Ich schaetze Dostojewski sehr und hatte meine liebe Muehe mit diesem Buch, jedenfalls an einigen Stellen. Der Spannungsbogen ist bei Weitem nicht so fesselnd und der Handlung laesst sich bei Weitem nicht so klar folgen wie in den "Bruedern Karamasow" oder dem "Spieler", die philosophischen und psychologischen Betrachtungen haben bei Weitem keinen so klaren roten Faden wie in "Schuld und Suehne" und den "Daemonen".
Wer nach diesen Eigenschaften auf der Suche ist, wird von diesem Buch enttaeuscht sein und allzu leicht die subtilen Qualitaeten uebersehen, die der "Juengling" stattdessen hat. Die Handlung ist ziemlich unuebersichtlich und staendig ereignen sich Dinge, die sich schwierig einordnen lassen (na gut, wenn man Russe waere und sich nicht von den Namen staendig verwirren liesse, waere es vielleicht etwas einfacher), aber es macht aus meiner Sicht gerade den Reiz der Lektuere aus, dass das Ganze so aufgebaut ist, dass der Leser die Verwirrung des Ich-Erzaehlers am eigenen Leibe wundervoll nachempfinden kann. Gleichzeitig wird aber auch eine ironische Distanz aufgebaut dadurch, dass der Erzaehler staendig Dinge tut, von denen er ganz vernuenftig und ueberzeugend sowohl vorher als auch nachher weiss und erklaeren kann, dass und warum sie die Lage noch verschlimmern. Und das ist fuer mich vielleicht der deutlichste rote Faden - wie die Menschen es fertigbringen, immer wieder das Gegenteil des in ihren eigenen Augen rational und/oder moralisch Gebotenen zu tun.
Der "Juengling" ist ein ernsthaftes Buch, aber in der teilweise irregeleiteten Ernsthaftigkeit des Erzaehlers auch ueberraschend komisch. Jedenfalls wenn man ueber diese Art Verirrungen und ueber den Kontrast zwischen hohen Idealen und hohem Anspruch und den Niederungen des impulsgeleiteten Handelns lachen kann.