In diesem Buch geht es um die Probleme, die ein chinesischer Einwanderer und seine kleine Familie in den USA haben. Es geht um Sprachprobleme, um die kulturellen Unterschiede (und Fallgruben!), um die Unmöglichkeit, in einer fremden Sprache zu dichten, um den Verlust der Heimat schließlich vor allem. Es ist ein leises, ein einfaches, ein schönes Buch. Im Leben der Hauptfigur passiert eigentlich nicht sehr viel, im Mittelpunkt steht die Existenzsicherung und die Schwierigkeiten, welche der Protagonist in seiner Ehe (er liebt seine Frau nicht), in der Erziehung (Entfremdung zwischen Vater und Sohn) oder mit sich selbst hat (er möchte eigentlich Dichter sein). Und dennoch, obwohl die Handlung nicht rasant verläuft, war ich als Leser gefesselt: Da waren die vielen interessanten Einblicke, die die Zusammenhänge zwischen Kultur, Sprache, Ausdrucksfähigkeit und Identität thematisieren. Da wird viel über die chinesische Mentalität gesagt, aber auch über die der Amerikaner. Schließlich geht es aber im Kern um einen Menschen, der sich selbst nicht liebt und der den Weg in ein zufriedenes Leben sucht; in diesem Sinne ist dies ein Entwicklungsroman.
Außerdem ist noch anzumerken, dass dies ein witziges und geistreiches Buch ist. Witzig und geistreich sind die Bemerkungen des Erzählers zur amerikanischen Kultur, aber vor allem sein selbstkritischer Blick auf die eigene, die chinesische Lebenswelt. Witzig sind viele Bemerkungen zu den sprachlichen Unterschieden und der Versuch, in der neuen Sprache anzukommen. Da wird dann in der Aufregung schon mal aus "schnöder Mammon" "öder Marmor" oder es werden fortwährend Sprichwörter, die eigentlich nicht übersetzbar sind, von einer Sprache in die andere transferiert. Und geistreich ist auch die Erzählweise, die ich schon bei anderen chinesischen Autoren kennen- und schätzengelernt habe (z.B. Yu Hua): Das ist ein schnörkelloses, oft lakonisches Erzähler. Nicht so extrem kompliziert und gewollt modern, wie man es bei den deutschen Autoren der Gegenwart so oft erleben (und ertragen) muss. Und dennoch haben diese Texte Tiefe, dennoch erkennt man viel Sprachwitz (durch die Übersetzung sicher viele Abstriche) und sprachliche Kraft in ihnen. Oft beinahe derb, im Kern aber direkt, klar und deutlich. Das schätze ich.
Fazit: Wer sich also für China, für die USA, für Sprache oder ganz allgemein für die Probleme von Einwanderern interessiert, dem ist dieses Buch dringend zu empfehlen!