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Panorama einer ganzen Epoche, 2. Oktober 2003
Rezension bezieht sich auf: Ein vortreffliches Frauenzimmer: Das Schicksal von Eleonore d'Olbreuse, der letzten Herzogin von Braunschweig-Lüneburg-Celle (Gebundene Ausgabe)
„Die besten Frauen sind bekanntlich die, von denen am wenigsten gesprochen wird," schrieb I. F. Neigebauer, der erste Biograph von Eleonore d'Olbreuse im Jahre 1859. So verwundert es nicht, daß das Schicksal der letzen Herzogin von Braunschweig-Lüneburg-Celle einer breiteren historischen Öffentlichkeit bislang gänzlich unbekannt geblieben ist - und dass, obgleich sie es als Sproß eines verarmten hugenottischen Adelsgeschlechtes in einem turbulenten Leben immerhin zur Großmutter Georgs II von England und zur Urgroßmutter Friedrichs des Großen brachte. Doch nicht nur, wer sich für die Geschichte einer beeindruckenden Frau in vorfeministischen Zeiten interessiert, wird in dem vorliegenden Lebensportrait der Eleonore d`Olbreuse eine frauengeschichtlich ergiebige Lektüre finden - auch der allgmeingeschichtlich Bewanderte kann über religions- und machtpolitischen Details, dynastische Verwicklungen und höfische Tragödien des späten 17. und frühen 18. Jahrhunderts manch Neues aus dem vorliegenden Buch lernen. Denn es ist nicht das Schlechteste, eine Epoche aus der Perspektive einer im Jahre 1639 in Frankreich geborenen jungen Frau kennenzulernen, die als Kind auf den väterlichen Feldern wohl noch die Schafe hat hüten müssen, die sie es mit Liebreiz und Charme schnell zur Hofdame brachte und schließlich im Alter von gerade einmal 20 Jahren am Hof Ludwigs XIV manch unmoralischem Angebot zu widerstehen wußte. Auf einer Reise durch Deutschland verliebten sich dann gleich zwei Herzöge des Hauses Braunschweig-Lüneburg in die anmutige Frau, von denen Eleonore d'Olbreuse schließlich Herzog Georg-Wilhelm aus Liebe erwählte und ihm in einer über vierzigjährigen Ehe in Treue und Hingabe verbunden blieb. Es waren vierzig Jahre einer wahren Wendezeit, in der die Eruptionen der französischen Hugenottenvertreibung und die Glorious Revolution in England ganz Europa erschütterten, in der die französische Expansionspolitik am Widerstand einer österreichisch-englischen Allianz zerbrach und die gleichsam nebenbei als Fußnote der Weltgeschichte den Aufstieg der Schwesterlinie Calenberg/Hannover zur Kur-und Königswürde mit sich brachte. Auch von privaten Tragödien blieb die allseits beliebte Herzogin von Braunscheig-Lüneburg nicht verschont: Eleonores Tochter Sophie Charlotte, aus Staatsräson in eine unglückliche Ehe mit dem menschlich widerwärtigen Kurfürst Georg-Ludwig von Hannover, dem späteren englischen König Georg I, getrieben, versuchte aus dem Elend einer unerträglichen Ehe in die Liebesbeziehung zum schwedischen Grafen Philipp von Königsmarck zu entfliehen, eine tragische Liaison, die dem Liebhaber das Leben kostete und als deren Konsequenz die unglückliche Tochter, immerhin die Großmutter Friedrichs des Großen, ab 1694 bis an ihr Lebensende noch 32 Jahre lang im Wasserschloß Ahlden gefangengehalten wurde. Als Georg Wilhelm von Braunschweig-Lüneburg 1705 verstarb, verbrachte Eleonore d'Olbreuse ihre letzten Jahre als Herzogin-Witwe erfolglos damit, sich für ihre gefangene Tochter Charlotte einzusetzen, ehe sie am 5. Februar 1722 in Celle verstarb. Ein Buch, das man ein wenig wehmütig aus der Hand legt, weil es der Autorin gelungen ist, stilsicher und episch aus der Perspektive einer tapfren Frau das Panorama einer ganzen Epoche zu entwickeln, ohne sich wissenschaftliche Blößen zu geben.
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Ein vortreffliches Buch, 12. September 2003
Rezension bezieht sich auf: Ein vortreffliches Frauenzimmer: Das Schicksal von Eleonore d'Olbreuse, der letzten Herzogin von Braunschweig-Lüneburg-Celle (Gebundene Ausgabe)
Die Geschichte dieser ungewöhnlichen Frau ist hochinteressant, doch ist man nach der Lektüre dieser historischen Biographie erstaunt, dass über das Schicksal dieser Hugenottin bisher so wenig bekannt war. Aus großer Liebe hat der Welfenherzog Georg Wilhelm das für ihn nicht standesgemäße Landedelfräulein aus Frankreich geheiratet und sich dadurch der Feindschaft und den Intrigen seiner hochrangigen Verwandtschaft ausgesetzt. So lehnte z.B. Liselotte von der Pfalz in ihrer deftigen Schreibweise "dieses Mensch" als Herzogin ab und empfand die Heirat "wie wenn man Mausdreck mit Pfeffer mischt." Die tragische Liebesgeschichte der Tochter des Herzogspaares, Sophie Dorothea, mit dem Grafen von Königsmarck zeigt die Auswirkungen der höfischen Intrigen. Sophie Dorothea wurde, obwohl ihr Mann, der spätere König von England Georg I., sie ständig betrog, schuldig geschieden und lebenslänglich verbannt. Der Mord am Grafen Königsmark, der ihr zur Flucht aus der unglücklichen Ehe helfen wollte, ist bis heute noch nicht restlos geklärt. Eleonore, die Herzogin von Celle wurde die Stamm-Mutter vieler europäischer Fürstenhäuser. Sie war u.a. die Urgroßmutter Friedrichs des Großen und Großmutter des englischen Königs Georg II. Dieses aufwändig gestaltete und detaillreiche Buch liest sich gut und man kann so manches Neue über die europäische Geschichte des 17. Jahrhunderts erfahren. Der Abdruck von Originalbriefen und die zahlreichen Abbildungen machen diese Biographie im wahrsten Sinne des Wortes "anschaulich". Interessant sind auch die beiden letzten Kapitel, in denen die Autorin über ihre persönlichen Spurensuche an den Originalschauplätzen berichtet. Ein lesenswertes Buch!
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Panorma einer Epoche im Leben einer vortrefflichen Frau, 25. September 2003
Rezension bezieht sich auf: Ein vortreffliches Frauenzimmer: Das Schicksal von Eleonore d'Olbreuse, der letzten Herzogin von Braunschweig-Lüneburg-Celle (Gebundene Ausgabe)
„Die besten Frauen sind bekanntlich die, von denen am wenigsten gesprochen wird," schrieb I. F. Neigebauer, der erste Biograph von Eleonore d'Olbreuse im Jahre 1859. So verwundert es nicht, daß das Schicksal der letzen Herzogin von Braunschweig-Lüneburg-Celle einer breiteren historischen Öffentlichkeit bislang gänzlich unbekannt geblieben ist - und dass, obgleich sie es als Sproß eines verarmten hugenottischen Adelsgeschlechtes in einem turbulenten Leben immerhin zur Großmutter Georgs II von England und zur Urgroßmutter Friedrichs des Großen brachte. Doch nicht nur, wer sich für die Geschichte einer beeindruckenden Frau in vorfeministischen Zeiten interessiert, wird in dem vorliegenden Lebensportrait der Eleonore d`Olbreuse eine frauengeschichtlich ergiebige Lektüre finden - auch der allgmeingeschichtlich Bewanderte kann über religions- und machtpolitischen Details, dynastische Verwicklungen und höfische Tragödien des späten 17. und frühen 18. Jahrhunderts manch Neues aus dem vorliegenden Buch lernen. Denn es ist nicht das Schlechteste, eine Epoche aus der Perspektive einer im Jahre 1639 in Frankreich geborenen jungen Frau kennenzulernen, die als Kind auf den väterlichen Feldern wohl noch die Schafe hat hüten müssen, die sie es mit Liebreiz und Charme schnell zur Hofdame brachte und schließlich im Alter von gerade einmal 20 Jahren am Hof Ludwigs XIV manch unmoralischem Angebot zu widerstehen wußte. Auf einer Reise durch Deutschland verliebten sich dann gleich zwei Herzöge des Hauses Braunschweig-Lüneburg in die anmutige Frau, von denen Eleonore d'Olbreuse schließlich Herzog Georg-Wilhelm aus Liebe erwählte und ihm in einer über vierzigjährigen Ehe in Treue und Hingabe verbunden blieb. Es waren vierzig Jahre einer wahren Wendezeit, in der die Eruptionen der französischen Hugenottenvertreibung und die Glorious Revolution in England ganz Europa erschütterten, in der die französische Expansionspolitik am Widerstand einer österreichisch-englischen Allianz zerbrach und die gleichsam nebenbei als Fußnote der Weltgeschichte den Aufstieg der Schwesterlinie Calenberg/Hannover zur Kur-und Königswürde mit sich brachte. Auch von privaten Tragödien blieb die allseits beliebte Herzogin von Braunscheig-Lüneburg nicht verschont: Eleonores Tochter Sophie Charlotte, aus Staatsräson in eine unglückliche Ehe mit dem menschlich widerwärtigen Kurfürst Georg-Ludwig von Hannover, dem späteren englischen König Georg I, getrieben, versuchte aus dem Elend einer unerträglichen Ehe in die Liebesbeziehung zum schwedischen Grafen Philipp von Königsmarck zu entfliehen, eine tragische Liaison, die dem Liebhaber das Leben kostete und als deren Konsequenz die unglückliche Tochter, immerhin die Großmutter Friedrichs des Großen, ab 1694 bis an ihr Lebensende noch 32 Jahre lang im Wasserschloß Ahlden gefangengehalten wurde. Als Georg Wilhelm von Braunschweig-Lüneburg 1705 verstarb, verbrachte Eleonore d'Olbreuse ihre letzten Jahre als Herzogin-Witwe erfolglos damit, sich für ihre gefangene Tochter Charlotte einzusetzen, ehe sie am 5. Februar 1722 in Celle verstarb. Ein Buch, das man ein wenig wehmütig aus der Hand legt, weil es der Autorin gelungen ist, stilsicher und episch aus der Perspektive einer tapfren Frau das Panorama einer ganzen Epoche zu entwickeln, ohne sich wissenschaftliche Blößen zu geben.
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