Eine handfeste Geschichte, in der etwas "passiert", sollte man nicht erwarten. Vielmehr ist der Weg das Ziel, der Weg Bettis, mit der großen Enttäuschung fertig zu werden, von ihrer langjährigen südfranzösischen Brieffreundin schamlos angelogen worden zu sein; dies erreicht sie, indem sie sich treiben lässt und sich fremden, teils sehr skurrilen Menschen anvertraut. Doch ist das nur die "Rahmenhandlung" von Markus Berges' Debutroman. Das eigentliche Thema ist die sinnliche Wahrnehmung der Städte und Landschaften entlang der Côte d'Azur, in die die teils (alp)traumartigen Erlebnisstränge verwoben sind. Dabei bedient sich Berges eines durchweg assoziativen, vor allem in den Dialogen gewollt distanziert-spröden Stils, der sicherlich als Stolperstein empfunden werden kann. Andererseits entsteht gerade durch diese bewusst eingebrachte sprachliche Unschärfe ein Gefühl des Loslassens und intuitiven Erlebens, gerade so, als ob das faktisch Geschehene durch eine bläulichgrüne Milchglasscheibe gefiltert erscheint. Fazit: Ein genialer Text, von der ersten bis zur letzten Zeile. Bitte mehr von Markus Berges!