Ein früher Roman von Lily Bretts. Laut Klappentext ihr erster, laut Wikipedia-Vita aber ihr zweiter. Alles halb so schlimm ist früher erschienen. Hier, bei Ein unmögliches Angebot, ist Lily Brett schon ganz Lily Brett, wenn auch noch nicht so ausgefeilt wie in ihren späteren Büchern. Die kurzen pointierten Sätze, der Humor, die schräge Situationskomik, die Ehrlichkeit und Offenheit, das Autobiografische, all das taucht in diesem Buch schon auf. Auch einige Motive, die sie in späteren Büchern wieder aufgreift und vertieft oder leicht verändert, sind hier schon vorhanden.
Lily Brett schreibt natürlich hoffnungslos autobiografisch. Aber diese autobiografischen Versatzstücke setzt sie in allen Büchern unterschiedlich zusammen. Man kann dann erahnen, was wirklich wahr ist, und was literarisch wahr gemacht wurde.
In manchen Fällen wirkt dieses Buch wie die Skizze eines Romans. Oder wie mehrere aneinander gereihte Kurzgeschichten, die durch ihre immer wieder auftauchenden Personen miteinander verbunden sind. Ein Episodenroman.
In diesem Buch hat Lily Brett nicht nur ein Alter Ego, sondern gleich mehrere.
Da man aus ihren späteren autobiografischen Schriften weiß, welche Stationen sie in ihrem Leben durchgemacht hat, merkt man in diesem Roman, daß Lily Brett jeder Person einige Facetten ihrer Persönlichkeit zugedacht hat.
Das ist eigentlich eine gute Methode, einen Roman mit vielen glaubwürdigen Personen zu schreiben. Man pflückt einfach seine eigene Persönlichkeit und seine Eigenarten auseinander und verteilt sie auf mehrere Personen.
Dadurch weiß man zumindest, wovon man schreibt, weil man die ganze Zeit aus dem Nähkästchen plaudert. Es ist allerdings auch so, daß dann alle Romanfiguren eine gewisse Ähnlichkeit aufweisen und in diesem Buch mitunter schwer auseinander zu halten sind. Das tut dem Lesegenuß aber keinen Abbruch.
Kurz gesagt könnte man zu diesem Roman bemerken: Hier sieht man das Gerüst, an dem Lily Brett entlang geschrieben hat, noch sehr deutlich. In anderen Büchern ist sie versierter.
Trotzdem kann ich diesen Roman uneingeschränkt empfehlen. Lily Brett ist selbst als Anfängerin eine gute Autorin.
Dieses Buch spielt anders als die anderen nicht in New York, sondern hauptsächlich in Australien, der ursprünglichen Heimat der Autorin.
Die Handlung ist schwierig zusammen zu fassen. Eine Fülle von Personen treten auf.
Die beiden Protagonistinnen sind wohl Ruthie, die in Melbourne lebt und eine Affäre mit Abe beginnt, und Rosa, die von Melbourne nach New York auswandert.
Wahrscheinlich steht Ruthie für die alte Lily Brett, die in Australien lebte, und Rosa für die neue, die nach New York gezogen ist.
Wer sich amüsieren will, wer über merkwürdige Marotten und jüdischen Humor lesen will, wer eine klare Sprache mag, und wer Alltagsgeschichten mag, die mit sehr viel Ehrlichkeit geschrieben sind, der ist mit diesem Buch genau richtig.