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Ein herrlicher Flecken Erde: Roman
 
 
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Ein herrlicher Flecken Erde: Roman [Gebundene Ausgabe]

Radka Denemarková , Eva Profousová
4.0 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (1 Kundenrezension)
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Produktinformation

  • Gebundene Ausgabe: 304 Seiten
  • Verlag: Deutsche Verlags-Anstalt; Auflage: 2 (1. September 2009)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 342104404X
  • ISBN-13: 978-3421044044
  • Originaltitel: Penize od Hitlera
  • Größe und/oder Gewicht: 21,8 x 14,2 x 3 cm
  • Durchschnittliche Kundenbewertung: 4.0 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (1 Kundenrezension)
  • Amazon Bestseller-Rang: Nr. 279.869 in Bücher (Siehe Top 100 in Bücher)

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Radka Denemarková
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Produktbeschreibungen

Pressestimmen

»Es ist eine beklemmende, schwierige Lektüre, die Radka Denemarkova ihrem Leser "zumutet" - umso eindringlicher aber wirkt sie nach.« (Deutschlandradio )

"Der Roman lebt stilistisch von packendem Realismus, der immer wieder symbolisch gedeutet werden kann, ohne symbolschwanger zu wirken .... Ein vielschichtiges, komplex erzähltes Buch." (Wiener Zeitung, Werner Schandor )

»Radka Denemarková nimmt sich ihres Themas mit großer Leidenschaft und Kraft an. Ein starkes Buch.« (Neue Zürcher Zeitung )

Kurzbeschreibung

Im Osten keine Heimat
Gita muss in ihrem Leben durch mehrere Höllen gehen: von den Nazis als Jüdin gequält, von den Tschechen als Kollaborateurin vertrieben, schließlich von den ehemaligen Nachbarn als habgierige Alte abgestempelt, als sie den Familienbesitz zurückfordert. Doch trotz aller körperlicher und emotionaler Wunden führt Gita den Kampf gegen Unrecht und für Verständigung weiter. Ebenso kompromisslos wie ergreifend schildert dieser preisgekrönte Roman die menschliche Seite der unmenschlichen Geschichte.
Gita will nur nach Hause, sich unter der warmen, weichen Zudecke verkriechen, den geliebten Geruch der Villa in sich aufnehmen. Doch die Realität sieht anders aus, als die Sechzehnjährige 1945 aus dem Konzentrationslager zurück in ihr Heimatdorf, das tschechische Puklice, kommt. Der Familienbesitz wurde konfisziert, Fremde leben jetzt dort, und die Deutschsprachige wird als Staatsfeindin verjagt. Erst sechzig Jahre später kehrt Gita zurück, um die Familie zu rehabilitieren. Und wieder schlägt ihr als ehemalige Großgrundbesitzerin der Hass der Dorfbewohner entgegen. Doch längst ist für Gita Weiterleben zur Kampfansage gegen Gewalt und Lüge geworden. Mutig, mit sehr plastischen, unter die Haut gehenden Bildern und mit enormer Sprachmacht wagt dieser kompromisslose Roman, für den die Autorin mit dem bedeutendsten tschechischen Literaturpreis ausgezeichnet wurde, einen Blick auf die verdrängte deutsch-tschechische Nachkriegsgeschichte.

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11 von 11 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Von ludwigwitzani TOP 500 REZENSENT
Format:Gebundene Ausgabe
Das nationalsozialistische Deutschland hat sich im Zweiten Weltkrieg derartiger Untaten schuldig gemacht, dass man über alle Verbrechen, die an Deutschen im Vorfeld oder im Anschluss an den Zweiten Weltkrieg verübt wurden, fast reflexartig den Mantel des wohlwollenden Verständnisses legt. Das vorliegende Buch einer jungen tschechischen Autorin durchbricht dieses Tabu am Beispiel einer Geschichte aus dem Umfeld der Massenvertreibung der sudetendeutschen Bevölkerung aus dem Gebiet des späteren Tschechoslowakei.
"Ein herrlicher Flecken Erde" erzählt die Geschichte von Gita Lauschmannowa, einer deutschsprachigen Jüdin, deren Familie als tschechoslowakische Staatsangehörige von den Nazis noch am Ende des Zweiten Weltkrieges ermordet wurden. Nur die sechzehnjährige Gita und ihr älterer Bruder Adin leben noch, als die Konzentrationslager befreit wurden. So weit so schrecklich.
Aber als fast noch schrecklicher empfindet die blutjunge Gita nach ihrer Rückkehr aus den deutschen Konzentrationslagern das Verhalten ihrer ehemaligen tschechischen Nachbarn und Bekannten, die wie die Aasgeier sofort nach Kriegsende im Schutz der berüchtigten Benes-Dekrete über die verwaisten Güter der Lauschmannowas hergefallen sind und sie unter sich aufgeteilt haben. Kaum zurückgekehrt, wird Gita von einer Bande aus Pseudo-Partisanen, Zugewanderten und Dorfproletariern, geführt vom ehemaligen Dorfschmied Stolar, gefangengenommen und zusammengeschlagen. Ihr Bruder Adin war bereits von der Stolar-Bande sofort nach seiner Rückkehr ermodert und im Garten des Gutes verscharrt worden. Nur die Mitmenschlichkeit der Stolar-Schwester, die Gita unter Lebensgefahr zur Flucht verhilft, erspart der jungen Deutsch-Jüdin das gleiche Schicksal.
Der ganze erste Teil des Buches, etwa ein Drittel des Romans, beschreibt die Leiden der unglücklichen Gita, aber auch die Schicksale anderer Sudentendeutscher in drastischen Worten. "Anfang Juli wurden Liebischs in ihrer Villa überfallen. Bewaffnete Männer, tschechische Partisanen wohl. Liebischs Sohn schlugen sie mit Gewehrkolben die Zähne aus, er blieb in einer Blutlache liegen, mehr wisse sie nicht. Liebisch habe sie noch gesehen. Bevor man ihn in das entlegene Lager Rabstein verschleppte. Dicht am Kopf des alten Liebischs feuerten sie mehrere Schüsse ab, dann schlugen sie mit einer Stahlstange auf seine Arme. Anschießend traten sie ihn mit Stiefeln, er musste sich so lange mit seinen angeschwollenen Armen vor den Tritten schützen, bis es den Tschechen endlich zu langweilig wurde." (S. 77)
Sechzig Jahre später, im Mai 2005, kehrt Gita Lauchmannowa als 76jährige in das Dorf ihrer Kindheit zurück. Sie ist inzwischen mit ihrer ganzen Familie von der demokratischen Regierung Tschechiens voll rehabilitiert worden und hat Anspruch auf Rückgabe ihrer Güter. Obwohl sie die Güter ihrer Familie aber gar nicht zurückhaben will sondern nur die Aufstellung eines Denkmals zu Ehren ihres von den Nazis ermordeten Vaters auf dem Dorfplatz anstrebt, trifft sie sofort auf den geballten Widerstand der Nachkommen der Enteignungsgewinner - allen voran auf den Stolar-Sohn, der nun als Buergermeister den Ort verwaltet. Aber auch Gitas Retterin, die Stolar-Schwester, nunmehr die Tante des Buergermeisters, lebt noch, und sie ist es, die ihrem inzwischen herangewachsenen Sohn Denis die wahre Geschichte der mörderischen Vertreibung von 1945 berichtet. Alte Wunden, Sünden und Begehrlichkeiten, Animositäten und Lügen brechen nun auch unter den Tschechen auf, es kommt zu Verwerfungen, Konflikten und Verhandlungen, die darauf hinauslaufen, dass Gita Lauschmannowa das Denkmal für ihren Vater nicht erhält und über der Abfassung ihrer Erinnerungen verstirbt. Ihre Enkelin setzt den Kampf mit gesteigerter Erbitterung fort, der Ausgang bleibt vollkommen offen.
Wie man sieht, eine packende und tragische Geschichte, wie man sie in den Mainstream-Medien normalerweise nicht zu lesen bekommt. Kaum auszudenken, ein deutscher Autor hätte ein solches Buch verfasst. In Anbetracht der Notwendigkeit eines solchen Buches, wirken seine formalen Mängel fast verzeihlich: die Erzählweise ist unnötig zeitebenenverschachtelt, ohne dass sich daraus ein literarischer Gewinn ergeben wurde, die Sprache ist über weite Passagen nervös und schrill, und die Psychologie der Figuren ist nicht immer überzeugend. Auch der Plot ist ungünstig konstruiert - dass einer deutschsprachigen Jüdin tschechischer Nationalität furchtbares Unrecht widerfahren ist, wird auf der Grundlage der vorliegenden Handlungskonstruktion niemand bestreiten - was aber ist mit denen, die "nur" Deutsche waren, was ist mit den Hunderttausenden Opfern der Massenvertreibungen, deren Familien einfach nur seit Jahrhunderten in rein deutsch besiedelten Gebieten lebten und die 1945/6 zu Tode kamen? Wären denn die keinen Roman und keine Rehabilitation wert?
Immerhin steht diese Frage unübersehbar auch hinter der Geschichte von Gita Lauschmannova. Das ist in meinen Augen das bleibende Verdienst dieses mutigen Werkes, das die Massenvertreibung der Sudetendeutschen nach 1945 einmal aus einem anderen Fokus kennzeichnet: es war die unheilige Kombination von scheinbar unabweisbarem Racheanspruch, Habgier und abgrundtiefer menschlicher Niedertracht, die die psychologische Grundierung der Massenvertreibungen darstellte. (Eine solche Feststellung hat übrigens rein gar nichts mit einer Relativierung der nationalsozialistischen Verbrechen an allen Völkern Europas zu tun. ) Ein Ruhmesblatt für die junge tschechische Literatur, die ihren Beitrag zur Aufarbeitung der Vergangenheit und damit für eine entgültige Versöhnung bietet. Und eine Schande für alle jene deutschen Ideologen, die immer nur über das Leid der anderen Völker weinen wollen.
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