Eine verlassene Ehefrau als Hauptperson eines Fielding-Romans ist nichts Neues ("Zähl nicht die Stunden", "Ich will Ihren Mann"). Dass diese Frau angepasst, nett, liebevoll, fürsorglich und komplexbeladen ist, kennt man auch. Joanne in diesem Fall wird nicht nur von anonymen Anrufen terrorisiert, sondern auch von ihrer Freundin Eve und deren Mutter, von der pubertären Tochter und der Unentschlossenheit ihres Mannes. Davon hat sie sich das meiste selbst zuzuschreiben, denn Eves eingebildete Krankheiten nehmen einen größeren Platz ein als Joannes Ängste, und Joannes Geduld mit Eves Leiden bringen einen Leser, der gern (und leider vergeblich) mehr über die Hintergründe der Serienverbrechen erfahren würde, um die Geduld.
Joannes Bemutterungsverhalten, ihre absolute Liebe und Treue und ihr Verständnis für den untreuen Ehemann, das alles wäre ja noch zu ertragen, wenn sie nicht so grenzenlos dumm wäre. Alarmanlagen bedient sie nicht richtig, ihre Schlüssel vermisst sie und lässt die Schlösser nicht sofort austauschen, jedem Beschwichtigungsversuch glaubt sie: Das sollen Verhaltensweisen einer Frau sein, die um ihr Leben fürchtet?? Und was ich mich über die ganze Länge des Buches fragte: Noch nie etwas von Fangschaltung gehört?
Was den Täter angeht: Warum mordet er? Wie sah die Geschichte seiner andern Taten aus? Warum verwendet er den Namen, den er doch lange kennt und durch den er sich verrät, erst so spät?
Von Joannes wundersamer Wandlung zur selbstbewußten Frau kann ich nach dieser seichten Story auch nicht mehr viel halten.