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10 von 10 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Wie frei ist ihr Leben wirklich?, 6. August 2009
Rezension bezieht sich auf: Ein freies Leben: Roman (Gebundene Ausgabe)
1985 geht der chinesische Student Nan Wu in die USA, um seine Doktorarbeit in Politikwissenschaft zu schreiben; eineinhalb Jahre später folgt ihm seine Frau Pingping. Nach den Ereignissen am "Platz des himmlischen Friedens" in Peking 1989 hat Nan Wu die Idee, in den USA studierende Kinder chinesischer Kader zu entführen, um damit die chinesische Regierung zu erpressen. Da immer mehr Leute von dieser Idee erfahren, bleibt Nan Wu und seiner Frau nichts anderes übrig, als sich auf Dauer in den USA niederzulassen. So holen sie ihren 6jährigen Sohn Taotao, der jahrelang bei seinen Großeltern gelebt hat, ebenfalls in die USA. Das Leben ist für die Wus hart: Nan Wus Pass wird auf dem chinesischen Konsulat nicht mehr verlängert (damit ist er praktisch staatenlos); er muss, statt an seiner Doktorarbeit zu schreiben, seine Familie mit Hilfsarbeiten durchbringen. Dazu kommen noch die Anpassungsschwierigkeiten an eine ganz andere Welt. Doch langsam geht es aufwärts, vor allem ab dann, als die Wus endgültig in den Süden der USA ziehen und in der Nähe von Atlanta ein Restaurant eröffnen (Nan Wu kann inzwischen exzellent kochen). Allerdings bleibt bei der vielen Arbeit Nans Liebe zur Poesie, vor allem zur Lyrik, fast auf der Strecke. Wird er es schaffen, wieder Gedichte zu schreiben? Ha Jins Roman ist ein exemplarisches Beispiel für die Schwierigkeiten, mit denen Migranten zu kämpfen haben; ganz offensichtlich hat der Autor hier auch eigene Erfahrungen verarbeitet. Die Wus haben mit dem Dogma "Geld, Geld, Geld - das war der Gott dieses Landes" ihre größten Schwierigkeiten (2009 gilt dieses Dogma dafür für China!) Daneben ist die Familie hin- und hergerissen zwischen der Solidarität zu China (immerhin ihre 1. Heimat) und der Solidarität zu den USA, die ihnen zwar ein hartes, aber dafür freies Leben ermöglichen. Dass sie China in manchen Bereichen idealisieren, ist nicht weiter verwunderlich - zB leben alle ihre Verwandten noch dort. Allerdings ist ihnen ein Satz Trost: "Nur als Bürger eines anderen Landes wirst du von den Chinesen anständig behandelt." "Ein freies Leben" ist ein faszinierendes und leicht lesbares Buch (trotz vieler Personen und Details).
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3 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
ein leises buch, 5. Juli 2010
Rezension bezieht sich auf: Ein freies Leben: Roman (Gebundene Ausgabe)
In diesem Buch geht es um die Probleme, die ein chinesischer Einwanderer und seine kleine Familie in den USA haben. Es geht um Sprachprobleme, um die kulturellen Unterschiede (und Fallgruben!), um die Unmöglichkeit, in einer fremden Sprache zu dichten, um den Verlust der Heimat schließlich vor allem. Es ist ein leises, ein einfaches, ein schönes Buch. Im Leben der Hauptfigur passiert eigentlich nicht sehr viel, im Mittelpunkt steht die Existenzsicherung und die Schwierigkeiten, welche der Protagonist in seiner Ehe (er liebt seine Frau nicht), in der Erziehung (Entfremdung zwischen Vater und Sohn) oder mit sich selbst hat (er möchte eigentlich Dichter sein). Und dennoch, obwohl die Handlung nicht rasant verläuft, war ich als Leser gefesselt: Da waren die vielen interessanten Einblicke, die die Zusammenhänge zwischen Kultur, Sprache, Ausdrucksfähigkeit und Identität thematisieren. Da wird viel über die chinesische Mentalität gesagt, aber auch über die der Amerikaner. Schließlich geht es aber im Kern um einen Menschen, der sich selbst nicht liebt und der den Weg in ein zufriedenes Leben sucht; in diesem Sinne ist dies ein Entwicklungsroman. Außerdem ist noch anzumerken, dass dies ein witziges und geistreiches Buch ist. Witzig und geistreich sind die Bemerkungen des Erzählers zur amerikanischen Kultur, aber vor allem sein selbstkritischer Blick auf die eigene, die chinesische Lebenswelt. Witzig sind viele Bemerkungen zu den sprachlichen Unterschieden und der Versuch, in der neuen Sprache anzukommen. Da wird dann in der Aufregung schon mal aus "schnöder Mammon" "öder Marmor" oder es werden fortwährend Sprichwörter, die eigentlich nicht übersetzbar sind, von einer Sprache in die andere transferiert. Und geistreich ist auch die Erzählweise, die ich schon bei anderen chinesischen Autoren kennen- und schätzengelernt habe (z.B. Yu Hua): Das ist ein schnörkelloses, oft lakonisches Erzähler. Nicht so extrem kompliziert und gewollt modern, wie man es bei den deutschen Autoren der Gegenwart so oft erleben (und ertragen) muss. Und dennoch haben diese Texte Tiefe, dennoch erkennt man viel Sprachwitz (durch die Übersetzung sicher viele Abstriche) und sprachliche Kraft in ihnen. Oft beinahe derb, im Kern aber direkt, klar und deutlich. Das schätze ich. Fazit: Wer sich also für China, für die USA, für Sprache oder ganz allgemein für die Probleme von Einwanderern interessiert, dem ist dieses Buch dringend zu empfehlen!
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