Seine Eifelkrimis - das Genre hat er mit "Eifel-Blues" vor nunmehr 16 Jahren "erfunden" - sind kult und gehören zu den meistgelesenen Krimis deutscher Sprache. Jacques Berndorf, der Wahl-Eifeler, versteht es wie kein zweiter, das Destillat dieser Landschaft und seiner Bewohner zwischen zwei Buchdeckel zu pressen. Weil seine Krimis dabei sowohl spannend als auch unterhaltend und gut recherchiert sind, ist es für den Leser zumeist ein echtes Vergnügen, sich durch den neuesten Berndorf zu lesen.
Gut recherchiert ist natürlich auch "Ein guter Mann", in dem sich Berndorf erneut seinem Lieblingsthema, den Geheimdiensten, widmet. Man wird aber das Gefühl nicht los, dass sich der Autor trotzdem auf ungewohntem Terrain bewegt. Der Protagonist, Herr Müller, Spion beim Bundesnachrichtendienst, stolpert durch die Story wie ein schlecht vorbereiteter Prüfling durchs Abitur. Persönliche Schicksalschläge (Ehe kaputt, Vater im Koma) wirken aufgesetzt und scheinen nur dazu zu dienen, den Konflikt weiter zu verschärfen.
Was aber wirklich stört ist die Sprache: Gerade einmal Ende 30 soll "Herr Müller" sein - reden aber tut er wie ein frühpensionierter Finanzbeamter, der bald seinen 60. feiern darf: dröge, altbacken und bieder kommt dieser Spion daher.
Gut: Herr Müller ist kein James Bond und "Ein guter Mann" soll selbstverständlich auch kein 007-Abklatsch sein. Trotzdem hätten wir uns gerade beim Protagonisten etwas mehr Pep gewünscht. Auch die Story entwickelt sich nur langsam vorwärts, was angesichts des Terror-Szenariums wirklich fehl am Platze wirkt.
Fazit: Auf den nächsten Eifelkrimi von Jacques Berndorf darf man sich bestimmt wieder freuen. Der Ausflug von der Provinz in die große weite Welt der Geheimdienste und des internationalen Terrorismus aber bleibt hoffentlich eine Ausnahme.