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Ein gefährlicher Mann: Roman
 
 
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Ein gefährlicher Mann: Roman [Taschenbuch]

Charlie Huston , Tamara Rapp , Alexander Wagner
3.6 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (12 Kundenrezensionen)
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Produktbeschreibungen

Pressestimmen

"Der Ex-Sportler, Ex-Barkeeper, Notwehr-Totschläger und unfreiwillige Profi-Killer Henry wird Ihr Freund werden. Garantiert!" (Stern )

"Wer harte, schnelle, lakonisch geschriebene Krimis mag, kommt an Charlie Huston definitiv nicht vorbei." (Stern )

"Fantastisch, dass es noch einen dritten Teil geben wird!" (jetzt.de )

Kurzbeschreibung

Schnörkellos und düster erzählt Erfolgsautor Charlie Huston in wunderbar lakonischen Dialogen, wie sein Held Hank Thompson einen mörderischen Deal eingeht und dessen Konsequenzen teuer bezahlt.

Um seine Familie zu schützen und weil er die gestohlenen vier Millionen Dollar verloren hat, lässt sich Hank Thompson nach den Geschehnissen in »Der Gejagte« auf einen folgenschweren Deal ein: Er arbeitet in Las Vegas als Killer und Schläger für David Dolokhov, einen Gangsterboss aus New York. Eine Zeit lang gelingt es Hank, für David Menschen zu töten, doch bald verliert er jeglichen Lebensmut. David, der seinen Zustand bemerkt, gibt ihm einen neuen Auftrag: Er soll Miguel Arenas, einen aufstrebenden amerikanischen Baseballstar, der aufgrund seiner Spielsucht große Schulden bei David hat, durch Las Vegas begleiten. David will Miguel von sich abhängig machen, indem er Miguel weitere Schulden aufhäufen lässt. Miguel ist so beeindruckt von Hank, dass er ihn als seinen ständigen Bodyguard nach New York beordert. David ist damit einverstanden, verlangt jedoch noch einen letzten Dienst von Hank: Er soll Anna, die Frau seines verstorbenen Bruders, töten, die David mittlerweile schwer auf die Nerven geht. Und schon steckt Hank zwischen den Fronten, denn diese Anna ist gleichzeitig die Mutter von Mickey, jenem russischen Backpaper, der einst von Hank in Mexiko in den Tod gestoßen wurde. Und sie hat Rache geschworen und hetzt Hank ihre russischen Neffen auf den Hals. In New York schließt sich der Kreis und es kommt zum großen Showdown.

»Ein gefährlicher Mann« ist der Abschluss der Trilogie um Hank Thompson.

Klappentext

"Der Ex-Sportler, Ex-Barkeeper, Notwehr-Totschläger und unfreiwillige Profi-Killer Henry wird Ihr Freund werden. Garantiert!"
Stern

"Wer harte, schnelle, lakonisch geschriebene Krimis mag, kommt an Charlie Huston definitiv nicht vorbei."
Stern

"Fantastisch, dass es noch einen dritten Teil geben wird!"
jetzt.de

Über den Autor

Charles Huston ist Roman-, Comic- und Drehbuchautor. Der Prügelknabe war der Auftakt einer Trilogie um den liebenswerten Verlierertypen Hank Thompson. Für den zweiten Band der Trilogie – Der Gejagte – wurde Huston für den wichtigsten amerikanischen Krimipreis, den Edgar Award, nominiert. Mit Stadt aus Blut startete Huston seine auf fünf Bände angelegte Vampirserie um Privatdetektiv Joe Pitt. Killing Game war sein erster Stand-Alone-Roman, weitere folgten. Der Autor lebt mit seiner Frau, der Schauspielerin Virginia Louise Smith, in Los Angeles.

Leseprobe. Abdruck erfolgt mit freundlicher Genehmigung der Rechteinhaber. Alle Rechte vorbehalten.

MONTAG, 20. JUNI 2005
Der Kerl hockt im Laughing Jackalope, genau, wie man es mir gesagt hat.
Ich setze mich an die Bar, bestelle ein Selters und frage nach einer Rolle Vierteldollarmünzen. Das Wasser schiebe ich beiseite, dann fange ich an, den in den Tresen eingelassenen Poker-Automaten mit Quarters zu füttern. Mit leisem Pling erscheint eine Karte nach der anderen auf dem Monitor. Pro Spiel setze ich immer nur einen Vierteldollar und pfeife damit auf Regel Nummer eins beim Videopoker: Setz immer den Höchstbetrag. Bei einem Quarter als Einsatz kassiert man nur den Bruchteil des möglichen Maximalgewinns. Erwischst du natürlich irgendwann ein Superblatt, kommst du dir wie der letzte Versager vor.
Ich hatte mal einen Straight Flush mit einer Quote von 1200 zu 1, hatte aber nur einen Quarter gesetzt, und glaub mir, ich hab mich definitiv wie der letzte Versager gefühlt. Ist nicht das erste Mal gewesen und wird auch nicht das letzte Mal gewesen sein.
Der Automat serviert mir ein Paar Buben, dazu eine Neun, eine Zehn und einen König. Ich scheiß auf die sichere Nummer, die das Paar verspricht, leg einen Buben ab und versuche es mit einer Straße. Leider ohne Erfolg. Ich werfe eine weitere Münze in den Schlitz.
In der Bar hängen nur eine Hand voll Leute rum. Besagter Typ, dazu der Barkeeper, ein Pärchen, das an der Bar sitzt und den Automaten mit Fünfcentstücken füttert, ein alter Knacker, der vor sich hindämmert, sowie die Cocktailkellnerin, die die Tische deckt und alles fertig macht für die Meute, die bald hereinströmen wird, wenn auf der anderen Straßenseite Schichtwechsel ist.
Mein Gesicht stur auf den Pokerautomaten gerichtet, mustere ich den Kerl immer mal wieder kurz aus den Augenwinkeln, wobei ich so gut wie möglich mit den Händen die frisch vernarbte weiße Haut um mein rechtes Auge verdecke. Wäre besser, wenn sich niemand an diese Narbe erinnert – für den Fall, dass später die Bullen hier aufkreuzen. Worüber ich mir allerdings nur Sorgen zu machen brauche, falls es einen Toten gibt.
Inzwischen bin ich bei meiner dritten Rolle Quarters angelangt, und es hat sich nicht viel getan. Das Pärchen ist vom Spielautomaten zur Jukebox gewechselt, und jetzt ertönt außer dem Pling der Pokerspiele und den Automatenstimmen der Einarmigen Banditen auch noch »Crazy on You« aus den Lautsprechern. Der Kerl hat sich noch immer nicht bewegt.
Er hockt am anderen Ende der Bar und schiebt im gleichen Tempo, in dem ich meine Quarters loswerde, Hundertdollarnoten in seinen Pokerautomaten. Dabei kippt er im Fünfzehn-Minuten-Takt gekühlten Jägermeister und knallt dann das leere Glas auf die Bar – ein klares Signal an den Barkeeper, seinen Arsch zu bewegen und ihm nachzuschenken.
Früher, als ich noch selber in einer Bar gearbeitet habe und meine größte Sorge war, wie ich die Besoffenen vor Sonnenaufgang an die frische Luft kriege, hätte ich mir so einen Scheiß nicht bieten lassen. Wenn jemand ein Glas auf die Bar knallte oder mit dem Finger nach mir schnippte, saß derjenige entsprechend lange auf dem Trockenen, bevor ich mich wieder an ihn erinnerte. Aber dieser Barkeeper hier ist anders. Er hat die Tagschicht im Laughing Jackalope, verdammt noch mal. Und das Letzte, was ihn aus der Ruhe bringt, sind Gläser, die auf die Bar geknallt werden.
Also zieht er die vereiste, grüne Flasche Jägermeister aus dem Fach, schenkt dem Kerl sein Glas voll und stellt die Flasche zurück. Der Kerl schaut nicht mal auf, starrt bloß weiter auf den Monitor, wo sein Guthaben mal rauf-, mal runtergeht – hier ein Paar, da ein Dreier –, immer in der Hoffnung, ein Fullhouse oder eine Straße oder sogar einen Royal Flush zu erwischen.
Für einen kurzen Moment fällt gleißendes Sonnenlicht in den Raum, als die getönte Eingangstür aufgerissen wird und zwei betrunkene Paare hereinstolpern. Collegekids. Die Jungs in Shorts und ärmellosen T-Shirts, ihre Gesichter sonnenverbrannt bis auf die weißen Stellen, wo die Sonnenbrille gesessen hat, was ihnen ein merkwürdig waschbärartiges Aussehen verleiht. Die Mädels ebenfalls in Shorts, dazu trägerlose Tops und die Haut krebsrot. Weiße Bikinistreifen schlängeln sich aus ihren elastischen Tops hinauf um ihre Nacken. Jeder von ihnen hält zwei Plastikbecher mit irgendeiner gefrorenen hellblauen Flüssigkeit in den Händen.
Der Barkeeper wendet den Blick vom Fernseher über der Tür ab, wo er eine dieser Hinter-den-Kulissen-Shows verfolgt. In dieser Folge ging es um die wahren Hintergründe einer Reality-Show, in der Stars aus früheren Sendungen interviewt wurden. Als der Barkeeper die Becher in den Händen der Kids bemerkt, schüttelt er den Kopf.
Sorry Leute, ihr könnt hier keine Getränke mit reinbringen.
Einer der Typen, auf dessen Shirt DON’T DRUNK WITH ME, I’M FUCK steht, blickt auf die Drinks in seiner Hand und dann rüber zum Barkeeper, so als ob er versucht, eine Verbindung zwischen beidem herzustellen.
Was soll’n der Scheiß, Mann! Wir ham unsere Drinks den ganzen beschissenen Tag lang durch sämtliche Casinos mit uns rumgeschleppt.
Der andere Typ, auf dessen Shirt ICH BIN MIT DIESEM ARSCHLOCH HIER DA prangt und darüber ein Pfeil, der auf sein eigenes Gesicht weist, johlt.
Wir ham den ganzen Scheißtag gesoffen! Den ganzen Tag! Und jetzt saufen wir die ganze Scheißnacht weiter! Die ganze Nacht!
Der Barkeeper nickt.
Schon klar, aber die Becher bleiben trotzdem draußen.
Alle schauen jetzt zu: der Kerl, der alte Knacker, das Pärchen, die Cocktailkellnerin. Arschloch macht ein paar schnelle, schwankende Schritte Richtung Bar.
Scheiß drauf, Mann! Wir woll’n saufen!
Drunk-Fuck packt ihn hinten am Shirt und zieht ihn zurück.
Ey, Kumpel, lass stecken.
Er legt einen Arm um die Schulter seines Freundes, verschüttet dabei etwas von der blauen flüssigen Matsche auf Arschlochs Arm und flüstert ihm irgendwas ins Ohr. Arschloch hört eine Sekunde zu und brüllt dann los.
Ja, ja, das isses!
Er richtet sich auf und verneigt sich vor dem Barkeeper.
Ganz wie Sie wünschen, Mister. Ganz wie Sie wünschen.
Er zeigt zur Tür, Drunk-Fuck wankt voraus. Arschloch drückt die Tür auf, und vor dem scharfen Licht der untergehenden Sonne werden sie zu dunklen Silhouetten. Arschloch deutet nach draußen.
Nach Ihnen.
Drunk-Fuck verbeugt sich.
Allerwertesten Dank, der Herr.
Er tritt einen Schritt hinaus und kippt den Inhalt seiner beiden Drinks auf die Straße, bevor er die Becher hinterherschmeißt. Dann tritt er einen Schritt zurück und hält die Tür für Arschloch auf, der die Vorstellung wiederholt. Die Mädels kichern und prusten. Beide müssen sich aneinander festklammern, damit sie nicht hinfallen. Mit Mühe schaffen sie es, ihre Titten in den Tops zu halten. Arschloch kommt in die Bar zurück und droht den Mädels mit dem Finger.
Hey Ladies! Keine Drinks von draußen bitte, verstanden?
Dabei deutet er auf die Eingangstür. Eins der Mädels richtet sich auf, versucht einen Knicks, rutscht dabei fast aus und torkelt hinaus auf den Bürgersteig. Draußen gießt sie sich den Inhalt ihres Bechers in den Hals, wobei die Hälfte der eisigen Soße daneben geht, ihr das Kinn runterläuft und in ihrem Ausschnitt landet. Das findet sie so lustig, dass sie laut losprustet und dabei das blaue Zeug aus ihrem Mund quer über den Bürgersteig verspritzt. Dann langt sie sich mit einer Hand in den Ausschnitt, um sich die Reste des Blue Daiquiri rauszufischen. Arschloch wackelt mit den Fingern.
Darf ich?
Er versucht seine Finger zwischen ihre Brüste zu quetschen, worauf sie ihm, noch immer hustend und prustend, auf die Hand schlägt. Jetzt beteiligt sich auch Drunk-Fuck an dem Spiel, schubst sie herum und zerrt an ihrem Top. Das andere Mädchen kommt dazu.
Hey, ihr Arschlöcher! Schaut euch das mal an!
Sie legt den Kopf in den Nacken, hält sich die beiden Becher übers Gesicht, sperrt den Mund weit auf und fängt an,...

Auszug aus Ein gefährlicher Mann. Roman von Charlie Huston, Alexander Wagner, Don Marco. Copyright © 2006. Abdruck erfolgt mit freundlicher Genehmigung der Rechteinhaber. Alle Rechte vorbehalten.

MONTAG, 20. JUNI 2005
Der Kerl hockt im Laughing Jackalope, genau, wie man es mir gesagt hat.
Ich setze mich an die Bar, bestelle ein Selters und frage nach einer Rolle Vierteldollarmünzen. Das Wasser schiebe ich beiseite, dann fange ich an, den in den Tresen eingelassenen Poker-Automaten mit Quarters zu füttern. Mit leisem Pling erscheint eine Karte nach der anderen auf dem Monitor. Pro Spiel setze ich immer nur einen Vierteldollar und pfeife damit auf Regel Nummer eins beim Videopoker: Setz immer den Höchstbetrag. Bei einem Quarter als Einsatz kassiert man nur den Bruchteil des möglichen Maximalgewinns. Erwischst du natürlich irgendwann ein Superblatt, kommst du dir wie der letzte Versager vor.
Ich hatte mal einen Straight Flush mit einer Quote von 1200 zu 1, hatte aber nur einen Quarter gesetzt, und glaub mir, ich hab mich definitiv wie der letzte Versager gefühlt. Ist nicht das erste Mal gewesen und wird auch nicht das letzte Mal gewesen sein.
Der Automat serviert mir ein Paar Buben, dazu eine Neun, eine Zehn und einen König. Ich scheiß auf die sichere Nummer, die das Paar verspricht, leg einen Buben ab und versuche es mit einer Straße. Leider ohne Erfolg. Ich werfe eine weitere Münze in den Schlitz.
In der Bar hängen nur eine Hand voll Leute rum. Besagter Typ, dazu der Barkeeper, ein Pärchen, das an der Bar sitzt und den Automaten mit Fünfcentstücken füttert, ein alter Knacker, der vor sich hindämmert, sowie die Cocktailkellnerin, die die Tische deckt und alles fertig macht für die Meute, die bald hereinströmen wird, wenn auf der anderen Straßenseite Schichtwechsel ist.
Mein Gesicht stur auf den Pokerautomaten gerichtet, mustere ich den Kerl immer mal wieder kurz aus den Augenwinkeln, wobei ich so gut wie möglich mit den Händen die frisch vernarbte weiße Haut um mein rechtes Auge verdecke. Wäre besser, wenn sich niemand an diese Narbe erinnert - für den Fall, dass später die Bullen hier aufkreuzen. Worüber ich mir allerdings nur Sorgen zu machen brauche, falls es einen Toten gibt.
Inzwischen bin ich bei meiner dritten Rolle Quarters angelangt, und es hat sich nicht viel getan. Das Pärchen ist vom Spielautomaten zur Jukebox gewechselt, und jetzt ertönt außer dem Pling der Pokerspiele und den Automatenstimmen der Einarmigen Banditen auch noch »Crazy on You« aus den Lautsprechern. Der Kerl hat sich noch immer nicht bewegt.
Er hockt am anderen Ende der Bar und schiebt im gleichen Tempo, in dem ich meine Quarters loswerde, Hundertdollarnoten in seinen Pokerautomaten. Dabei kippt er im Fünfzehn-Minuten-Takt gekühlten Jägermeister und knallt dann das leere Glas auf die Bar - ein klares Signal an den Barkeeper, seinen Arsch zu bewegen und ihm nachzuschenken.
Früher, als ich noch selber in einer Bar gearbeitet habe und meine größte Sorge war, wie ich die Besoffenen vor Sonnenaufgang an die frische Luft kriege, hätte ich mir so einen Scheiß nicht bieten lassen. Wenn jemand ein Glas auf die Bar knallte oder mit dem Finger nach mir schnippte, saß derjenige entsprechend lange auf dem Trockenen, bevor ich mich wieder an ihn erinnerte. Aber dieser Barkeeper hier ist anders. Er hat die Tagschicht im Laughing Jackalope, verdammt noch mal. Und das Letzte, was ihn aus der Ruhe bringt, sind Gläser, die auf die Bar geknallt werden.
Also zieht er die vereiste, grüne Flasche Jägermeister aus dem Fach, schenkt dem Kerl sein Glas voll und stellt die Flasche zurück. Der Kerl schaut nicht mal auf, starrt bloß weiter auf den Monitor, wo sein Guthaben mal rauf-, mal runtergeht - hier ein Paar, da ein Dreier -, immer in der Hoffnung, ein Fullhouse oder eine Straße oder sogar einen Royal Flush zu erwischen.
Für einen kurzen Moment fällt gleißendes Sonnenlicht in den Raum, als die getönte Eingangstür aufgerissen wird und zwei betrunkene Paare hereinstolpern. Collegekids. Die Jungs in Shorts und ärmellosen T-Shirts, ihre Gesichter sonnenverbrannt bis auf die weißen Stellen, wo die Sonnenbrille gesessen hat, was ihnen ein merkwürdig waschbärartiges Aussehen verleiht. Die Mädels ebenfalls in Shorts, dazu trägerlose Tops und die Haut krebsrot. Weiße Bikinistreifen schlängeln sich aus ihren elastischen Tops hinauf um ihre Nacken. Jeder von ihnen hält zwei Plastikbecher mit irgendeiner gefrorenen hellblauen Flüssigkeit in den Händen.
Der Barkeeper wendet den Blick vom Fernseher über der Tür ab, wo er eine dieser Hinter-den-Kulissen-Shows verfolgt. In dieser Folge ging es um die wahren Hintergründe einer Reality-Show, in der Stars aus früheren Sendungen interviewt wurden. Als der Barkeeper die Becher in den Händen der Kids bemerkt, schüttelt er den Kopf.
Sorry Leute, ihr könnt hier keine Getränke mit reinbringen.
Einer der Typen, auf dessen Shirt DON'T DRUNK WITH ME, I'M FUCK steht, blickt auf die Drinks in seiner Hand und dann rüber zum Barkeeper, so als ob er versucht, eine Verbindung zwischen beidem herzustellen.
Was soll'n der Scheiß, Mann! Wir ham unsere Drinks den ganzen beschissenen Tag lang durch sämtliche Casinos mit uns rumgeschleppt.
Der andere Typ, auf dessen Shirt ICH BIN MIT DIESEM ARSCHLOCH HIER DA prangt und darüber ein Pfeil, der auf sein eigenes Gesicht weist, johlt.
Wir ham den ganzen Scheißtag gesoffen! Den ganzen Tag! Und jetzt saufen wir die ganze Scheißnacht weiter! Die ganze Nacht!
Der Barkeeper nickt.
Schon klar, aber die Becher bleiben trotzdem draußen.
Alle schauen jetzt zu: der Kerl, der alte Knacker, das Pärchen, die Cocktailkellnerin. Arschloch macht ein paar schnelle, schwankende Schritte Richtung Bar.
Scheiß drauf, Mann! Wir woll'n saufen!
Drunk-Fuck packt ihn hinten am Shirt und zieht ihn zurück.
Ey, Kumpel, lass stecken.
Er legt einen Arm um die Schulter seines Freundes, verschüttet dabei etwas von der blauen flüssigen Matsche auf Arschlochs Arm und flüstert ihm irgendwas ins Ohr. Arschloch hört eine Sekunde zu und brüllt dann los.
Ja, ja, das isses!
Er richtet sich auf und verneigt sich vor dem Barkeeper.
Ganz wie Sie wünschen, Mister. Ganz wie Sie wünschen.
Er zeigt zur Tür, Drunk-Fuck wankt voraus. Arschloch drückt die Tür auf, und vor dem scharfen Licht der untergehenden Sonne werden sie zu dunklen Silhouetten. Arschloch deutet nach draußen.
Nach Ihnen.
Drunk-Fuck verbeugt sich.
Allerwertesten Dank, der Herr.
Er tritt einen Schritt hinaus und kippt den Inhalt seiner beiden Drinks auf die Straße, bevor er die Becher hinterherschmeißt. Dann tritt er einen Schritt zurück und hält die Tür für Arschloch auf, der die Vorstellung wiederholt. Die Mädels kichern und prusten. Beide müssen sich aneinander festklammern, damit sie nicht hinfallen. Mit Mühe schaffen sie es, ihre Titten in den Tops zu halten. Arschloch kommt in die Bar zurück und droht den Mädels mit dem Finger.
Hey Ladies! Keine Drinks von draußen bitte, verstanden?
Dabei deutet er auf die Eingangstür. Eins der Mädels richtet sich auf, versucht einen Knicks, rutscht dabei fast aus und torkelt hinaus auf den Bürgersteig. Draußen gießt sie sich den Inhalt ihres Bechers in den Hals, wobei die Hälfte der eisigen Soße daneben geht, ihr das Kinn runterläuft und in ihrem Ausschnitt landet. Das findet sie so lustig, dass sie laut losprustet und dabei das blaue Zeug aus ihrem Mund quer über den Bürgersteig verspritzt. Dann langt sie sich mit einer Hand in den Ausschnitt, um sich die Reste des Blue Daiquiri rauszufischen. Arschloch wackelt mit den Fingern.
Darf ich?
Er versucht seine Finger zwischen ihre Brüste zu quetschen, worauf sie ihm, noch immer hustend und prustend, auf die Hand schlägt. Jetzt beteiligt sich auch Drunk-Fuck an dem Spiel, schubst sie herum und zerrt an ihrem Top. Das andere Mädchen kommt dazu.
Hey, ihr Arschlöcher! Schaut euch das mal an!
Sie legt den Kopf in den Nacken, hält sich die beiden Becher übers Gesicht, sperrt den Mund weit auf und fängt an, sich den Inhalt von oben reinzukippen. Gefrorener Heidelbeer-Daiquiri rinnt ihr in den Mund und übers Gesicht. Die Jungs schauen fasziniert zu. Der eine hat seinen Arm um die Hüfte des prustenden Mädels geschlungen, während der andere seine Hand tief in ihrem Top vergraben hat. Das Zwei-Becher-Girl lässt sich die Hälfte ihrer Daiquiri übers Gesicht laufen und schüttet sich den Rest einfach über die Brust. Arschloch und Drunk-Fuck lassen von dem Pruste-Mädchen ab und stürzen sich auf Zwei-Becher-Girl. Arschloch kniet sich vor sie auf den Asphalt und lutscht blaues Eis aus ihrem gepiercten Bauchnabel, während Drunk-Fuck einen Strohhalm von der Straße aufsammelt, ihn ihr zwischen die Brüste steckt und daran saugt. Zwei-Becher-Girl quiekt und kreischt in den höchsten Tönen.
Inzwischen ist die Tür zugefallen, und wir folgen dem Treiben wie einem Schattenspiel hinter der getönten Glastür des Jackalopes. Dennoch kriegen wir ziemlich genau mit, wie Pruste-Mädchen plötzlich hustet, dann würgt und schließlich heftig blaues Zeug auf den Bürgersteig und die Sandalen ihrer Freunde kotzt. Der Barkeeper hat seinen Platz hinter dem Tresen verlassen, geht zur Tür und verriegelt sie. Dann läuft er hinter zur Küche und steckt seinen Kopf durch die Tür.
Jesus!
Ein junger Mexikaner mit einer fettigen Schürze kommt heraus. Der Barkeeper deutet Richtung Straße.
Wisch den Scheiß weg!
Jesus schaut sich die Bescherung durchs Fenster an und nickt.
Sí.
Der Barkeeper kehrt zu seinem Platz hinter der Bar zurück, greift sich die TV-Fernbedienung und dreht die Lautstärke auf; das Pärchen drückt einen neuen Song, und »Saturday in the Park« tönt aus den Boxen; der alte Knacker schüttelt bloß den Kopf und murmelt was von gottverdammten Collegekids; die Cocktailkellnerin reinigt jetzt die Kerzenständer, mit denen sie bald die Tische dekorieren wird; der Kerl genehmigt sich einen weiteren Jägermeister und knallt danach das leere Glas auf die Bar. Ich werfe noch einen letzten Blick aus dem Fenster und werde Zeuge, wie sich auch Zwei-Becher-Girl auf den Bürgersteig übergibt. Die Jungs sehen zu, lachen und klatschen sich ab.
In dem Moment erhebt sich der Kerl und geht zur Toilette.
Jesus steht mit einem Wischeimer an der Tür und wartet darauf, dass die Collegekids endlich abhauen, damit er seinen beschissenen Job machen kann. Ich folge dem Kerl auf die Toilette, um meinen hinter mich zu bringen.
Lautstark pinkelt er in eins der Pissoirs. Ich schiebe mich an ihm vorbei in eine der Kabinen, schließe die Tür und ziehe eine Hand voll winziger, mit Kokain gefüllter Plastiktütchen aus der Hosentasche. Kaum dass ich den Kerl spülen höre, reiße ich eines der Tütchen auf und lasse es zusammen mit einigen anderen auf den Boden fallen, so dass sie unter der Klotür hervorlugen.
Scheiße, verdammte!
Als ich auf die Knie gehe, um die Tütchen einzusammeln, remple ich mit der Schulter lautstark gegen die Kabinentür. Ich lege mich auf den Boden und spähe kurz hinaus. Der Kerl steht am Waschbecken und nimmt keine Notiz von mir. Ich sammle die Tütchen auf, wobei ich mit meinem Mittelfinger das geöffnete wegschnipse. Es rutscht über die glatten Bodenfliesen und hinterlässt dabei eine Spur aus weißem Pulver, bevor es neben seinen Füßen liegen bleibt.
Mist, verdammter!
Ich stehe auf, reiße ein paar Mal wild an der verschlossenen Toilettentür, bis sie aufspringt, und stolpere hinaus. Der Kerl richtet sich gerade auf, das geöffnete, jetzt fast leere Tütchen prüfend zwischen Daumen und Zeigefinger geklemmt. Ich schlurfe auf ihn zu, die restlichen Tütchen in der Hand.
Ähem, das gehört mir.
Er steht bloß da, ein paar Zentimeter kleiner als ich, mit schütterem Haar und unglaublich geschmacklosen Klamotten. Am kleinen Finger trägt er einen Ring. Sein massiger Oberkörper geht ohne Taille in den unteren Bereich über, aber er hat noch ganz kräftige Schultern. Im Grunde dieselbe Statur wie meine. Jedenfalls bin ich auf dem besten Wege dahin. Er schaut von dem Tütchen zu mir hoch.
Ihnen?
Ja, nur, damit Sie's wissen.
Ich strecke meine Hand aus.
Er zeigt auf das Tütchen.
Das hier?
Ist Ihres?
Genau.
Er zeigt auf mich.
Ich zucke mit den Achseln.
Er schüttelt den Kopf.
Tja.
Er greift in seine hintere Hosentasche.
Sieht fast so aus, als wäre das Ihr Glückstag.
Er zieht eine Brieftasche heraus, lässt sie aufklappen, und zum Vorschein kommt die Polizeimarke des LVMPD.
Aber dummerweise ist er es nicht.
Wohnen Sie hier?
Ich blinzele hinauf zum Schild des Happi Inn Motels, während wir den Parkplatz überqueren, den es sich mit dem Jackalope teilt.
Ja.
In so einer miesen Absteige?
Darauf erwidere ich nichts. Es versteht sich ja wohl von selbst, dass jeder Laden, der sich Happi Inn Motel nennt, ein Drecksloch ist. Außerdem habe ich zu tun. Ich frage mich, ob es das jetzt endgültig war. Haben sie genug davon, dass ich ständig alles vergeige? Lassen sie mich hier selber in eine Falle tappen?
Ist das der Kerl, der mich umlegen wird?
Ich hole meinen Zimmerschlüssel aus der Hose, und der Kerl legt mir seine Hand auf die Schulter.
Immer schön langsam. Ist da noch jemand drin? Dein Partner vielleicht?
Ich blicke zu Boden und schüttele den Kopf.
Nein, ich bin alleine.
Soso. Also, du nimmst jetzt deinen Schlüssel und sperrst die Tür auf. Aber noch nicht öffnen, klar?
Ich drehe den Schlüssel im Schloss, es springt auf, und ich trete zurück. Er legt eine Hand auf die Klinke und die andere unter sein silbergraues Jackett, an den Griff seiner Knarre. Noch einmal schaut er mich prüfend an.
Deine letzte Chance. Wenn da noch einer drin ist, solltest du es mir jetzt sagen. Denn wenn ich jemanden sehe, leg ich ihn um.
Ich schüttele erneut den Kopf.
Er nickt.
Okay.
Er stößt die Tür weit auf, um sicher zu sein, dass sich niemand dahinter versteckt, dann winkt er mich rein. Ich gehe voraus, er folgt mir, schließt die Tür und verriegelt sie. Er will auch noch die Kette einhängen, aber die ist kaputt. Mit der Waffe in der Hand inspiziert er das Zimmer, schaut unters Bett, überprüft den Wandschrank und steckt den Kopf ins Badezimmer. Dann klatscht er in die Hände und deutet auf mich.
Okay, dann wollen wir mal. Raus mit dem Zeug, auf den Tisch da.
Ich stecke die Hände in die Hosentaschen, krame die 20-Gramm-Tütchen mit Kokain hervor und werfe sie auf den Tisch. Er presst die Lippen zusammen und schüttelt bloß den Kopf.
Nicht gut, Mann, das sieht gar nicht gut aus. Dafür wanderst du direkt in den Knast.
Er fingert an den Tütchen herum.
Das ist genug Stoff, um dich für eine Weile aus dem Verkehr zu ziehen. Aber wo das schon mal alles so hübsch eingepackt ist? Scheiße, das sieht ja fast so aus, als hättest du's direkt für mich mitgebracht. Was meinst du?
Den Blick gesenkt, zucke ich mit den Achseln.
Aha. Hast du noch mehr davon? Sag's mir besser gleich. Ich stell sonst das ganze Zimmer auf den Kopf.
Ich nicke.
Ja.
Du hast also noch mehr? -Ja.
Wie viel?
Ein halbes ...
Eine halbe Unze?
Kilo.
Er stößt einen Schwall jägermeistergeschwängerte Luft durch die Nase, nimmt eine Kool-Zigarette aus seiner Brusttasche und zündet sie sich an.
Das ist doch mal was, eine ordentliche Menge. Ist das Zeug hier versteckt?
Ja.
In diesem Zimmer?
Ja.
Soso. Er bläst eine Rauchwolke in den Raum.
Wo ist es? Ich drehe meinen Kopf in Richtung Badezimmer.
In der Spülung. Er grinst.
Ich sag dir was. Wenn du wirklich ein halbes Kilo im Scheißhaus versteckt hast, wird das am Ende doch noch dein Glückstag.
Er schiebt mir einen Finger unters Kinn und drückt meinen Kopf nach oben, um mir prüfend in die Augen zu schauen.
Kapiert, Cowboy?
Na super. Das wird ja immer besser. Ein korrupter Bulle. Als wenn ich nicht schon genug Ärger mit korrupten Bullen hinter mir hätte.
Ja, hab ich. Er nimmt seinen Finger weg.
Aber wenn du mich verarschst ... Dabei gibt er mir einen leichten Klaps auf die Wange.
... mach ich dich alle, verstanden?
Verstanden.
Er gibt mir ein Zeichen, dass ich vor ihm her ins Bad gehen soll.
Was machst du denn für ein Gesicht? Freu dich doch.
Ich latsche an ihm vorbei zur offenen Badtür. Er folgt mir auf den Fersen und bläst mir von hinten Rauch über die Schulter.
So, und jetzt geh da rein und nimm den Deckel ab, aber komm ja nicht auf die Idee, reinzugreifen. Nimm einfach bloß den Deckel ab und geh zur Seite.
Ich nicke, nehme den Deckel vom Spülkasten und trete einen Schritt zur Seite. Er zeigt auf den Deckel.
Stell ihn da auf den Boden.
Ich tue, was er sagt.
Na also, geht doch. Du willst doch nicht, dass hier einer von dem Scheißding erschlagen wird. Und jetzt weg da.
Ich trete einen Schritt zurück Richtung Dusche. Er hebt warnend den Finger, zwinkert mir zu und späht in den Spülkasten. Darauf starrt er mich an, schaut ein zweites Mal rein und krümmt einen Finger.
Komm mal her, Freundchen. Ich muss dir was zeigen.
Ich weiß schon, was ich zu sehen bekomme, blicke aber trotzdem in den leeren Spülkasten. Außer der üblichen Hardware gibt's nichts zu entdecken. Noch bevor ich den Mund öffnen kann, packt er mich am Kragen und schleudert mich mit dem Gesicht voran in den Spiegel. Vielleicht ist heute ja wirklich mein Glückstag - er zerbricht nicht.
Was soll der Scheiß, Kleiner? Willst du mich verarschen, oder was? Du willst dich doch nicht mit dem Gesetz anlegen, hä?
Er presst mein Gesicht noch fester gegen den Spiegel. Lange wird mein Glück nicht mehr vorhalten.
Oder ist das eine Falle?
Er steckt sich die Zigarette in den Mund und drückt mich mit der freien Hand nach unten.
Bist du verkabelt? Gehörst du zur Inneren oder so was in der Art?
Und schon knallt mein Kopf wieder gegen den fleckigen Spiegel. Er nimmt die Zigarette aus dem Mund und hält sie mir ans rechte Auge. Wegen der Narbe fühle ich keinen Schmerz, aber als ich mein Auge schließe, spüre ich kurz die Hitze. Die Zigarette ist ganz nah an meinem geschlossenen rechten Lid, aber mit dem linken offenen Auge kann ich im Spiegel hinter ihm was Dunkles, Verschwommenes erkennen. Die Glut berührt meine Augenbraue, und ich rieche verbranntes Haar.
Wo ist jetzt das beschissene halbe Kilo, du Arschgesicht? Entweder du erzählst mir jetzt die Wahrheit, oder ich brenn dir ein schönes kleines Loch durch dein verficktes Auge.
Es folgt ein dumpfes Geräusch, als der Spülkastendeckel aus schwerer Keramik auf seinen Kopf trifft und ihn auf die Knie zwingt. Ich trete vom Spiegel zurück.
Achtung, er hat eine Knarre.
Aber Branko hat dem Bullen bereits die Pistole aus dem Holster geangelt und in die hintere Hosentasche seiner dunkelblauen Dickies gesteckt. Der Bulle kniet noch immer mit glasigen Augen am Boden, die Hand am Hinterkopf, Blut sickert durch seine Finger. Branko zeigt auf mich.
Wasser.
Ich greife nach einem der Plastikbecher am Spülbecken, fülle ihn ohne die Plastikverpackung abzureißen mit Wasser und reiche ihn Branko.
Er ist ein Cop.
Branko nimmt den Becher.
Allerdings. Ein Cop.
Im nächsten Moment schüttet er dem Bullen Wasser ins Gesicht, lässt den Becher fallen und gibt dem Typ ein paar Ohrfeigen.
Aufwachen. Ist da jemand? So hart hab ich auch wieder nicht zugeschlagen. Hallo? Aufwachen.
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