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Kundenrezensionen

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am 12. September 2010
Mit dem Roman "Ein ungezähmtes Leben" von Jeannette Walls hat mir der Hoffmann und Campe Verlag ein echtes literarisches Juwel freundlicherweise zur Verfügung gestellt, für dessen Zusendung ich mich hiermit herzlich bedanke.
Ich habe das Buch gerade beendet und bin noch ganz gefangen genommen von der in Ich-Form erzählten Lebensgeschichte ihrer Großmutter, Lily Casey Smith, die ihre Enkelin uns Lesern damit zum Geschenk macht.

Im Arizona des frühen zwanzigsten Jahrhunderts mußte schon die ganz junge Lily viel Pragmatismus beweisen, um sich und ihre Familie am Leben zu halten. Der Vater, durch einen Unfall (ein Pferd traf ihn am Kopf, als er noch ganz klein war) stark gehandicapt, züchtete und verkaufte mäßig erfolgreich Kutschpferde, war ansonsten allerdings eher ein Träumer und sehr konservativ eingestellt, auch was den beruflichen Werdegang seiner Töchter anging. Die Mutter weigerte sich aus Überzeugung, körperlich zu arbeiten und sah sich und ihre Töchter irrwitzigerweise im so genannten Wilden Westen dennoch lieber als feine Ladys, fand ebenfalls nur für den einzigen Sohn Buster überhaupt eine Schulbildung als sinnvoll und die Ambitionen ihrer Tochter, die sich schnell als aufgewecktes, neugieriges und äußerst zupackendes Mädchen erwies, einfach suspekt.

Schon sehr früh wurde Lily bewußt, dass alles, was Menschen mühevoll aufgebaut hatten, durch die Widrigkeiten der Naturgewalten wie Tornados, Dürre oder Überschwemmungen schlagartig zunichte gemacht werden konnten und sie lernte schnell, dem Verlorenen nicht hinterher zu weinen, sondern immer wieder neu zu beginnen. Ob ihr Zuhause nun, wie zu Beginn des Romans lediglich aus einer Erdhöhle bestand oder sie mit ihrem zweiten Mann eine riesige Rinder-Ranch als Verwalter betrieb, immer fügte Lily sich genügsam in die Gegebenheiten ein, war allerdings jeder Neuerung, wie dem Telefon, Autos, Innen-WC und fließend Wasser in der Wohnung, und jedem Fortschritt gegenüber offen, aufnahmebereit und aufgeschlossen, aber ganz gewiß nicht unkritisch.

Eine ihrer Berufungen lag ganz sicher im Unterrichten junger Menschen, die sie zwar - wie eben damals noch üblich - streng behandelte, bei denen sie sich aber gleichzeitig zutiefst verpflichtet fühlte, ihnen mitzuhelfen, frei heraus zu finden, wo ihre Stärken lagen. Nichts brachte sie mehr auf als sinnlose Beschränkungen und einengende Zwänge. Geprägt von dem Spruch, den sie selbst in einer Klosterschule, die sie als ganz junges Mädchen eine zeitlang besuchen durfte, von einer engagierten Oberin verinnerlichte: "Wenn Gott ein Fenster schließt, öffnet er eine Tür." fand sie nicht nur für sich nach herben Rückschlägen in ihrem Werdegang immer wieder den Mut, etwas Neues anzufangen, sondern gab diese Einstellung auch an ihre Kinder und die Kinder weiter, die sie unterrichtete und stellte sich mutig ihren Widersachern entgegen...zur Not unterstrich sie ihr Recht auf die eigene freie Meinungsäußerung auch mal mit dem Colt - zum Beispiel gegenüber dem Patriarchen einer Mormonensiedlung - und ließ sich nicht einschüchtern.

Weder durch den tödlichen Unfall ihrer besten Freundin, die durch ihre langen Haare in eine Maschine gezogen wurde, noch durch den Selbstmord ihrer eigenen Schwester, die von der Mutter beeinflußt durch ihre Schönheit in Hollywood nach Erfolg suchte und auf den erstbesten Süßholzraspler hereinfiel, noch die Entdeckung, dass sie selbst mit einem Bigamisten verheiratet war, brachte Lily wirklich von ihrem Weg ab, aus eigener Kraft Qualifikationen anzustreben und stets ein Ziel vor Augen zu haben, sei es ihren irgendwann unanfechtbaren Lehrerinnen-Status, eine eigene Ranch oder den Flugschein.
Kurzum: diese Frau war ungeheuer zäh, flexibel, genügsam und unglaublich beeindruckend in ihrem ganzen Wesen und ihre Enkelin hat mit "Ein ungezähmtes Leben" einen wundervollen Roman über sie geschrieben, den man nicht mehr aus der Hand legen kann, bevor man ihn durchgelesen hat.
Ein paar Fotos, die einigen Kapiteln vorangestellt sind, untermalen Phasen in Lilys Leben perfekt und runden den Roman harmonisch ab.
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VINE-PRODUKTTESTERam 18. Oktober 2011
Einmal angefangen, konnte ich das Buch fast nicht mehr aus der Hand legen, so fasziniert und gebannt war ich von dem wahrlich ungezähmten Leben von Großmutter Lily. Eine taffe, herbe, manchmal knallharte, aber auch gefühlvolle Frau, die ich gerne gekannt hätte! Manchmal grenzt ihr Mut und ihr Fatalismus schon an Indolenz, aber das scheint nur so, denn sie läßt sich einfach durch nichts und niemanden unterkriegen. Auch der Humor kommt nicht zu kurz. Die Autorin schreibt absichtlich in der Ich-Form aus der Sicht ihrer Großmutter, obwohl sie selber erst 8 Jahre alt war, als diese starb. Es ist aber, als hätte Lily es wirklich selbst geschrieben, alles klingt authentisch und schlüssig.
Nebenbei bekommt man als Leser auch noch einige Informationen über das Rancher- u. Cowboyleben im frühen 20. Jahrhundert in Arizona.
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TOP 500 REZENSENTam 12. März 2010
Also erzählen kann sie, dass muss man schon sagen. Eigentlich, lesen wir eine Biographie in Romanform, aus der Perspektive der Ich-Erzählerin, namens Lily Casey. Walls wollte ursprünglich eigentlich ein Buch über die eigene Mutter (Rose Mary Smith Walls) schreiben, doch ihre Mutter empfand, das Leben ihrer Mutter viel aufregender und interessanter. Eine lesenswerte Provinz-Geschichte aus dem frühen amerikanischen 20.Jahrhundert, das in Arizona spielt und der mündlichen Überlieferung ihre Geschichte zu verdanken ist. Das Ganze wirkt dermassen authentisch, dass man wirklich das Gefühl hat, dass es von Lily erzählt wird, obwohl dieses Buch ihre Enkelin, Jeannette Walls geschrieben hat.

Lily erzählt uns eigentlich ihr ganzes Leben, angefangen, ihrem Aufwachsen bei Ihren Eltern, ihrer Rückkehr aus einer Schule die von Nonnen betrieben wird, wo der Vater das Schulgeld nicht mehr bezahlen kann, dem Aufwachsen in der damaligen Provinz, wo es noch keine Toiletten in den Häusern gab, oder fliessend Wasser. Ein Mädchen, das mit Pferden aufwächst, reiten lernt, und sich immer mehr im Leben behaupten muss. Sie macht ihre Erfahrungen mit Männern und wird auch einmal enttäuscht. Ihr erster Mann ist mit einer Anderen verheiratet, das sie anfangs nicht bemerkt.

Sie lernt ihren zweiten Mann Jim kennen, mit dem sie so manche Existenz aufbaut aber auch wieder verliert. Verschiedene Plätze, Orte wo gelebt wird, Existenzen die erschaffen werden und wieder zerbrechen, zwei Kinder die geboren werden, Lily Casey schlägt sich als Lehrerin durch, ihr Mann Jim geht von versch. Tätigkeiten nach, über einer Tankstelle über eine Ranch, gibt es so ziemlich alles, wo sich die Familie auf ihre ganz eigene Art und Weise in der damaligen Zeit durchschlägt. Lily versteht was von Pferden, kann Pokern, lernt zu fliegen, und behauptet sich im Leben.

Ein Roman um's Überleben einer starken Frau, die ihren Lebenswillen, ihre Selbstbehauptung, auf aussergewöhnliche Weise vertreten hat. Ein sehr nah gehaltenes Porträt, wo das ländliche Leben im damaligen Arizona, einer grossen Ranch geschildert wird, die wie im Zentrum der Geschichte geschildert wird und für die ganze Familie aber vor allem für ihre Tochter Rosemary zu einer Art Heimat wird. Lily ist Mutter, eine Ehefrau, eine Reiterin, eine Pokerin, verkauft schwarz gebrannten Schnaps, eine Fliegerin, eine Lehrerin, und vor allem eine Frau die sich nicht unterkriegen lässt und ihren Kindern etwas mitgeben will. Eine sehr schön erzählte Geschichte über ein amerikanisches Einzelschicksal, während in Europa Hitler an die Macht kommt, der Krieg ausbricht, über Hiroshima die Atombombe nieder geht, befinden wir uns hier gleichzeit in einer anderen Welt, mit ihren eigenen Gesetzmässigkeiten. Schön zu lesen, sprachlich manchmal zum Schmunzeln oder Lachen, eher einfach gehalten. Wer gerne einen Roman lesen will über eine Frau, die auf dem Land aufwächst, und sich durch das damalige Amerika schlägt, könnte hier durchaus eine kleine Kostbarkeit finden..

Walls selbst, schreibt am Ende der Geschichte:

"Mir ging es in vorliegendem Buch nicht um diese Art von historischer Wahrheit. Für mich steht es vielmehr in der Tradition der mündlichen Überlieferung, es ist eine Nacherzählung von Geschichten, die über Jahre hinweg in meiner Familie weitergegeben wurden, eine Nacherzählung mit den traditionellen Freiheiten der Geschichtenerzähler. Ich habe das Buch in der Ich-Form geschrieben, weil ich Lily's unverwechselbare Stimme wiedergeben wollte, an die ich mich deutlich erinnere. Lily Casey war eine überaus reale Frau, und ich kann nicht für mich beanspruchen, dass ich sie oder die Ereignisse in ihrem Leben erfunden habe. Aber da ich die Worte nicht von Lily selbst habe und auf meine eigene Imagination zurückgreifen musste..., ist es nur ehrlich, das Buch als Roman zu bezeichnen."
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am 13. November 2010
Jeannette Walls - ein ungezähmtes Leben.

Am Ende der 365 Seiten, in einer "Anmerkung der Autorin" berichtet diese, dass sie eigentlich einen Roman über das Leben ihrer Mutter, Rose Mary Smith Walls schreiben wollte und diese sie auf das viel interessantere Leben ihrer Großmutter Lilly Casey Smith verwiesen habe. So ist eine Art Biografie dieser Großmutter entstanden, die sich an den erzählten und belegbaren Stationen des "ungezähmten Lebens" von Lily Casey orientiert, durch die "Ich-Form" jedoch die Züge eines Romans aufweist.
Lily Casey, von der auch mehrere Fotos an den Kapitelanfängen des schön gestalteten Buches von Hoffmann und Campe erscheinen, hat im "Wilden Westen", in Texas , Arizona, Chicago.... so viele verschiedene Lebensformen erlebt, dass der Leser kaum folgen kannv - angefangen von der Wohnhöhle am Fluss über verschiedene Ranches mit ihrer Herkunftsfamilie bis hin zum Klosterinternat, zur Lehrerinnen-Kurzausbildung in Chicago, zum Leben als Dienstmädchen und kurzer Ehe mit einem Bigamisten....
Auch als Ehefrau und Mutter fängt sie mit ihrer Familie immer wieder neu an, und ihre Ideen zum Geldverdienen sind unerschöpflich - vom Verkauf von schwarzgebranntem Schnaps bis zur Umwidmung eines Leichenwagens als Schulbus, vom Flaschensammeln bis zum Pokerspielen und - in Kriegszeiten - zur Immobilienspekulation in Phoenix. Als Lehrerin wird sie immer wieder aus ihren Zwergschulen entlassen, weil sie die Kinder von Honoratioren verprügelt "um ihnen etwas (z.B. Moral) beizubringen". Sie verkörpert ein Stück wilden Westen - Pferde spielen in ihrem Leben eine wichtige Rolle, riesige Rinderherden, später Autos, und schließlich nimmt sie sogar Flugstunden, alles eher ungewöhnliche Aktivitäten für eine Frau in der ersten Hälfte des 20.Jahrhunderts.
Und trotzdem bleibt ein seltsam unbefriedigendes Gefühl - die Ich-Erzählerin Lily kennt überwiegend ein einziges wirkliches Gefühl: hart sein, sich von niemandem unterkriegen lassen, den eigenen Vorteil finden, kämpfen und gewinnen. Andere Erfahrungen und Gefühle - die Enttäuschung über ihren ersten Mann, die Trauer über den Selbstmord ihrer Schwester, der Ärger über die zunehmende Entfremdung ihrer wilden, ungehorsamen Tochter Rosemary - bleiben seltsam flach und oberflächlich. Mitgefühl und Verständnis werden nur selten spürbar - jedenfalls nicht bei "ich, Lily". Da Rosemary solche Gefühle durchaus zeigt, kann man vermuten, dass die Autorin die Sicht ihrer Mutter auf deren Mutter übernommen und sie dadurch so etwas holzschnittartig- unbefriedigend gezeichnet hat. Möglicherweise wäre eine andere Erzählperspektive als die des Ich-Erzählers überzeugender gewesen.
Im letzten der vielen kurzen Kapitel (die in 9 Abschnitten thematisch zusammengefasst sind) zeichnet sich der Ausblick auf das "Schloss aus Glas" ab: die von Lily nicht unterstützte Beziehung von Rose Mary und Rex, den wurzellosen Eltern vom "Schloss aus Glas". Dieses erste und zu recht hoch gelobte Buch der gleichen Autorin ist sehr viel vielschichtiger und beeindruckender als"ein ungezähmtes Leben", möglicherweise, weil es auf den eigenen Erlebnissen der Autorin aufbaut und damit auf einem authentischen "Ich".
Fazit: "Ein ungezähmtes Leben" bietet einen lebendigen Blick auf die Zeit im Wilden Westen und auf eine kämpferische, starke und selbstbewusste Frau - aber das Buch reicht weder inhaltlich noch sprachlich an das "Schloss aus Glas" heran.
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TOP 500 REZENSENTam 13. Juni 2011
Inhalt:
In 'Ein ungezähmtes Leben' erzählt Jeannette Walls die Lebensgeschichte ihrer Großmutter Lily Casey - von der Kindheit in einer Wohnhöhle, von Überflutungen und Tornados, vom Kampf ums Überleben, vom Wunsch, Lehrerin zu werden, von Selbstbestimmung und von Verlusten.

Mein Eindruck:
Nach einem viel versprechenden Beginn wird 'Ein ungezähmtes Leben' nach 150 Seiten meiner Meinung nach deutlich schwächer. Anfangs habe ich die Stimmung, die Jeannette Walls heraufbeschwört, sehr genossen und habe mich gut ins Amerika zu Beginn des 20. Jahrhunderts hinein versetzen können. Walls beschreibt eine Art Wildwest-Roadtrip, der nicht nur für die Protagonisten, sondern auch für den Leser ein Abenteuer ist. Hier ist es ihr hervorragend gelungen, die Atmosphäre der damaligen Zeit einzufangen.

Nach dem ersten Drittel wurde mir Lily jedoch immer unsympathischer. Nach einem Wandel von einer interessanten Frau, die sich selbstbewusst durchs Leben schlägt, zu einer mehr und mehr selbstherrlichen, ungerechten, knauserigen, verantwortungslosen, lieblosen und berechnenden Person, die ihre Kinder prügelt und scheinbar immer alles besser weiß, hat mir die Lektüre deutlich weniger Spaß gemacht. Einige der im Buch vermittelten Botschaften fand ich zudem etwas zweifelhaft, wenngleich sie sicherlich der damaligen Zeit angemessen waren (z.B. 'Tiere tun so, als würden sie nicht gerne eingesperrt, aber in Wahrheit wissen sie gar nicht, was sie mit ihrer Freiheit anfangen sollen.', '(...) aber ich wusste andererseits auch, dass man Männern nicht trauen durfte.').

Mein Resümee:
Sehr guter Start, im weiteren Verlauf einige Längen. Meiner Meinung nach schwächer als 'Schloss aus Glas'.
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TOP 500 REZENSENTam 24. November 2013
Liliy wird 1901 geboren und wächst zusammen mit ihrem Bruder und ihrer Schwester auf dem Lande auf. Während ihre Mutter die Arbeit scheut und wegen der heißen Sonne in Arizona nur wenig das Haus verlässt, ist ihr Vater, der als 3jähriger von einem Pferd ins Koma getreten wurde, nicht nur körperlich eingeschränkt, sondern kann sich auch nur noch schwer sprachlich ausdrücken. So muss Lily schon früh die Verantwortung für alles übernehmen. Sie füttert die Tiere, kümmert sich um die Geschwister und hilft dabei die Kutschpferde einzuarbeiten, denn damit verdienen sie ihren Unterhalt. Leicht ist es nicht, denn immer wieder kommt es zu Überschwemmungen oder Tornados, die all ihr Hab und Gut zerstören. Als es wieder einmal so weit ist und ihr Haus in Einzelteilen vor ihnen liegt, beschließen sie, wieder in ihre eigentliche Heimat zurückzugehen, wo ihr Vater jedoch vor Jahren fälschlicherweise des Mordes angeklagt wurde. Inzwischen sind die alten Geschichten jedoch vergessen, und so ziehen sie auf die alte Farm zurück. Auch hier ist es nicht leicht, doch Lily liebt dieses Leben. Neben all der Arbeit, kam das Lernen jedoch nie zu kurz, und so ist Lily froh, als sich ihr die Möglichkeit bietet ihr Wissen an einer echte Schule zu vertiefen. Ein Jahr lang blüht sie auf und die vorstehende Nonne, sieht sie sogar als Lehrerin, da sie vielen anderen Schülern hilft. Doch als ihr Vater das Schulgeld nicht bezahlt, muss sie wieder zurück. Enttäuscht vor allen Dingen durch die Tatsache, dass ihr Vater das Geld für Hunde ausgegeben hat, die später auch noch erschossen werden, verliert sie nie den Wunsch als Lehrerin zu arbeiten aus den Augen.

Als sich ihr bedingt durch den Krieg die Möglichkeit bietet, auch ohne Schulabschluss und Studium, die Prüfung zu absolvieren und in einer Zwergenschule zu unterrichten, lässt sie sich auf das Abenteuer ein. So zieht sie von Schule zu Schule und ist mehr als enttäuscht, als das Kriegsende ihr einen Strich durch die Rechnung macht. Zu Hause fühlt sie sich immer unwohler und so packt sie erneut ihre Sachen und geht nach Chicago. Wo sie die Abendschule besucht, arbeitet und sogar einen Mann kennenlernt, der sich jedoch als Bigamist herausstellt. Zum Glück hat sie ihren Schulabschluss geschafft und lässt sie sich nicht nur scheiden, sondern fängt an zu studieren. Doch nach einem Jahr wird sie wieder gefragt, ob sie für eine Stelle als Lehrerin pausieren möchte. Sie willigt ein, und fühlt sich an dieser Schule richtig wohl. Sie wird akzeptiert, wie sie ist. Zumindest bis ihre Schwester ihr gesteht, dass sie in Hollywood einen anderen Durchbruch hatte, als geplant. Schwanger kommt sie zu ihr und somit gerät ihre Lily ins Fadenkreuz der Dorfbewohner. Ihre Schwester erhängt sich und so entsteht bei Lily der Wunsch nach einer heilen Familie mit eigenen Kindern. Sie beschließt den älteren Jim zu heiraten, der schon lange ein Auge auf sie geworfen hat. Zusammen gehen sie in eine andere Stadt und fangen dort mit einer Autowerkstatt an ihr Leben aufzubauen. Doch Geldmangel zwingt sie in die Knie und so ergreifen sie die Chance eine Ranch zu bewirtschaften. Eine Entscheidung, die sie nie bereuen und als schönste Zeit betrachten. Leider hat jede schöne Zeit ein Ende und damit beginnt der Weg, der Jeannettes Mutter in eine Richtung führt, die nur diese Kindheit für Jeannette bereithalten konnte.

'''o0o Meine Meinung o0o'''
Kann das Leben einer Großmutter genügend erklären, damit der Leser nachvollziehen kann, warum Jeannette in einer solchen Umgebung aufwachsen musste? Kann das Leben ihrer Großmutter fesselnder sein, als das Leben aus Sicht ihrer Mutter? Durch „Schloss aus Glas“ war mein Bild von Lily Casey eher sehr blass. Eine starke Großmutter, die ihre Tochter stets unterstützte, zu früh starb und Jeannette sehr geliebt haben musste. Allerdings sah ich sie nur als Lehrerin und fragte mich schon, was daran so besonders sein sollte, um fast 400 Seiten zu füllen.

So simple, wie man es nach der ersten Biographie dachte, ist die Geschichte jedoch nicht gestrickt. Den Leser erwartet eine Mischung aus Roman und Biographie, die von der ersten bis zur letzten Seite fesselt.

Erzählt wird die Geschichte aus der Ich-Perspektive von Lily. Sie ist eine Persönlichkeit, die eine Stärke und Selbstverständlichkeit ausstrahlt, dass man sie von Anfang an lieben muss. Schon als Kind muss sie hart arbeiten, und lernt früh, dass man immer wieder aufstehen muss, wenn man hinfällt. Schmerz, Verlust und Probleme machen die Persönlichkeit nur noch stärker. Kein noch so schlimmer Schicksalsschlag, kann sie wirklich aus der Bahn werfen. Sie packt an, versucht das Haus zu retten, während ihre Mutter betend herumsitzt. Sie wünschte sich, sie hätte in der Fabrik angefangen, statt als Dienstmädchen, denn dann hätte sie ihre beste Freundin vielleicht doch vor der haarfressenden Maschine retten können. Nicht mal als sie herausfindet, dass ihr Mann ein Doppelleben führt und schon drei Kinder hat, kann sie wirklich aus der Bahn werfen. Es ist eindrucksvoll und weckt beim Lesen den Wunsch, dass nur etwas von dieser Stärke auf einen abfärbt.

Während Lily und ihr späterer Mann beide sehr bodenständig sind, immer anpacken und sich für keine Arbeit zu schade sind. Sich sogar örtlich trennen, damit Lily mit ihrem Beruf als Lehrerin Ersparnisse sammeln kann, wird schnell deutlich, dass Rosemary schon immer von einem ganz anderen Schlag war. Sie tanzt nackt durch den Garten, würde am Liebsten alle Tiere befreien und obwohl sie intelligent ist, versteht sie nicht den Sinn des Lernens. Während ihre Mutter gerne zur Schule gegangen ist, ist es ihr nur verhasst. Lediglich die Aussicht auf ein Kunststudium kann sie später zu einer praktischen Lehramtausbildung bewegen. Trotzdem nimmt sie durch ihre Kindheit, die Wichtigkeit des Lernens mit und kann sie ihren Kindern stets vermitteln. Allerdings würde der Leser anfänglich nicht diese Wendung die Rosemarys Leben nimmt vorhersehen und hätte ich die Geschichte ihrer Tochter nicht gelesen, ich hätte es ebenfalls nicht geglaubt. Zwar verliebt sie sich schon als Teenager in eher ausgefallene Männer, wie einer indianischen Hilfskraft, aber das Leben auf der Farm ist ihr wichtig. So richtig aus der Bahn wird sie erst geworfen, als sie von dort weg müssen.

Der Leser lernt jedoch nicht die Entwicklung von Lily und Rosemary kennen, sondern bekommt Einblicke ins tatsächliche Leben auf einer Ranch, und wie schwer es viele Leute als Farmer in den unterschiedlichsten Regionen des Landes hatten. Dementsprechend wird die Geschichte nie langweilig. Manchmal fragt man sich jedoch, ob wirklich alles so passiert ist, einfach weil es manchmal zu viel für ein einziges Leben klingt. Doch das ist irgendwo nebensächlich, denn die Autorin sagt ja selbst, es ist eine Mischung aus Roman und Biographie. Das Buch lässt im Grunde keine Fragen offen, und erklärt so manches. Zudem sind die zahlreichen Fotos wirklich sehr anschaulich, sodass man von Lily, Rose und manchen Dingen sogar einen echten Eindruck bekommt.

Für mich war dieses Buch ein spannender Lesegenuss, der im Grunde nur einen Wunsch zulässt. Nein eigentlich sind es zwei. Und zwar würde mich nun einmal die Sichtweise ihrer Mutter bezüglich der Kindheit, aber auch ihrer Laufbahn von Hochzeit bis zum Tod ihres Mannes interessieren, aber eben auch die Kindheit von Rex. Damit würden noch weitere Perspektiven zu einem runden Bild beitragen. Aber auch so, war es schön am Leben dieser beiden Persönlichkeiten teilgenommen zu haben.

Wem also „Schloss aus Glas“ gefallen hat, und gerne etwas über eine weitere starke Frau erfahren möchte, die Jeannette im Grunde ihr Wesen vererbt hat, dann kann ich euch das Buch nur ans Herz legen.
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am 7. November 2014
Ich hatte von Jeannette Walls das "Haus aus Glas" auf Empfehlung zuerst gelesen und war so begeistert von der Story und der Erzählweise der Autorin, dass ich mir dieses Buch gleich hinterher gekauft und verschlungen habe. Chronologisch wäre es ja besser andersherum gewesen, denn diese Story handelt von dem bewegten Leben der Großmutter in den 20er und 30er Jahren des vorigen Jahrhunderts, aber da es zwei abgeschlossene Geschichten sind, geht es auch mühelos so. Jetzt habe ich beide Bücher meiner Freundin zum Lesen gegeben und ihr empfohlen, das "Ungezähmte Leben" zuerst zu lesen. Auf jeden Fall ist dieses Buch für Leute, die gern Familiensagas lesen, sehr zu empfehlen. Der Erzählfluss ist locker und man kann das Buch kaum aus der Hand legen.
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am 7. Juni 2010
Jeanette Walls hat in ihrem Roman "Ein ungezähmtes Leben" die Biographie einer starken Frau in Romanform gegossen. Als würde man der eigenen Großmutter lauschen, ist das Buch des eigensinnigen Frauenzimmers im "Wilden Westen" Anfang des 20. Jahrhunderts niedergeschrieben.
Die wahre Geschichte vermischt mit eine Prise Fiktion zollt einer pragmatischen Heldin Tribut, die kraftvoll, abenteuerlustig und ebenso furchtlos ist. Lily Casey ist alles andere als eine feine Lady. Sie reitet wilde Pferde zu, spielt Poker, schmuggelt Alkohol in Zeiten der Prohibition und arbeitet hart auf ihrer Ranch in Arizona. Innovativ für ihre Zeit, eigenwillig, burschikos und dennoch voller Gefühl erscheint Lily dem Leser. Ihr unverwechselbarer Charme, ihre immerwährende Zuversicht sowie ihre lebendige Art kommen durch die Ich-Form der Erzählung ideal zur Geltung, so dass die starke Persönlichkeit plastisch und greifbar wirkt. Die Geschichte steckt voller Lebenslust und führt ferner in die Vergangenheit ohne dabei verklärt zurückzublicken.
"Ein ungezähmtes Leben" besticht durch Zuversicht, Vorwärtsdrang und Lebendigkeit, ist spritzig geschrieben und läßt teilhaben an dem leidenschaftlich erzählten Leben einer außergewöhnlichen Frau vor der Kulisse des amerikanischen Westens.
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am 4. März 2012
Die Lebensgeschiche von Lily Casey ist kurzweilig und spannend erzählt. Es ist kaum zu glauben, dass es nicht Lily selbst ist, die ihre Geschichte preisgibt, sondern ihre Enkelin. Der Charakter von Lily ist sehr facettenreich dargestellt. Lily war mir über weite Strecken der Geschichte symphatisch, später schien sie mir auch verbohrt und etwas schräg. So wie die meisten Menschen eben sind. Jeannette Walls ist es einfach gelungen, diese Geschichte glaubwürdig und lebendig zu erzählen. Damit hat sie das Gewöhnliche zum Ungewöhnlichen gemacht. Ich habe dieses Buch sehr gerne gelesen.
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am 24. September 2015
Lily Casey ist eine starke Persönlichkeit. Das zeigt sich schon in ihren frühen Jahren, als sie sich und ihre beiden jüngeren Geschwister bei einem starken Unwetter vor dem Ertrinken bewahrt. Kühn und selbstbewusst marschiert sie durchs Leben und lässt sich trotz aller Vorbehalte ihrer Eltern nicht von ihrem Traum ablenken: Sie möchte Lehrerin werden und unterrichten, sie möchte Kindern etwas beibringen und ihren Beruf zu ihrer Berufung machen. Doch es ist nicht einfach, einen eigenen Weg zu beschreiten, wenn sie sich darüber hinaus um ihre Geschwister und um den Haushalt sorgen muss. Da ihr Vater aufgrund eines Unfalls in der Kindheit körperlich eingeschränkt ist und ihre Mutter jegliche Art Anstrengung missbilligt, liegt es an Lily, dafür zu sorgen, dass die Familie auch harte Zeiten übersteht. Doch stur wie sie ist, schafft sie es dennoch, ihren Traum zu verfolgen und wird immer wieder als Hilfslehrerin angestellt, ohne eine entsprechende Qualifikation nachweisen zu können. Nach und nach bekommt sie das wilde, bunte und ungezähmte Leben in voller Stärke zu spüren, sie reist Anfang des zwanzigsten Jahrhunderts durch verschiedene Städte, reitet wilde Pferde, lernt ihre erste große Liebe kennen und erfährt Rückschläge. Doch Lily steht nach jedem Sturz wieder auf und lebt weiter, getreu dem Motto ihres Vaters: »Hoffe das Beste und rechne mit dem Schlimmsten!«.

Nachdem mich die Autobiografie „Schloss aus Glass“ der Autorin Jeannette Walls absolut überzeugen konnte, stellte ich mich mit der Lektüre der Biografie ihrer Großmutter auf ein paar angenehme Lesestunden ein. Ich hätte jedoch nicht gedacht, dass die Geschichte der Lily Casey mich derartig packen würde, dass ich den Roman in einem Zug durchlesen würde.

Jeannette Walls schafft es, mithilfe einer lebendigen Sprache das 20. Jahrhundert mit all seinen Vorzügen und Nachteilen zum Leben zu erwecken und Lily Caseys Leben als ein atmosphärisch dicht gepacktes Abenteuer zu erzählen. Beim Lesen konnte ich mich von Anfang an in Lilys Welt hineinversetzen und ein Leben leben, wie es aufregender nicht sein könnte.

Lily Casey ist eine bodenständige Frau mit einem sturen Kopf und einem starken Charakter. Sie weiß genau, was sie im Leben erreichen möchte und hat klare Wert- und Moralvorstellungen. Um diese ihren Schülerinnen und Schülern zu vermitteln, riskiert sie mehr als einmal ihre Anstellung als Lehrerin. Ich bewundere ihre Willensstärke und ihre Zielstrebigkeit, Wünsche Wirklichkeit werden zu lassen. Zugleich ist sie stets für ihre Familie da und scheut sich somit nicht, ihre jüngere Schwester zu verteidigen, als diese unehelich schwanger wird.

Lily Caseys Geschichte wird aus der Ich-Perspektive geschrieben und versetzt den Leser in Staunen und Ehrfurcht vor dem schwierigen Leben auf einer Ranch. Jeannette Walls verwebt gekonnt Wirklichkeit mit Fiktion, dem Leser ist es unmöglich, die wahren Begebenheiten von Fantasiegespinsten zu unterscheiden, doch gerade dies macht die Biografie mit Elementen eines Romans so verlockend für die Leserschaft.

Es ist nicht einfach, auf einen Bestseller hin einen Folgeroman zu schreiben, der wirklich überzeugen kann, doch Jeannette Walls hat dieses Kunststück fertig gebracht.

„Ein ungezähmtes Leben“ ist eine Geschichte, wie sie wilder und extravaganter nicht sein könnte. Lily Casey erwacht durch Walls Worte zum Leben und nimmt den Leser mit auf eine spannende Reise durch Amerika Anfang des 20. Jahrhunderts. Eine absolute Leseempfehlung!
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