt des sehr verschiedenen Bagdad. Eine Welt in der er seinen Platz sucht, der er aber eher hilflos gegenüber steht. Der Krieg kommt und einige Konstanten von Anwars Welt beginnen zu wanken und es verschlägt ihn nach Berlin, wo er wieder eine diverse Welt entdeckt, denn die Deutschen sind erschreckend unterschiedlich und nicht so verlässlich wie geglaubt. Genauso wie die SS-Einheit, wo er mit vielen völlig Fremden in einen Topf geworfen wird ("Muselmanen"). Kampfeinsätze im Hinterland führen Anwar dann in ein weißes Land, denn er lernt eine Schneewüste kennen. Auch Deutschland war ein weißes Land, aber derer gibt es mehrere. Viele Kreise scheinen sich zu schließen, und Anwar ist es möglich sich selbst neu zu entdecken und heimzukehren. Dort sind die Entdeckungen nicht abgeschlossen... Ein gutes Buch in jeder Hinsicht würde ich sagen. Eine spannende Geschichte in einer spannenden Epoche mit einem interessanten Helden. Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen
4.0 von 5 Sternen
Zwischen den Welten,
Von
Rezension bezieht sich auf: Ein weißes Land: Roman (Gebundene Ausgabe)
Nachdem er bereits mit "Das dunkle Schiff" auf der Longlist des Deutschen Buchpreises 2008 stand, legt Sherko Fatah mit "Ein weißes Land" abermals ein sehr beachtenswertes Buch vor. Erschienen im Luchterhand-Literaturverlag erzählt der Roman die Geschichte des Jungen Anwar und seiner Reise ins Berlin des Dritten Reichs.Eine Kindheit in Bagdad 1920 wird Anwar in Bagdad geboren und verlebt dort eine Kindheit zwischen Tradition und Moderne. Aus einem konservativen Elternhaus stammend freundet er sich schon bald mit dem Juden Malik an, mit dem er einige Abenteuer besteht, bevor die Stimmung im Königreich endgültig kippt und Juden aus der Öffentlichkeit gedrängt werden. Hier zeigt Fatah beeindruckend das Panorama eines Landes vor Saddam Hussein und Anschlägen, von dem man eigentlich so gut wie nichts weiß. Man ist Zeuge, wie Malik und Anwar durch die staubigen Gassen der Stadt jagen und kann den Zeitgeist hervorragend nachempfinden. Allerdings ist Sherko Fatah natürlich zu sehr ein erfahrener Romancier, als das er es mit diesen Kindheitsschilderungen und dem schleichenden Antisemitismus bewenden lassen würde. Flucht nach Berlin Nachdem sich Anwar notgedrungen in die Abhängigkeit der erstarkenden Schwarzhemden im Irak begeben hat, wird ihm schon bald klar, dass er aus seiner alten und bekannten Welt ausbrechen muss, will er es in seinem Leben noch zu etwas bringen. Im Gefolge von Bundesgenossen der Nationalsozialisten bricht er in Richtung Berlin auf, wo er im Jahre 1941 inmitten des Krieges ankommt. Hatte sich bereits in Bagdad eine Zäsur im Leben Anwars angedeutet, wird sie hier völlig offensichtlich. Nachdem in Deutschland der Antisemitismus in potenzierter Form auftritt und Anwar auch hier keine Position beziehen will, wird er schon bald in der SS mit den (auch eigenen) Kriegsgräuel konfrontiert. Er muss gegen polnische sowie russische Partisanen kämpfen und erlebt den Irrsinn des Krieges am eigenen Leib. An diesen Stellen zeigt Fatah explizit die Unmenschlichkeiten des Kriegs, die oftmals an die Grenze des Darstellbaren reichen und dem Leser passagenweise einiges abverlangen Fazit Eine Reise von Bagdad nach Berlin und wieder zurück, ein dunkles Kapitel deutscher Geschichte und die Schilderung aus einem Land, von dem wir so gut wie nichts wissen - "Ein weißes Land" bietet auf seinen knapp 480 Seiten jede Menge Inhalt und ist eine besondere Geschichtsstunde. Braucht man auch eine gewisse Zeit, um in den Erzählton und die Geschichte von Sherko Fatah hineinzufinden, so ist man aber spätestens nach zwanzig Seiten von den detaillierten Beschreibungen und dem Schicksal der Menschen zu sehr angetan, als dass man das Buch aus der Hand legen würde. Der Erzählbogen, der doch sehr weit gespannt ist, trägt die Geschichte zuverlässig und zeigt die Ambivalenz in der Geschichte genauso wie im Charakter Anwars. Gelungen schafft es Fatah, dem Leser eine Geschichte zu präsentieren, die vor Grausamkeiten und Gräuel schier trotzt und von der dennoch eine unbestreitbare Faszination ausgeht. Eine schwierige aber auch sehr lohnende Lektüre, die allemal einen zweiten Blick wert ist! Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen
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