Es ist natürlich schwer, ein solches Buch zu kritisieren, schließlich ist Mariane Pearl die Frau des Journalisten, dem von ein paar gedungenen Mördern vor laufender Kamera der Kopf abgeschnitten wurde. Die Rohheit und sinnlose Brutalität dieser Tat kontrastiert merkwürdigerweise mit dem merkwürdig aufgekratzten persönlichen und teils geschwätzigen Szenen dieser Schilderung. Muss man wirklich wissen, welche Menüs die zwischen Hoffen und Bangen schwebenden Angehörigen bei McDonalds gegessen haben oder muss die Liste homöopathischer Medikamente aufgelistet werden, die ein Arzt der Ehefrau verordnet hat. Am Ende ist sogar noch der "Entschuldigungsbrief" eines pakistanischen Anwalts abgedruckt, der der Autorin als "Entschädigung" für den Tod ihres Mannes die Ehe anbietet.
Ich glaube im Grunde nicht, dass Mariane Pearl mit diesem Buch ihrem Mann ein Denkmal gesetzt hat - eher sich selber. Das Buch pendelt allzu häufig zwischen persönlichem Leid und Alltag hin und her, wechselt sich mit der Darstellung der Polizeiarbeit ab, liefert aber kaum die politischen oder gesellschaftlichen Analysen, die man sich vom Journalisten Daniel Pearl, der immerhin für das Wallstreet Journal arbeitete, wohl erwartet hätte.
Das Feudalsystem Pakistans, das nicht die geringste Ursache für die zunehmende islamistische Gewalt ist, wird nur am Rande erwähnt, ein paar edle Polizisten treten gegen das Böse an und werden am Ende dafür pathetisch gelobt.
Das ist tief empfunden und sicher auch echt, aber hat keine journalistische Brisanz, wie ich sie mir eigentlich vorgestellt hatte. Daran ändert auch nichts eine Auflistung der blutigen Attentate, die nach der Ermordnung in Karatschi statt fanden.
Liest man es als Erinnerungsbuch der Witwe und nimmt diesen Mangel in Kauf, ist das Buch auch mit seinen peripheren Einblicken in den pakistanischen Alltag einen Versuch wert.