Die von den Buren bereits in der 2. Hälfte des 19. Jahrhunderts in Südafrika in die Wege geleitete Trennung der Weißen von den Schwarzen wurde ab 1948, als die rechtskonservative Nationale Partei unter Daniel F. Malan die Wahlen gewann, massiv verschärft. Malan prägte den Begriff der ,Apartheid` und verwirklichte die Rassentrennung. Nach einer Reihe von Gesetzen wurde sie 1952 mit dem ,Native Laws Amendment Act` rechtlich vervollständigt. Und in diesem Jahr, 1952, spielt die Handlung des Romans Ein schöner Ort zu sterben" (Aufbau-Taschenbuch 2683 - "A Beautiful Place to Die", 2008) von Malla Nunn. Tief in der südafrikanischen Provinz an der Grenze zu Mozambique wird der lokale Polizeichef, Captain Willem Pretorius, ein Bure, erschossen aufgefunden. Detective Sergeant Emmanuel Cooper, ein ,Engländer`, wird von seinem Chef bei der Kriminalpolizei, Major van Niekerk (ein Bure), aus Johannesburg nach Jacob's Rest gesandt, um den Mord aufzuklären. Doch parallel dazu entsendet der Geheimdienst, die Security Branch, zwei Agenten (beide Buren), Lieutenant Piet Lapping und dessen Schläger Dickie, die als Täter einen Kommunisten (= einen Schwarzen) vermuten. Und so werden die Ermittlungen (so man bei den Agenten von ,Ermittlungen' sprechen kann, wenn der Täter schon vorweg ausgemacht ist) doppelgleisig geführt, was zu chaotischen Situationen führt. Durch dieses Gegeneinander kommt es bei der Mordermittlung - im Gegensatz zu den beiden Agenten glaubt Detective Sergeant Cooper aufgrund der Tatortanalyse und des Umfelds des Mordopfers an ein persönliches Motiv - kaum zu Fortschritten. Dazu hat die Familie des Toten - Frau und 5 Söhne - ihre eigenen Vorstellungen über den Mord an Mann und Vater. Doch bald stellt sich heraus, daß das Leben des ermordeten Polizei-Captains nicht so calvinistisch ablief, wie er es vorgab, und daß die Rassentrennung zwar am Papier besteht und rechtlich verfolgt wird, aber oft nicht mit den menschlichen Emotionen korrespondiert. Und so kommt Detective Sergeant Cooper, nur unterstützt von einem schwarzen Constable, Samuel Shabalala, der genaue Ortskenntnis, und Dr. Zweigman, der gute medizinische Kenntnisse, aufweist, mit seinen Ermittlungen nur langsam voran. Obzwar er jeder nur möglichen Spur nachgeht, stößt er bei den Vernehmungen der Familienmitglieder und der meisten Bewohner von Jacob's Rest auf eine Mauer des Schweigens. Erst bei einem Besuch im benachbarten Laurenco Marques in Mozambique kommt er dem Geheimnis von Captain Pretorius auf die Spur. In einem furiosen Finale, wo Cooper sich seiner eigenen Geschichte im Apartheid-Staat stellen muß, kann er den Fall - wenngleich mit Wunden geschlagen - lösen. Insgesamt ist Ein schöner Ort zu sterben" nicht nur ein spannender Kriminal-, sondern auch ein Gesellschaftsroman im Südafrika der Apartheid. Der Folgeroman mit Detective Sergeant Emmanuel Cooper Laß die Toten ruhen" ist hoffentlich auch so interessant und spannend.