Das notwendige Geschick Oscar Wildes bissige Schauspiele umzusetzen, ohne dass sie ihren Charme verlieren oder langatmig und statisch wirken, was bei Bühnenstücken recht leicht der Fall sein kann, ist durchaus nicht zu unterschätzen. Doch Oliver Parker beweist mit seiner Verfilmung von Wildes geistreicher Komödie "An Ideal Husband" aus dem Jahre 1895, dass er ein Händchen dafür hat.
Parker, der auch der Drehbuchautor ist, hält sich größtenteils an die Vorlage, doch gleichzeitig fügt er kleine Szenen ein, z.B. die im Original nicht vorhandene Debatte im Parlament, um den Film aufzulockern und ihm die notwendige Spielfilmlänge zu geben.
Ebenso legt der Regisseur bei seiner Inszenierung großen Wert auf Kostüme und Requisiten, die dem Film eine lebendige und farbenprächtige Note geben und sorgt mit häufigen Schauplatzwechsel für Tempo und Spannung.
Neben diesen zahlreichen historisch getreuen Details wird der Film vor allem von den hervorragenden Schauspielern getragen - und natürlich von den unvergleichlich treffsicheren Dialogen des Zynikers Wilde.
Rupert Everett als selbstverliebter Lord Goring, Jeremy Northam als aufrichtiger Politiker mit Vergangenheit, Sir Robert Chiltern, Cate Blanchett als seine feministische Ehefrau, Minnie Driver als seine exzentrische Schwester Mabel und Julianne Moore als intrigante Mrs Cheveley bieten ein breites Spektrum ihres Könnens und überzeugen allesamt mit einer Leichtigkeit und sichtbaren Spielfreude, die mit zwei Golden Globe-Nominierungen belohnt wurde (Everett/Moore).
Kurzum, Kostümkino war nie sprühender vor Witz und Aphorismen und die Zeit verging selten so angenehm als bei dieser exzellenten Verfilmung, deren Qualität auch auf der DVD gewahrt bleibt. Schade ist allerdings, dass die englische Fassung nur mit nicht ausblendbaren deutschen Untertiteln zu sehen ist, was recht lästig sein kann.