Das Buch könnte eine fiktive Fortsetzung der "Meuterei auf der Bounty" sein, als die Mannschaft 1789 ihren autoritären Captian Bligh mit 18 Mann im Pazifik aussetzte. Der schlug sich dann 3.600 Seemeilen in einem Ruderboot nach Timor/Indonesien durch. Die "Piratenjagd der Pandora" erzählt dann von der Suche nach den Meuterern, von denen sich der Großteil bequem auf Tahiti niedergelassen hatte. 9 Männer hatten sich aber mit einigen Eingeborenen auf die abgelegenen Pitcairn Islands abgesetzt. Als diese Inseln 18 Jahre später wieder entdeckt wurden, war von den Meuterern nach viel Gemetzel gerade noch ein Matrose, John Adams, übrig geblieben.
Es war nun ein Kindheitstraum Merles, den fehlenden Teil auf der Insel zu schreiben und damit eine Trilogie zu vollenden, doch die Quellenlage ist zu mager - es existiert nur ein kurzer Bericht an Königin Viktoria. Merle hat daher die Rahmendaten übernommen und ansonsten die Fortsetzung frei erfunden.
Das Ergebnis ist eine Robinsonade über die Gründung einer Kolonie, die mit der Flucht und der Besiedelung startet. Doch es kommt schnell zu Streitereien - um die Verteilung der Arbeit, der knappen Ressourcen und der wenigen Frauen. Es wird sogar ein Parlament gebildet, aber die Lage eskaliert drastisch. Es bilden sich zwei Gruppen, die mit verschiedenen Überlebens-Philosophien arbeiten und ihre Position ausführlich diskutieren und leben: das simple Recht des Stärkeren gegen Gleichberechtigung und Teilen. Merle hat die unterschiedlichen Persönlichkeiten der beiden Lager fast übertrieben klar ausgearbeitet, aber er schreibt sehr realistisch: jede Gruppe hat mit ihrer Einstellung Vor- und Nachteile.
Fazit: "Die Insel" ist zwar keine historische Dokumentation der Pitcairns Islands, doch als Abenteuer-Roman ist sie wegen der interessanten gruppendynamischen Prozesse und wegen der positiven Wertevermittlung insbesondere für Jugendliche sehr schön zu lesen.