Das Buch "Ein starkes verwundetes Herz - Niki de Saint Phalle" beschreibt sehr eindrucksvoll die verschiedenen Stationen von Nikis Leben.
Zunächst der Ausbruch aus dem Bürgertum und ihrer ersten Ehe, um Kunst zu machen. Die mangelnde Anerkennung, die sie so wütend machte, dass sie noch mehr und besser arbeitete, um schließlich wirklich Großes zu erreichen.
Sehr vielfältig ist ihr Werk. Begonnen mit Reliefbildern, die dann zu Schießbildern wurden, um die zunächst weißen Arbeiten mit Farbe zu bespritzen. Sie brachten ihr den Durchbruch in der Kunstszene. Über Stoffpuppen führte ihr Weg zu den bunten Nanas, Skulpturen, die immer größer und schliesslich begeh- und bewohnbar wurden.
Schließlich die Umsetzung ihrer Lebensvision von einem Skulpturengarten und die zahlreichen Projekte, die sie nebenher machte und organisierte, um Geld zu verdienen. Knochenarbeit, die sie im Laufe ihres Lebens sehr krank werden ließ und dennoch arbeitete sie bis zu ihrem Ende weiter. Durch nichts und niemanden aufzuhalten. "Für einen Optimisten scheint nichts unmöglich zu sein." (Zitat Niki de Saint Phalle, Seite 173)
Auch auf das private Leben mit Jean Tingueley, den Beziehungen und Freundschaften zu anderen Künstlern wird eingegangen und es ist spannend sich dieses abwechslungsreiche, sehr schnelle Leben vorzustellen, auch wenn, die Szenen und Dialoge erfunden sind. Aufgrund der Fakten bekommt man dennoch einen recht guten Eindruck davon, wie es sich wohl zugetragen hat.
Auf die Frage, ob Kunst unterhalten dürfe antwortet sie bei der feierlichen Präsentation des von ihr und Jean gestalteten Brunnens auf dem Place Strawinsky in Paris: " Man warf mir im übrigen oft vor, ich sei keine echte Künstlerin, weil ich die anderen mit meinem Werk unterhalte. Wir wollen doch keine allmächtigen Schöpfer sein, vor deren Werk man ehrfürchtig zurücktritt und sich klein fühlen muß. Wir wollen mit den Leuten in Kontakt treten, und unser Werk ist für alle bestimmt."
Und genau das tut sie auch noch heute. Durch ihren künstlerischen Nachlaß tritt sie mit den Leuten in Kontakt. Mein erster Berührungspunkt mit Nikis Arbeiten war in ihrem Tarotgarten in Italien, was beeindruckend genug war, um sich weiter mit ihr, ihrem Leben und ihrer Arbeit auseinanderzusetzen. Die Frau kennenzulernen, die hinter diesen riesigen Phantasiegestalten steckte.
Fazit: Um eine erste Übersicht über Nikis Leben in unterhaltsamer Form zu erhalten ist dieses Buch sehr schön. Der Schreibstil ist trocken und dokumentarisch, so dass der Text nicht so fesselt, wie ein purer Unterhaltungsroman. Aber da es hier in erster Linie um eine Art Tatsachenbericht geht und kein reines Künstlermärchen werden sollte, ist es so völlig in Ordnung und ausreichend.
Mir hat zur Untermalung der Ereignisse und Arbeiten das Bildmaterial gefehlt, was das Buch aufgelockert, verständlicher und interessanter gemacht hätte. Deswegen nur vier Sterne.