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Buchnotiz zu : Neue Zürcher Zeitung, 18.09.2001
Thomas David ist hin und weg! Da hat es einen Rezensenten richtig gepackt, soviel ist zu spüren, wenn er mit Wörter wie "Luzidität", "kristallin", "gleißend", "außerordentliche Präsenz" ein lichtmetaphorisch getränktes, verbales Feuerwerk zu Ehren dieser Autorin entzündet, von der auf deutsch drei neue Bücher vorliegen - ein neuer Roman, Erzählungen sowie ein kaum klassifizierbares Buch über den "Stierkampf".
1) A.L. Kennedy: "Einladung zum Tanz. Roman"
2) dies.: "Ein makelloser Mann. Erzählungen"
Thomas David feiert A.L. Kennedy als Autorin von außergewöhnlicher Sprachkraft, die es schafft, "ohne jede Spur von Sentimentalität" Momente des Glücks zu beschreiben, die auf das plötzliche Bewusstwerden und intensive Erleben der eigenen Existenz zurückzuführen sind - also keineswegs dem Klischee klein - oder großbürgerlichen Glücks im trauten Heim entsprechen. Kennedy führe ihre Figuren stets in Räume "unverstellter Alltäglichkeit" schreibt David, also Büros, Wohnungen, Fitnesscenter, in denen jähes Erwachen lauere: Momente des Schreckens würden in plötzliche Selbsterkenntnis und intensive Glücksgefühle umschlagen, wenn man die neuen Erzählungen der schottischen Autorin auf einen Nenner bringen wolle. Einen ähnlich gewaltsamen und fast kathartischen Moment beschreibt David aus ihrem Roman "Einladung zum Tanz", der in einer Kreuzigungsszene gipfelt, die dem Gepeinigten hilft, seine verloren geglaubte Liebe wiederzufinden.
3) dies.: "Stierkampf"
Auch in diesem Buch begibt sich Kennedy, so David, auf die Suche nach dem Gefühl äußerster Intensität, das sie beim Stierkampf vermutet und findet. Nun sollte man sich das Buch nicht als kulturhistorische Abhandlung des Stierkampfs vorstellen, sondern vielmehr als Selbstportrait der Autorin vor spanischer Kulisse. "Stierkampf" ist eigentlich ein Selbstportrait, behauptet David, und die Geschichte einer Selbstfindung, da die Autorin ihre Schreibblockade durch dieses Thema zu bezwingen hoffte. Laut David zieht Kennedy den gewagten Analogieschluss zwischen Stierkampf und Schreiben, erklärt beides zum "Blutsport", das nach ähnlichen Regeln und Stationen wie Angst, Schmerz, Freude, Tod, Transzendenz ablaufe. Wie der Stier fühle sich der Schriftsteller nackt und schutzlos, wenn es darum geht, dass er sich etwas abringen muss, erklärt David, und wie der Stierkampf vollziehe sich das Schrieben als Ritual in äußerster Konzentration. Bloß unblutiger.
© Perlentaucher Medien GmbH
Buchnotiz zu : Frankfurter Allgemeine Zeitung, 22.09.2001
In diesen zehn Erzählungen, schreibt ausgesprochen beeindruckt Rezensentin Felicitas von Lovenberg, lese A.L. Kennedy "die Gedanken und Begierden ihrer Personen" und komme ihnen näher "als diese sich selbst". Von "lakonischer Genauigkeit" ist die Rede, von der suggestiven Sprachgewalt der Autorin. Ohne Sentimentalität beobachte sie Liebende, verschiedene Menschen auf der Suche "nach einem wie auch immer gearteten Glück der Liebe". Immer und immer wieder zelebriere die Autorin "jenen Moment", in dem Menschen ihren inneren Widerstand aufgäben und sich wider besseres Wissen einander auslieferten. Kennedy verstehe sich gerade auf die kürzere Form "meisterhaft", findet die Rezensentin und lässt keinen Zweifel, dass die schottische Autorin mit ihrem neuen Buch an den Erfolg von "Gleißendes Glück" wird anknüpfen können.
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