Kurzbeschreibung
London 1955.
Drei Menschen werden im eleganten Londoner Viertel Kensington tot aufgefunden: die exzentrische Dame der Gesellschaft Georgina Gresham, ihr Bruder und ihre Haushälterin Ada.
Offensichtlich fielen sie einem Verbrechen zum Opfer, doch die Polizei findet keinerlei Spuren und kein Motiv. Die drei haben ihr Geheimnis mit in den Tod genommen - ein Geheimnis, das schließlich zu dieser Tragödie führte und dessen Ursprung bis in das Jahr 1890 zurückreicht, als auf dem idyllischen Landsitz der Greshams ein kleiner Junge tödlich verunglückte.
Umschlagtext
Ein kleiner Tod London, l955. Drei Menschen werden im Londoner Viertel Kensington tot aufgefunden: die exzentrische Georgina Gresham, ihr Bruder und ihre Haushälterin Ada. Offensichtlich fielen sie einem Verbrechen zum Opfer, doch die Polizei findet keinerlei Spuren und kein Motiv. Die drei haben ihr Geheimnis wohl mit in den Tod genommen - ein Geheimnis, dessen Ursprung bis in das Jahr 1890 zurückreicht, als ein kleiner Junge auf dem Landsitz der Greshams tödlich verunglückte... »Ein exzellenter Roman! Ich habe dieses Jahr kein bewegenderes Buch gelesen!« Frances Fyfield Deutsche Erstveröffentlichung
Über den Autor
Laura Wilson ist in London aufgewachsen, studierte am Somerville College, in Oxford und am UCL in London. Sie arbeitete als Lehrerin und später mehrere Jahre als Sachbuchlektorin in einem englischen Verlag, bevor sie sich ganz dem Schreiben widmete. Ihr Debütroman Ein kleiner Tod wurde von Presse, Lesern und zahlreichen Schriftstellerkollegen wie Donna Leon, Frances Fyfield und Ruth Rendell enthusiastisch gefeiert und brachte der jungen Autorin über Nacht den Durchbruch. Die Handlung ihres neuesten Romans, Wenn die Nacht kommt, ist von der wahren Geschichte des Blackout Ripper Gordon Cummins inspiriert. Der junge Flieger der Royal Air Force tötete 1942 mehrere Londoner Prostituierte. Laura Wilson wurde für diesen Roman der "Prix du Polar Européen du Point" verliehen, der alljährlich in Frankreich für den besten Kriminalroman eines europäischen Autors vergeben wird. Laura Wilson lebt in London und schreibt mittlerweile an einer neuen Krimiserie.
Leseprobe. Abdruck erfolgt mit freundlicher Genehmigung der Rechteinhaber. Alle Rechte vorbehalten.
83 Thurloe Street, SW Juli 1955 ADA Letzte Woche hatte ich Geburtstag. Herrliche Blumen von Master Edmund, wunderschön. Er denkt immer daran, Miss Georgina hat dagegen für solche Sachen nicht viel übrig, und ich erwarte es auch nicht. Geburtstage sind sowieso nicht mehr wichtig, wenn man in meinem Alter ist. Aber an diesem Nachmittag hörte ich sie mit dem Besen auf den Boden klopfen, bum, bum, um mich heraufzuholen. Ich sagte ihr: »So schnell kann ich nicht mehr kommen, meine Knie sind zu krank.« Sie sagte: »Setz dich, Grau-Lieschen.« So nennt sie mich zur Zeit, aber ich habe keine Ahnung, was es bedeutet. Vor sechs Monaten nannte sie mich immer Brunhilde, und davor war es etwas anderes Blödes. Aber ich beachte es einfach nicht, es ist ihr Spiel. Ich setzte mich auf Master Edmunds Stuhl neben ihrem am Fenster, wo sie den ganzen Tag hockt und hinausschaut. Dann sagt sie: »Wirklich, Ada, du machst immer so einen Wirbel wegen jeder Kleinigkeit. Ich habe dich nicht aufgefordert, in das Tal des Todes zu reiten, ich habe dich nur gebeten heraufzukommen, weil ich ein Geschenk für dich habe«, und dann ließ sie eine Schachtel mit Schokolade auf mein schlimmes Knie fallen. Der Arzt sagt, daß ich jetzt zuckerkrank bin und keine Schokolade und Süßigkeiten mehr essen darf, und wenn sie sich die Mühe machen würde, ein bißchen mitzudenken, wüßte sie es. Aber das hat sie nie getan. Es lag mir auf der Zunge zu sagen: »Sehr nett, aber was soll ich damit«, aber ich hielt den Mund. Natürlich sagte sie dann: »Nun, verdiene ich nicht ein Dankeschön?« »Das ist sehr nett von Ihnen, Miss Georgina, wirklich.« Typisch, mich so hinzustellen, als wäre ich undankbar. Ich weiß nicht, was ich mit dieser vermaledeiten Schokolade machen soll. Sie mußte sofort ganz hinten im Küchenschrank verschwinden, damit ich nicht in Versuchung kam, und dabei mußte mir natürlich eine Dose mit Erbsen auf den Fuß fallen, und jetzt tut mir nicht nur das Knie weh. Ich werde mich ein wenig setzen und aus dem Fenster auf den Hof schauen. Früher hatte ich einen schönen Blick aus meiner kleinen Küche, damals, als Master Edmund mir die Blumenkübel hingestellt hat, aber die Blumen wollten nicht blühen, da draußen gibt es einfach nicht genug Licht für sie. Master Edmund nennt uns seine zwei Leibwächter. Mich und Miss Georgina meint er damit. Eine bewacht die Vorderfront, die andere den Hinterhof. Ich möchte mal wissen, was es im Keller zu bewachen gibt. Miss Georgina geht nicht mehr vor die Tür. Schon vor langer Zeit haben die Leute aufgehört, sie anzustarren, darum geht es also nicht, aber ich glaube, sie interessiert sich nicht mehr für das, was draußen vorgeht, außer für die Zeitungen. Solange sie ein bißchen lesen und ihr Kreuzworträtsel lösen kann, ist sie zufrieden, wirklich. Das hier war natürlich nicht das Haus, in dem es passiert ist, weiß Gott nicht, aber wir sind direkt danach hierhergezogen. Die Zeitungen waren noch voll davon, und der eine oder andere Schnüffler ist hier herumgeschlichen. Keine Reporter, ganz normale Menschen. Einmal habe ich so ein Pärchen auf der Vorderveranda erwischt. Zwei Frauen. Ich kam aus der Kellertür, und als ich nach oben schaute, waren sie da. Am hellichten Tag, und eine linste durch den Briefkastenschlitz. Die andere stand hinter ihr und fragte die ganze Zeit: »Und? Siehst du was?« Aber das war gar nichts gegen die Geschichten, die vorher passierten. Die Leute haben Miss Georgina beschimpft, ihr böse Briefe geschrieben und solche Sachen. Es waren immer Frauen. Männer würden so was niemals tun, oder? Heute ist das alles natürlich vergessen, aber damals gab es ein schreckliches Theater um alles. Das ist nicht überraschend - Mr. James war reich. Er kannte eine Menge wichtige Leute, Politiker, Geschäftsleute, solche eben. Ein cause célèbre, so nennt man das. Und Miss Georgina war so hübsch, die Leute konnten gar nicht genug Fotos machen. Damals dachte ich noch, wie gut, daß m