Dieses Buch verzerrt die IRA im Gesamtbild stark - und der Inhalt wird dem Titel nicht gerecht.
Ich möchte die IRA keinesfalls in den Schutz nehmen - was hätte ich auch davon. Aber was in diesem Buch über die IRA geschrieben wird, ist sehr einseitig dargestellt. Nicht nur im Hinblick auf die anderen Parteien des Konflikts. Wichtige Aspekte werden fast kommentarlos übergangen.
Es wird fast ausschließlich über die Bestrafungsaktionen der IRA an der eigenen Bevölkerung geschrieben - vornehmlich über jene an Jugendlichen. Hauptsache es wirkt möglichst dramatisch, lautet die Devise. Diese Bestrafungsaktionen wie Knieschüsse oder Verprügeln waren natürlich auch unglaublich brutal und sind zu verurteilen. Aber die IRA ist ja noch etwas mehr als eine "Rough Justice" der katholischen Viertel gewesen - sie war eine Terrororganisation die Anschläge verübt hat, um ein politisches Ziel zu verfolgen - das war ihre primäre Aufgabe. Darüber - und wie die IRA in dieser Hinsicht organisiert war - findet man fast überhaupt nichts.
Wer also etwas über die Bestrafungsaktionen wissen möchte, für den kann das Buch noch interessant sein. Wer etwas allgemeines über die IRA erfahren möchte, gewinnt ein sehr verzerrtes Bild. Genauso wenig findet man interessante Informationen über die Schmuggel- und Erpressungsaktivitäten und die anderen (oftmals illegalen) wirtschaftliche Aktivitäten der IRA (eine Zeit lang einer der größten Arbeitgeber Nordirlands!), was bei der im Titel befindlichen Assoziation der IRA mit der Mafia doch zu erwarten gewesen wäre.
Man gewinnt zudem den Eindruck, dass die Autoren nie in eines der zuhauf zugänglichen wissenschaftlichen Bücher geschaut haben. Wer sich nur auf Aussagen von Beteiligten (oftmals Opfern oder Aussteigern) bezieht, wird schnell parteiisch. Auch sind die Ergebnisse dadurch sehr fragwürdig, weil man oft wenig über die Informationsquellen erfährt.
Der Schreibstil ist vielleicht auch deshalb stellenweise so unerträglich unobjektiv, einseitig und generalisierend, dass man das Buch weglegen möchte:
"Wie eine Krake schafft es die Partei vom Sport bis zur Kultur jedes Ereignis nach ihren Bedürfnissen auszurichten. [...] Die Sinn Féin verhinderte nicht nur das [Fußball]Spiel sondern bekam, viel wichtiger, die von ihr erwünschte Presseaufmerksamkeit, in der sie wieder tönen konnte, daß die RUC selbst für ein Fußballspiel nicht akzeptabel sei. Kein auch noch so unpolitishes Thema und kein öffentliches Ereignis, das nicht von der Partei als Geschoß in ihrem Kampf missbraucht wird" (S. 136)... so etwas ist keine objektive Berichterstattung mehr. Auch die Struktur des Buches ist sehr konfus, einen richtigen roten Faden gibt es nicht.
Dafür, muss man zugeben, ist das Buch teils sicherlich etwas unterhaltsamer, als eine wissenschaftliche Abhandlung. Aber der Preis dafür ist hoch!
Zu guter letzt wird die aufgeworfene Frage des Titels kaum beantwortet, man fühlt sich hinterher nicht wirklich klüger. Aber es klingt halt gut, so mit "Mythos" und "Mafia".
Finger weg, wenn Sie ein objektives, gut informierendes Buch über die IRA lesen wollen.
Wenn Sie sich spezifisch für anschauliches - teils durchaus interessantes! - Material bezüglich der Bestrafungsaktionen der IRA interessieren, kann das Buch (gebraucht!) in Frage kommen.