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Ein gerader Rauch
 
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Ein gerader Rauch [Taschenbuch]

Denis Johnson , Bettina Abarbanell , Robin Detje
3.6 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (15 Kundenrezensionen)
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Produktinformation

  • Taschenbuch: 880 Seiten
  • Verlag: rororo (1. Februar 2010)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3499240416
  • ISBN-13: 978-3499240416
  • Originaltitel: Tree of Smoke
  • Größe und/oder Gewicht: 18,8 x 12,4 x 3,8 cm
  • Durchschnittliche Kundenbewertung: 3.6 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (15 Kundenrezensionen)
  • Amazon Bestseller-Rang: Nr. 137.090 in Bücher (Siehe Top 100 in Bücher)

Mehr über den Autor

Denis Johnson
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Produktbeschreibungen

Kurzbeschreibung

«Der Gott, an den ich glauben möchte, hat eine Stimme und einen Humor wie Denis Johnson.» JONATHAN FRANZEN Vier Männer und eine Frau verschlägt es in die Katastrophen eines grausamen Dschungelkrieges. Denis Johnson zeichnet ein erschütterndes Porträt ihrer Verzweiflung und ihrer Einsamkeit, der sie zu entkommen suchen. Ein großartiges, bewegendes, sprachgewaltiges Epos über menschliche Getrieben- und Verlorenheit. Ausgezeichnet mit dem National Book Award 2007.

Über den Autor

geboren 1949 in München als Sohn eines amerikanischen Offiziers, verbrachte seine Kindheit in Tokio und auf den Philippinen. 1969 erschien sein erster Gedichtband. Heute lebt Johnson in Idaho und gilt als einer der wichtigsten Autoren der amerikanischen Gegenwartsliteratur. 2007 erhielt Denis Johnson den National Book Award.

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Kundenrezensionen

Die hilfreichsten Kundenrezensionen
14 von 14 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Von Carl-heinrich Bock HALL OF FAME REZENSENT TOP 500 REZENSENT VINE™-PRODUKTTESTER
Format:Gebundene Ausgabe
Dennis Johnson, 1949 in München als Sohn eines Besatzungsoffiziers geboren, ist bei uns durch seinen Roman "Angels", seine Erzählungen "Jesus Son" und vor allem durch das schmale Bändchen und große Meisterwerk "Train Dreams" bekannt geworden. Mit seinem fast 900 Seiten langen packenden Roman Ein gerader Rauch" schickt er den Leser nun in den Krieg und zwar nicht in den Irak Krieg, was zu erwarten gewesen wäre, sondern in den Vietnam Krieg. Weil dieser Krieg schon eine Weile her ist, eignet der sich gut als Metapher für den Irrsinn des Krieges, für den Verlust der Unschuld, für die Verlorenheit und auch für das Ende der Einsamkeit. Es war ein Krieg, der die Menschen versehrt und traumatisiert hat.

Der Vietnam Krieg ist vielfach beschrieben, deshalb ist es ein gewagtes Buch, doch Johnson nimmt die bekannten Versatzstücke neu und formt daraus seine ganz großen Themen, das heißt, bei ihm geht es um das Profane und das Mythische und wenn er über Angst, Brutalität, Verlorenheit, Zerstörung und Verlust der Menschenwürde schreibt, dann geht es ihm um Politik, Verdammnis, Gott und Erlösung.

Es gibt eine fulminante Eingangsszene, die grandiose ins Mark gehende Affenszene. Diese unglaubliche Episode kommt auf Seite zwei oder drei, als ein Soldat im Dschungel einen Affen erschießt. Er beschreibt den weinenden, angeschossenen, lebensgefährlich verletzten Affen und diesen erst 18 jährige Jungen, der auf den Affen geschossen hat, ihn nun qualvoll verenden sieht und sich wünscht es möge schnell vorbei sein. Der junge Soldat geht aus dem Dschungel heraus, kehrt zurück und stellt fest, dass der Affe weg ist. Nach dieser aufwühlenden Szene kommt zunächst erst einmal eine Durstsrecke.

Die Protagonisten sind "Skip" Sands, ein CIA Spion in der Ausbildung für den Einsatz in Vietnam, sein Onkel, ein geheimnisvoller, umstrittener, legendärer CIA Agent, die schillerndste Figur des Romans, der seinen Neffen nach Vietnam gelockt hat. Mit ihnen reist der Leser in das Herz der Finsternis, zwanzig Jahre lang an Orte grauenvoller Schlachten und Orte tiefster Erschütterung und Enttäuschung. Die Schauplätze sind Arizona, Vietnam, Manila, Kuala Lumpur, Dschungellandschaften und Bordelle. Es geht um Tod und Sex, und der Leser lernt die mörderische Unwissenheit der Amerikaner in diesem Krieg kennen. Und immer wieder ist es der Verlust der Unschuld.

Es ist kein Kriegsroman, weil Johnson vom Krieg selbst sehr wenig beschreibt. Wenn man normalerweise sagt, dass der Krieg die Menschen kaputt macht, dann hat man hier eher den Eindruck, der Krieg findet statt, weil die Menschen kaputt sind, in einer Gesellschaft, die zwar die Hoffnung noch nicht verloren hat und sich deshalb durch ständiges religiöses Suchen auszeichnet. Natürlich sind da auf der anderen Seite auch diese jungen Menschen, die in den Krieg getrieben werden, in den Krieg ohne Vorbereitung hineingeworfen werden, und überhaupt nicht wissen was sie da alles erwartet. Die Unschuld, die sie besitzen, verlieren sie endgültig in diesem Krieg aus dem sie nicht schadlos heraus kommen. Es gibt kein nach dem Krieg mehr, sie finden nicht mehr ins zivilisierte Leben zurück, sind für die normale Welt, für eine Welt in Frieden verdorben.

Die Dschungelgeschichte, insbesondere die Dschungelwanderung am Schluss, mit all den Riten, den wunderbaren Naturbeschreibungen und ihrer ganzen Rätselhaftigkeit ist grandios beschrieben. Eigentlich wird das ganze Buch für den Leser, bewusst oder unbewusst, zu einem Dschungel, denn oft weiß man gar nicht, wo man sich gerade befindet, hat alle Mühe sich in dem Buch zu orientieren. Man muss sich förmlich den Weg durch das Dickicht frei schlagen, um überhaupt den Weg zu finden. Nicht nur das Personal ist im Dschungel, Johnson plaziert auch ihre Seelen bildlich in einen Dschungel.

Denis Johnson erzählt in einem immer wieder faszinierenden, gnadenlosen Berichterstatter Ton, wie eine bestimmte Schicht von Männern Ruhm, Geld, Glauben und Zerstörung in einer solchen Kriegssituation suchen, damit möglicherweise einen vorhandenen inneren Mangel befriedigen, weil sie dies alles im normalen Leben nicht ausleben dürfen.

Eine spannende Figur und eigentlich die einzige Frau in diesem Männerroman ist die Kanadierin Kathy, eine Krankenschwester, die nach dem Tod ihres Mannes sich auf eine Affäre mit "Skip" Sands einlässt. Sie ist immer bemüht Unbescholtenheit, Makellosigkeit zu bewahren und mit ihrem letzten Satz: "Alle werden erlöst", drückt sie die Hoffnung aus, dass der Mensch vielleicht doch keine Fehlgriff der Schöpfung ist.

Es ist ein absolut mehrspuriges Buch, in Jahreskapiteln aufgebaut, mit einer unglaublichen Fülle von Geschichten, von Personal und von Schauplätzen. Es ist aber auch ein Buch voller Traurigkeit, voller Rätselhaftigkeit, voller Symbolik, voller Mythen, voller fesselnder Dschungelbeschreibungen, ein Buch von unendlicher Brutalität und ungeheurer Hoffnungslosigkeit, vielleicht aber auch von unzerstörbarerer Hoffnung.

Unterm Strich ein großes, schlichtes und ergreifendes Werk, dass eine gewaltige Leseleistung verlangt. Grandios und gnadenlos erzählt, zieht es den Leser in seinen Bann und lässt ihn atemlos lesen.
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35 von 38 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Denis Johnsons Meisterwerk 6. Oktober 2008
Von Roland Freisitzer TOP 500 REZENSENT
Format:Gebundene Ausgabe
Denis Johnsons neuer Roman Ein gerader Rauch" (orig. A Tree of Smoke- auch Gewinner des National Book Award) ist ein faszinierendes literarisches Werk. Ein vielschichtiges Werk mit großartiger Figurenzeichnung und unvergesslichen Protagonisten.
Oberflächlich betrachtet, ist dieser am Abend der Ermordung von J. F. Kennedy einsetzende Roman ein Vietnam Roman", oder auch eine millionste Aufarbeitung der amerikanischen Verfehlungen und Sünden in Asien.
Unter dieser Oberfläche schimmert jedoch viel mehr. Denis Johnson lässt eine Figuren kommentarlos agieren, bewertet nie und zwingt daher den Leser, die Aussage zwischen den Zeilen zu finden. Beeindruckend, wie sich seine Protagonisten entwickeln, wie er die zum Teil nur peripher miteinander verbundenen Schicksale zusammenschweißt.
Ein gerader Rauch" ist ein sehr kritisches Buch, ein Roman, der die amerikanische Idee des Heldentums und selbsternannten Weltretters (bzw. Gottersatz), wie sie schon in der vierten Strophe des Star-Spangled Banner besungen wird: Then conquer we must, when our cause it is just. And this be our motto: In God is our trust. And the star-spangled banner in triumph shall wave o'er the land of the free and the home of the brave!" auf konsequente Art und Weise ad absurdum führt. Denis Johnson führt den menschlichen Niedergang seiner Protagonisten erbarmungslos vor, er zeigt schonungslos, wie Krieg den Menschen verändert.
James crouched and duckwalked toward Black Man's position, firing down the hill at muzzle-flash. He knew he was killing people. Moving, that was the trick. Moving and killing he felt wonderful."
Seine Protagonisten finden erst im letzten epilogartigen Abschnitt (der nach einem Sprung von 12 Jahren einsetzt) Ruhe finden, eine Ruhe, die sich in der Einsamkeit und Entsagung bündelt.
Ein mutiger, ein grandios erzählter Roman, ein kompromissloses Abschaben der heldenhaften Fassade der Vereinigten Staaten von Amerika, der trotz seines Umfangs keine einzige Zeile zu viel hat. Spannend, mitreißend und emotionell wie ein Schlag in die Magengrube. Ein weises Buch, das den Leser, wenn er einmal mit Denis Johnson in Saigon gelandet ist, bis zur letzten Seite und darüber hinaus, nicht loslässt. Ein origineller Roman, sicherlich eines der besten (mir bekannten) Plädoyers gegen Krieg und Gewalt, zugleich auch Denis Johnsons bisher bester und wichtigster Roman.
Absolute, uneingeschränkte Leseempfehlung.
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14 von 15 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Von Thomas Reuter TOP 1000 REZENSENT
Format:Gebundene Ausgabe
Täusche ich mich, oder gibt es tatsächlich zum Vietnam-Krieg zwar viele Filme, aber keinen großen literarischen Versuch. Man kläre mich auf, wenn jemand etwas weiß.
Denis Johnson jedenfalls hat jetzt einen ganz großen und gewichtigen Roman zum Thema vorgelegt.
Es ist ganz sicher ein großartiger, ein gewaltiger Roman - ich fürchte nur, ich habe ihn nicht ganz verstanden. Das spricht nicht immer und nicht unbedingt gegen den Roman, es ist nur mitunter etwas frustrierend für den Leser, wenn er am Ende eines nahezu 1000-seitigen Werks das Gefühl hat, er müsste große Passagen oder gleich den ganzen Roman noch einmal lesen, will er wirklich etwas verstehen. Aber andererseits - ist das Leben nicht vorbei in dem Augenblick, da man alles verstanden hat? Hier also nun meine bescheidene Zusammenfassung, dessen, was ich kapiert habe: Die Handlung dieses multiperspektivischen Romans beginnt im Jahr 1963, und zwar mit der Ermordung Kennedys, und endet im Jahr 1983. Es werden also satte zwanzig Jahre überbrückt. Allerdings springt die Chronologie vom Jahr 1970 ins Jahr 1983, während alle anderen Jahre chronologisch erzählt werden. Die Jahreszahlen beschreiben zugleich die Kapitelüberschriften. Soweit der zeitliche Rahmen. Was die Handlung selber angeht, da wird's dann unendlich komplizierter. Über die Jahre werden mehr oder weniger simultan die Leben der verschiedensten Figuren erzählt, die sich alle im pazifischen Raum aufhalten. Da wären in erster Linie zu nennen Skip Sands aus Clements, Kansas, dessen Vater beim Angriff auf Pearl Harbour fiel. Skip führt aber weitere verschiedene Namen, da er, wie der Leser erst spät begreift, Agent, mitunter auch Doppelagent ist. (Mir wurde es nicht ganz klar.) Skip hat einen Onkel, Colonel Francis Sands, der von allen nur der Colonel genannt wird und dieser ist das dunkle Gravitationszentrum der gesamten Handlung. Er ist mit Spionage- und Agententätigkeiten im fernasiatischen Raum beschäftigt, hält alle Fäden in der Hand, aber niemand weiß, was er wirklich treibt und ist zugleich ein mythische oder auch mystische Figur des Krieges, vergleichbar nur dem Kommandanten in Heart of Darknes oder Apokalypse Now. Dann gibt's die Brüder Houston, Seaman William, Bill und James. Deren Leben und ihre Verstrickung in die Wirren des Vietnamkrieges werden genauso sukzessive geschildert, wie das von etlichen weiteren Personen, einer kanadischen Ordensschwester, die ein Verhältnis mit Skip eingeht, die Leben verschiedener vietnamesischer Figuren, die mit den Amerikanern kooperieren, einem Priester und und und.
Es gibt faszinierende und bewegende Stellen in diesem Roman. Es gibt grandiose Beschreibungen. Und alles ist auf einem so anspruchsvollen literaturtheoretischen Niveau angesiedelt, dass man sicher einiges zu diesem Roman herausfinden kann. Aber mit einem mal lesen ist es da nicht getan.

Thomas Reuter
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