Afrika war auf dem Campus ein großes Thema. Für die Aktivisten war es in diesem Jahr am allerwichtigsten, dass die Universität ihre Beteiligung an einer Ölfirma mit Interessen am Horn von Afrika verkaufte.
"Der große Held in dem Kampf ist dieser Hatashil," erklärte Krazmeyer.
"Der hat einen unglaublichen Werdegang," sagte Jane. "Er ist Waise und gründete nach der Ermordung seiner Eltern eine Unabhängigkeitsbewegung von der arabisch dominierten Regierung. Aber er hat geschworen, wenn er kämpft, müssten keine Unschuldigen so leiden wie seine Eltern. Eine Art Robin Hood. Er steht ziemlich weit links, ist praktisch Marxist. Mein Freund stammt aus der Gegend und er sagt, der Typ ist ein richtiger Held."
"Aber es heißt, dass seine Leute ein Gemetzel verübt haben", entgegnete Krazmeyer. "Behauptet Reuters jedenfalls. Und das Außenministerium hat ihn gerade in einer Presseerklärung verurteilt. Also brauchen wir jemanden, der einen Artikel darüber schreibt, wie die Befürworter des Beteiligungsverkaufs reagieren. Das kommt auf die Titelseite. Dar waren sie in letzter Zeit ziemlich oft zu finden. Jetzt können wir ihnen vielleicht einen Schlag versetzen."
Jane wurde mit dem Artikel betraut.
"Dafür hat Susan Lowell doch gerade den Pulitzerpreis gewonnen," sagte sie.
"Vielleicht können wir auch ihr einen Schlag versetzen," erwiderte Krazmeyer. "Ihr die Sonnenbrille vom Gesicht fegen."
Die Redakteure lachten.
("Ein hoher Preis", Seiten 43, 44)
Dieser Roman hat einen leuchtend roten Umschlag, welches an Dynamit erinnert und genauso brisant und schlaggewaltig ist sein Inhalt. Ein Polit-Thriller der Länder übergreifend Machtverhältnisse aufzeigt, welche einer scheinbar unsichtbaren und unkontrollierbaren Quelle entspringen.
Der smarte CIA-Agent Teak überlebt ein Massaker in einem somalischen Dorf. Schnell hat die Presse einen Schuldigen ausgemacht: ausgerechnet der verehrte Freiheitskämpfer Hatashil soll hinter diesem schrecklichen Verbrechen stecken. Teak ist sich jedoch sicher, dass diese Meldungen falsch sind. Seine Nachforschungen bringen einige unangenehme Tatsachen ans Licht. Wem kann Teak überhaupt noch vertrauen? Die Vertrauensfrage wird auch der Harvardprofessorin, Susan Powell, gestellt, deren preisgekröntes Werk über Hatashil plötzlich in der Kritik steht. Der afrikanische Student David, der bisher großen Respekt vor seiner Professorin hatte, wird von seiner Freundin Jane gedrängt, gegen die Autorin Stellung zu beziehen. Jane selbst soll einen Artikel schreiben, der Professor Powell entlarven soll. Schließlich trifft sie bei ihren Recherchen auf Teak, der ebenfalls brennend an der Frage interessiert ist, wer oder was wirklich hinter dem Massaker steckt, welches nunmehr nur als "Hatashils Attentat" bekannt wird. Aber wie hoch ist der Preis der Wahrheit?
Rasant wechselt der Autor seine Erzählschauplätze und leuchtet die jeweiligen Perspektiven der Beteiligten aus. Dieser schnelle Wechsel verlangt die höchste Aufmerksamkeit des Lesers und der Roman ist diese Mühe wert. Ein scheinbar lokales Ereignis pflanzt sich global fort und diese Entwicklung schildert der Autor spannend und absolut überzeugend. Überzeugend ist auch die Charakterzeichnung seiner Figuren, die lebensecht agieren.
Die kleinen Details der Geschichte machen den Roman zu etwas Besonderen. Da ist zum Beispiel dieser "Harvard-Becher", ein Souvenir aus der berühmten Universität, welches David stolz seinen Cousins in der Heimat überreicht. Später wird Teak, der die schrecklichen Verbrechen in Davids Dorf hautnah miterlebt hat, diesen Becher finden und ihn mitnehmen. Und irgendwann wird er im Büro der Harvardprofessorin Powell stehen und sie mahnen, ihre wichtige Arbeit fortzusetzen.
Bei genauerer Betrachtung gibt es bestimmt noch viel mehr zu entdecken. Außerdem verlangt die anregende Lektüre nach neuem Stoff aus der Feder des talentierten Autors, der so packend und aufrüttelnd zu erzählen weiß.