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Ein schönes Attentat: Roman [Taschenbuch]

Assaf Gavron , Barbara Linner
4.5 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (11 Kundenrezensionen)

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Produktbeschreibungen

Pressestimmen

„Scharfsinnig, temporeich und provokant verknüpft Assaf Gavron in seinem Roman die Lebensgeschichte zweier Männer, die ein Schicksal teilen: Israel, das Land, in dem man sich für eine Seite entscheiden muss, ob man will oder nicht.“ (Stern)

„Die Spannung hält bis zuletzt, und bis zuletzt fehlt jede pathetische Note.“ (NZZ)

"Es sind diese beiden Hauptpersonen, die dem Leser den Nahost-Konflikt näher bringen als es die Tagesschau je könnte. … Lesen. Und bei der nächsten Anschlagsnachricht nicht ganz so schnell abschalten." (Hamburger Morgenpost) -- Dieser Text bezieht sich auf eine vergriffene oder nicht verfügbare Ausgabe dieses Titels.

Klappentext

"Gavron gelingt es in diesem Roman, die Essenz unserer Zeit einzufangen, die Symmetrie des Leidens auf beiden Seiten. Ein Buch, das man mit höchster Spannung in einem Zug durchliest."
Ma'ariv

"Ein beeindruckendes und wichtiges Buch über 'unsere' und 'ihre' Geschichte. Es bringt den Konflikt, seine Wurzeln und seine Hoffnungslosigkeit auf den Punkt. Und es wagt - auf eine Art, die viele Leser auf die Palme bringen wird -, ins Bewusstsein von jemandem vorzudringen, den 'wir' für den Satan halten: den Selbstmordattentäter. Gavron ist absolut überzeugend; sein Roman spiegelt - nicht besonders schmeichelhaft, aber voller Mitgefühl - die erschütternde und abstruse Realität wider, in der wir leben."
Tel Aviv Magazine

"Gavron ist einer der originellsten und stärksten Schriftsteller Israels. Er spricht eine klare und deutliche Sprache, die sämtliche Klischees an der politisch korrekten Oberfläche durchbricht und den chaotischen und zwiespältigen Kern der israelischen Identität berührt."
Etgar Keret -- Dieser Text bezieht sich auf eine vergriffene oder nicht verfügbare Ausgabe dieses Titels.

Über den Autor und weitere Mitwirkende

Assaf Gavron wurde 1968 geboren, wuchs in Jerusalem auf und studierte in London und Vancouver und lebt heute mit seiner Familie in Tel Aviv. Er hat mehrere Romane und einen Band mit Erzählungen veröffentlicht und ist in Israel Bestsellerautor. Assaf Gavron hat u.a. Jonathan Safran Foer und J.D. Salinger ins Hebräische übersetzt, ist Sänger und Songwriter der israelischen Kultband "The Mouth and Foot" und hat das Computerspiel "Peacemaker" mitentwickelt, das den Nahost-Konflikt simuliert.

Barbara Linner, geb. 1955 in München, studierte Judaistik, Orientalistik und südosteuropäische Geschichte. Sie ist Übersetzerin von u. a. David Grossman, Batya Gur, Judith Katzir, Jehoschua Kenaz, Etgar Keret, Joshua Sobol.

Leseprobe. Abdruck erfolgt mit freundlicher Genehmigung der Rechteinhaber. Alle Rechte vorbehalten.

1

Ich stieg in den kleinen Neuner, wie jeden Morgen auf dem Weg in die Arbeit. Der kleine Neuner ist ein Sammeltaxi von der Größe eines Minibusses, das die Strecke der Buslinie Nr. 9 fährt. Eigentlich ist er eine Kreuzung zwischen Autobus und Taxi. Man hat den Vorteil beider Welten – die feste Strecke und den billigen Fahrpreis vom Bus sowie die Schnelligkeit und Flexibilität eines Taxis.
Seit den Anschlägen fahre ich nur noch mit dem kleinen Neuner zur Arbeit hin und zurück. Auch wenn der Bus Nr.9 vor dem kleinen Neuner an der Haltestelle eintrifft, lasse ich ihn passieren. Ein Autobus ist ein zu leichtes Ziel für einen Terroristen. Ich weiß nicht, ob ich wirklich so denke, aber Dutschy hat es mich schwören lassen.
Ich dachte immer, der kleine Neuner würde nie das Ziel eines Anschlags. Erstens sind nur zehn Personen drin, elf mit dem Fahrer. Zweitens gibt es nur eine Tür vorn, und der Fahrer, der sie für alle öffnet und schließt, kann ja genau sehen, wer einsteigt.
An jenem Tag stieg ich an der üblichen Stelle ein. Es war gegen neun Uhr morgens. Eine grelle Wintersonne hing am transparenten Himmel, und nasse Blätter bedeckten die Allee.
Wir befanden uns auf der Diezengoffstraße, als sich eine alte Frau an mich wandte: »Sagen Sie, finden Sie den nicht verdächtig?« Ihre Augen wiesen auf einen jungen Mann, ein dunkler Typ. Er hatte eine graue Wollmütze auf und einen Kleidersack dabei. Ich sagte zu ihr: »Jetzt übertreiben Sie mal nicht. Er schaut ganz normal aus.«
Doch ich sah ihn weiter an. Ich dachte daran, dass sie es gerade mit Sprengstoffgürteln hatten. Bestimmt war ein solcher Gürtel ziemlich dünn, denn man trug ihn um den Körper. Es konnte also sein, dass sich in dem Kleidersack, den er hielt, kein Anzug, sondern ein Sprengstoffgürtel befand. Trotzdem sagte ich zu der alten Frau: »Alles in Ordnung. Keine Sorge.«
Sie bedachte mich mit einem säuerlichen Blick und wandte sich an einen anderen jungen Mann, der neben ihr saß. Wir saßen im hinteren Bereich, und der Mann, der ihr verdächtig vorkam, saß vorn. Die alte Frau flüsterte ihrem Nachbarn etwas zu, der daraufhin in die Richtung des Verdächtigen blickte und eine Sekunde später mit verneinender Geste abwinkte. Jetzt war ich mir sicher. Bloß eine Paranoide. Warum waren sie alle so paranoid in diesem Staat? Durften jetzt dunkelhaarige Männer schon nicht mehr in den Bus einsteigen?
Jemand im Funkgerät beschwerte sich, dass heute eine Grabesstille wie auf dem Friedhof herrsche. Im Radio sprachen sie über einen Anschlag im Wadi Ara. Die Fahrgäste hörten still zu. Danach kam ein Lied, ich weiß nicht mehr, welches.
Ecke Jabotinskystraße stieg die alte Frau aus. Sie verließ sich nicht auf unsere Einschätzung. Beim Aussteigen warf sie einen langen Blick auf den dunklen Typen mit dem Kleidersack und der Wollmütze. Er schaute zurück. Ich hatte in diesem Moment nicht den Eindruck, dass sein Blick irgendetwas besagte. Wenn ich gedacht hätte, dass da irgendwas dran sein könnte, dass ich zur Sicherheit vielleicht besser auch aussteigen sollte, so verwarf ich es sofort. Ich hatte keine Zeit für übermäßige Sicherheit. Vielleicht wäre ich ausgestiegen, wenn ich ein paar Minuten totzuschlagen gehabt hätte, hatte ich aber nicht. Wer hat die schon?
Der andere junge Typ sagte zu mir: »Die Leute sind gestresst, was?« Er hatte ein Ziegenbärtchen und trug eine große, silbrige Sonnenbrille. Seine Haare waren honigfarben, mit viel Gel nach hinten gesträhnt. Garantiert cool, seiner Ansicht nach. Ein hübsches Lächeln. Giora. Inzwischen weiß ich es. Giora Gueta aus Jerusalem. Ich weiß eine Menge Dinge jetzt. »Was für eine Paranoia. Die Leute sind komplett wahnsinnig«, bemerkte ich. Nach ein paar Sekunden sagte er: »Du meinst, er ist in Ordnung, oder?« Ich blickte wieder zu dem Dunkelhaarigen vor. Ich war mir nicht sicher. Wer konnte denn sicher sein? Aber ich erwiderte: »Doch, kein Problem.«
Giora und ich sahen hinaus, jeder aus seinem eigenen Fenster. Winter, aber sonnig. Ich sah Anzeigen für den Film Monster AG und einen kleinen Laster der Gad-Molkereibetriebe. Ein Bauarbeiter stieg ein und schrie: »Warum haben die zwei vorher nicht für mich gehalten?« Der Arbeiter hatte zwei Töchter. Ich habe es nachher im Y-Net gelesen. »Himmel, Leute, meine Zeit ist teuer«, sagte er. »Die Zeit von uns allen ist teuer, Herzchen«, gab ihm irgendeine Frau zurück.
Was ich am kleinen Neuner am meisten liebe, ist sein tadelloses Zeitmanagement. Ich arbeite auf dem Gebiet, ich kenne mich aus. So wird zum Beispiel das ganze Geschäft mit dem Zahlen und dem Wechselgeld während der Fahrt erledigt, nicht wie im Autobus, der an der Haltestelle stehen bleibt, bis alle mit dem Bezahlen fertig sind. Oder wie die Fahrer Geld bei anderen, entgegenkommenden Kollegen wechseln: Sie stimmen sich über Funk ab, halten den entsprechenden Betrag bereit, öffnen das Fenster, und wenn sie aneinander vorbeifahren, stoppen sie für zwei Sekunden und tauschen das Geld aus. Oder die Geübtheit der Fahrer – schneiden Autos, überholen Autobusse (die sie im Funk »Jumbos« nennen) auf der Gegenfahrbahn, stibitzen den Ampeln kostbare Sekunden, umgehen Staus, stechen in kleine Straßen abseits der üblichen Strecke, improvisieren. Kühne Aktionen, ein Vergnügen für den Beobachter.
Giora Gueta tippte mir auf die Schulter. Ich drehte mich erschreckt um und sah, dass es nur er war. Jetzt fiel mir auf, dass er einen Palm Pilot in der Hand hatte. Ich dachte im Stillen:
Was tut er so groß, ich habe auch einen. Was nicht ganz richtig war. Mein Palm hatte vor zwei Monaten den Geist aufgegeben.
Er sagte: »Hör mal, falls mir was passiert, möchte ich, dass du meiner Freundin Schuli in Jerusalem sagst, dass du ihr sagst …« Er dachte nach, aber es gelang ihm nicht, die richtige Botschaft zu finden.
Ich grinste. Wovon redete er? Wenn ihm was passierte? Fing er jetzt auch schon an? Die alte Frau, na gut, sie war sicher noch paranoid vom Holocaust, aber er? Ich erwiderte: »Falls was passiert, kann ich mir nicht vorstellen, dass ausgerechnet ich übrig bleibe, um deine Botschaften zu überbringen. Keine Angst, es wird nichts passieren.«
»Ich weiß, dass nichts passieren wird«, erwiderte er. »Aber falls … wenn du willst, kann ich auch jemand was ausrichten, wenn ich quasi … du weißt schon.«
Ich sagte sofort nein. Anschließend fragte ich mich, vielleicht hätte ich doch jemand etwas ausrichten lassen sollen? Vielleicht habe ich irgendeinen letzten Wunsch? Sollte ich vielleicht ernsthaft darüber nachdenken und irgendeinen hinterlassen, einen echten? Man kann nie wissen. Ich dachte, wenn ich jemand was hinterlasse, dann Dutschy. Trotz allem.
Und dann erwischte ich mich. Zum Teufel. Woran dachte ich da im Bus auf dem Weg zur Arbeit? An mein Testament. Wie weit war es mit uns gekommen? Auf der Rückseite des Autobusses vor uns war ein Wächter der britischen Königin abgebildet, und darunter stand: »Eine Reise ins Ausland? Nimm das Pelefon!« Im Radio sagte der Mann, der hinter dem Autobus, der im Wadi Ara explodierte, gefahren war, zu Rafi Reschef: »Ich bin optimistisch, optimistisch, optimistisch, optimistisch.« Ein Mobiltelefon klingelte, jemand antwortete. Ich zog ein Notizbuch heraus – seit mein Palm kaputt ist, bin ich ins Mittelalter zurückgestürzt – und notierte: Überprüfen, wie viel es kostet, ein Haus in Neuseeland zu mieten. Mit Dutschy reden.
Den jungen Typen fragte ich: »Bist du aus Jerusalem? Ich auch, eigentlich …« Aber ich sah, dass er mit anderen Sachen beschäftigt war. Sein Gesicht war ernst. Nachher dachte ich, die Leute haben manchmal eine Vorahnung. So wie wir alle möglichen Andeutungen fanden, die Dani Lamm machte, bevor er getötet wurde, wie das Gedicht, das er einen Monat davor geschrieben hatte. Genauso wie man sich von Soldaten, die starben, erzählt, dass sie sich beim letzten Telefongespräch auf besondere Art verabschiedeten, dass sie in ihren letzten Tagen... -- Dieser Text bezieht sich auf eine vergriffene oder nicht verfügbare Ausgabe dieses Titels.
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