9 von 9 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Intime Beziehung - eiskalte Gefühle, 29. September 2007
Simone de Beauvoir verarbeitet in diesem Buch den Abschied ihrer sterbenden Mutter, deren Präsenz sie bis zu ihrem Tode bedrückt. Simone beschreibt, wie sie in ihrem Zwispalt stand, die Mutter zu pflegen und für sie zu sorgen und andererseits jedoch diese Mutter gar nicht lieben konnte, weil sie von ihr so stark eingeengt und unterdrückt wurde.
Wir erfahren eine sehr intime Gedankenwelt, und die Erziehung der Simone de Beauvoir. Immer wieder erinnern Passagen an Simones Kindheit, wie sie sich erinnerte : Immer wieder an einschneidende, und sehr traumatische Erinnerungen und das Verhältnis zu ihrer Mutter, die eigentlich nie ihre Mutter war. Simone besucht ihre Mutter mit einem Kloß im Hals im Krankenhaus, in der inneren Angst, zu ersticken - Dieses Buch gibt eine Schlüsselfunktion zum Verständnis der Frauenbewegung in Frankreich, die Simone de Beauvoir mit unterstützt hat und bzw. mit ins Leben gerufen hat. Wenn man so auch die Geschichte ihres Weges und ihrer Meinungsäusserungen verstehen will, hilft dieses Buch sehr dabei.
Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen
War diese Rezension für Sie hilfreich? Ja
Nein
1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
4.0 von 5 Sternen
Vergiss deine Mutter nicht!, 3. April 2009
Ein Buch, das sich gut lesen lässt und auch zu vielen Diskussionen führen kann. Der eigene Tod, aber vor allem der Tod der Eltern wird einem beim Lesen bewusster. Die Autorin schreibt in einem relativ distanzierten Stil, es schimmert aber immer auch ihre Betroffenheit durch. Man kann nachvollziehen, dass das Sterben der Mutter - trotz aller vorangegangenen Probleme und Schwierigkeiten - die Autorin in ihrer Selbstreflexion und Entwicklung stark beeinflusst hat.
Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen
War diese Rezension für Sie hilfreich? Ja
Nein
18 von 28 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
3.0 von 5 Sternen
Ein sanfter Tod, 23. April 2002
Von Ein Kunde
Simone de Bauvoir wurde 1908 in Paris geboren. Sie ist eine Repräsentatorin des französischen Existentialismus in der Literatur. In ihrem Buch "Ein sanfter Tod" erzählt sie, wie sie nächtelang am Sterbebett ihrer Mutter verbrachte. Sie schildert den Weg zum Tod, ein "sanfter Tod" wie ihn die Krankenschwestern nannten. Im Lauf der Zeit kam sie der Frau, die ihr das Leben geschenkt hatte, näher. Ihre Mutter hatte eine schreckliche Angst vor dem Tod entwickelt oder eher vor dem "Übergang" zum Tode.
Zitat: >>Der Tod selbst erschreckt mich nicht: ich habe Angst vor dem Sprung<< Zitat Ende, so ihre Mutter.
Sie erkrankte an einem Magengeschwür. Erschreckend erzählt Simone de Bauvoir von der langsamen "Verfaulung" des Körpers ihrer Mutter. Sie schildert die Veränderungen ihrer Mimik, ihre wechselnden Emotionen und ihre ständige Furcht, allein gelassen zu werden. Selbst Nachts musste immer jemand an ihrer Seite sein und über sie wachen.
Zitat: >>Lass mich nicht davongehen. Wenn ich einschlafe, dann weck mich: lass mich nicht davongehen, während ich schlafe!<< Zitat Ende
Bis zum Ende wurde ihrer Mutter verschwiegen, dass sie an einem Tumor litt. Es bestand keine Hoffnung auf Heilung. Es handelte sich nur mehr um Wochen. Simone de Bauvoir erlebt eine für sie neue Situation, eine für sie neue Mutter. Ihre stolze Mutter die sie von früher kannte ließ sich plötzlich gehen und hatte keinen Anstand, vor nichts mehr. Für Simone de Bauvoir war es fast schon unangenehm wie ihre Mutter plötzlich nach Lust und Laune sagte, was ihr gerade in den Kopf kam. Sie hatte keine Scham mehr. Es war ihr egal.
Zitat: >>Mir ist es egal. Was mir Sorgen macht, ist, dass mir alles egal ist.<< Zitat Ende
Ihrer Mutter ging es immer schlechter. Sie litt unter so großen Schmerzen, dass man ihr ständig Morphiumspritzen verabreichen musste. Man wartete nur mehr auf ihren Tod, der schließlich eintrat, als sie dachte, zu ersticken. Sie viel ins Koma. Sie starb!
In den letzten Seiten des Buches erinnert sich Simone de Bauvoir an das Leben ihrer Mutter und dass diese immer schreckliche Angst vor Krebserkrankungen hatte. Sie schildert die Beerdigung, welche schlicht und ohne viele Blumen, so wie es ihre Mutter gewünscht hatte, ablief. Am Ende des Buches definiert sie ihre Meinung zum Tod. Wie sie damit zu Recht kommt und dass sie ihn als unverschuldeten Gewaltakt sieht.
Zitat auf der Rückseite des Buchumschlages: >>Dem Buch gab Simone de Bauvoir einen wehmütigen, beinahe staunenden Titel: <Une mort trés douce>. Jetzt ist auch sie, 78 Jahre alt, <so sanft> entschlafen.<< Zitat Ende
Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen
War diese Rezension für Sie hilfreich? Ja
Nein