Als Kind hatte Gerald seine Adoptivschwester Vera ermordet aufgefunden. In dem Mädchen Melanie entdeckt er Ähnlichkeiten mit der Toten, aber eines Tages verschwindet sie spurlos.
Die Verknüpfung von "alter ungesühnter Mord" mit "neues Verbrechen" hat schon ungezählte Bücher hervorgebracht; im Zuge der aktuellen Geschehnisse werden die alten Vorfälle geklärt. Diese Absicht liegt auch diesem Buch zugrunde, aber was hat Laura Wilson daraus gemacht? Sie lässt verschiedene Personen auftreten, Gerald, dessen Tante Tilly und Melanies Mutter Jo, und jede erzählt aus ihrer Perspektive. Statt sich zu verzahnen und sich damit spannend weiter zu entwickeln, laufen die Erzählstränge nebeneinander her und haben auch keine zusammenhängende Lösung. Welchen Sinn die Kinderbucheinschübe haben sollen - Geralds Mutter war Kinderbuchautorin - bleibt ein Rätsel; ein guter Autor hätte sie als Schlüssel zur Mordaufklärung chiffriert.
So bleibt das Buch unbefriedigend. Veras Mörder war einem Mitwisser längst bekannt; der Leser erfährt durch ein Gespräch davon, kann also nicht mitknobeln. Was Melanie passiert, ist viel zu durchsichtig und viel zu früh zu ahnen, so dass man sich eigentlich nur über die Blindheit der Beteiligten wundern kann.
Als Donna Leon und andere ihr großes Lob über die Autorin gesprochen haben, was natürlich vom Verlag werbewirksam und ausführlich genutzt wird, haben sie vermutlich dieses Buch noch nicht gelesen.