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Ein fliehendes Pferd: Novelle (suhrkamp taschenbuch)
 
 
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Ein fliehendes Pferd: Novelle (suhrkamp taschenbuch) [Broschiert]

Martin Walser
4.1 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (45 Kundenrezensionen)
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Produktinformation

  • Broschiert: 160 Seiten
  • Verlag: Suhrkamp Verlag; Auflage: 36 (4. Mai 1980)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3518371002
  • ISBN-13: 978-3518371008
  • Größe und/oder Gewicht: 17,6 x 10,6 x 0,6 cm
  • Durchschnittliche Kundenbewertung: 4.1 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (45 Kundenrezensionen)
  • Amazon Bestseller-Rang: Nr. 12.181 in Bücher (Siehe Top 100 in Bücher)

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Martin Walser
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Produktbeschreibungen

Aus der Amazon.de-Redaktion

Helmut Halm, Lehrer an einem renommierten Stuttgarter Gymnasium, und seine Frau Sabine verbringen, wie seit Jahren schon, ihre Ferien am Bodensee. Ein Paar in mittleren Jahren, ein vielleicht wohltuend ereignisloses Leben. Man liest, wandert, schottet sich ab. Diese Ferienidylle wird jäh unterbrochen, als Klaus Buch, ein ehemaliger Mitschüler Halms und dessen junge Frau Helene, Hel genannt, auftauchen.

So wenig spektakulär beginnt Martin Walsers wohl immer noch erfolgreichstes Buch Ein fliehendes Pferd. Die Novelle von 1978 wurde von Lesern und Kritikern gleichermaßen begeistert aufgenommen. Walser stellt parabelhaft die Biographien beider Männer gegenüber, hier der etwas behäbige, Kierkegaard lesende Studienrat Halm, dort der freie Journalist und Aussteiger Klaus Buch und seine Vorzeigefrau Hel, bronzefarben, erfrischend junggeblieben. Halm ahnt, diese Quälgeister wird man in diesem Urlaub nicht mehr los. Klaus Buch, außer sich vor Freude über das unverhoffte Wiedersehen mit seinem alten Studienfreund, beginnt, die Urlaubsplanung zu übernehmen.

Walsers Auge für allerfeinste Details im Zwischenmenschlichen, seine Fähigkeit, scheinbar Banales in große Zusammenhänge zu bringen, macht diese Novelle zu einem Jahrhundertwerk. Alles bleibt klein und erst dadurch wird es groß. Die Schilderung des wachsenden Konfliktes der einstigen Freunde, die grelle, missionierende Aufdringlichkeit des Klaus Buch, auf die Halm nur mit hilfloser Ironie zu reagieren vermag (schließlich gerät beinahe noch Halms Ehe ins Wanken, da sich Sabine von Buchs zupackender Art angezogen fühlt), all dies bringt uns Walser mit einer Wortgewalt herüber, die in der Literatur ihresgleichen sucht.

Lassen wir uns also in einem furiosen Schlusskapitel auf das Segelboot entführen, das auf dem sturmdurchtosten Bodensee treibt. Der ängstliche Halm und der tollkühne Buch, diese im Innern sich doch sehr ähnlichen Männer, treten noch einmal zu einem dramatischen Schlußgefecht an, das in einer völlig unerwarteten Wendung der Ereignisse zu seinem überraschenden Höhepunkt findet. --Ravi Unger

Buch der 1000 Bücher

Copyright: Aus Das Buch der 1000 Bücher (Harenberg Verlag)

Ein fliehendes Pferd
OA 1978 Form Novelle Epoche Gegenwart
In seinem bis heute erfolgreichsten Werk entwirft Martin Walser eine anschauliche Analyse der aus dem Druck der Leistungsgesellschaft resultierenden Identitätsprobleme.
Inhalt: Helmut Halm, ein 46-jähriger Studienrat aus Stuttgart, und seine Frau Sabine verbringen ihren Urlaub wie gewohnt am Bodensee. Dort läuft ihnen zufällig Klaus Buch, ein ehemaliger Schul- und Studienkollege Helmuts, mit seiner 18 Jahre jüngeren Frau Helene über den Weg. Die Männer haben sich seit 23 Jahren nicht gesehen. Während der folgenden vier Tage, die beide Paare gemeinsam verbringen, kommt es zwischen Helmut und Klaus immer häufiger zu Unstimmigkeiten. Helmut, der sich nach außen stets aufgeschlossen und fortschrittlich gibt, fühlt sich innerlich seit langem überfordert von den öffentlichen Vorgaben der Leistungsgesellschaft. Gern würde er seiner ausgeprägten Lethargie nachgeben, doch glaubt er den gesellschaftlichen Anforderungen entsprechen zu müssen, um sich nicht der Lächerlichkeit preiszugeben.
Der erfolgreiche Klaus in seinem jugendlichen Auftreten ist für Helmut der Inbegriff all jener öffentlichen Gebote. Er sieht ihn als Bedrohung, denn er glaubt sich vor diesem »Macher« nicht rechtfertigen zu können. Hinzu kommt, dass in Helmuts Ehe Probleme aufbrechen, weil sich Sabine von der aktiven Lebensweise Klaus’ angezogen fühlt, während Helmut selbst der erotischen Anziehungskraft Helenes erliegt. Die Spannungen zwischen den Männern nehmen zu, bis die Situation auf einer Segeltour der beiden eskaliert; Helmut stößt Klaus in stürmischem Wetter über Bord. Dieser wird von seiner Frau und den Halms für tot gehalten. Helene entlavt seinen Lebensstil als reine Fassade – in Wirklichkeit ist er seelisch, beruflich und finanziell am Ende. In ihre Erklärungen platzt der totgeglaubte Klaus; wortlos verlässt er mit seiner Frau die Halms.
Aufbau: Das Geschehen wird in personaler Erzählperspektive aus der Sicht Helmut Halms geschildert. Walser macht den Leser mit den Gedanken seines Protagonisten vertaut. Hiermit ist von Beginn an einsehbar, dass Helmut hinter seinem äußeren Auftreten ein gänzlich anderes Wesen verbirgt. Die Figur des Klaus Buch hingegen wird allein von außen gesehen; erst am Ende des Geschehens deckt ein langer Monolog Helenes seine wahre Identität auf. Diese Perspektivierung entspricht den entgegengesetzten (Über-)Lebensstrategien der beiden. Während Helmut sich aus der Gesellschaft zurückzieht, versucht Klaus die öffentlichen Erwartungen möglichst umfassend zu erfüllen.
Hiermit sind zwei Möglichkeiten der Flucht vor dem Druck der Leistungsgesellschaft charakterisiert. Dieses zentrale Thema der Flucht wird durch eine ausgeprägte Leitmotivik vermittelt, die im Symbol (Stichwort R S. 1126) des fliehenden Pferdes gipfelt: Während eines Ausflugs der beiden Paare fängt Klaus übermütig ein durchgegangenes Pferd ein und führt es zu seinem Besitzer zurück. Helmut sieht hier seine eigene Situation gespiegelt; er fühlt sich von der aufdringlichen, aktiven Art Klaus’ bedroht und fürchtet, von diesem in seiner wahren Identität erkannt zu werden. Ihm entgeht, dass sich auch Klaus hinter einer Fassade verbirgt. Erst als dieser Helmut während der gemeinsamen Segeltour drängt, sich seinem eigenen Lebensstil anzuschließen, wird offenbar, dass beide sich gegenseitig etwas vorgemacht haben.
Am Schluss beginnt Helmut, seiner Frau das Geschehene zu erzählen. Walser lässt seinen Protagonisten hierbei den ersten Satz der Novelle wörtlich aufgreifen und macht sie somit zu dessen eigener Erzählung.
Wirkung: Seit ihrem Erscheinen erhielt die Novelle eine positive Einschätzung. Als gelungen wurden vor allem die hohe Komplexität und ökonomische Struktur sowie die treffende Gesellschaftsanalyse hervorgehoben. In seinem 1985 erschienenen Roman Brandung machte Walser die Figur Helmut Halm erneut zum Protagonisten. S. D.

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Die hilfreichsten Kundenrezensionen
35 von 39 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Psychogramm mit Pferd 24. August 2007
Von Martyn
Format:Broschiert
Ein ruhiges Urlaubsdomizil am Bodensee. Seit Jahren schon pflegt Oberstudienrat Helmut Halm zusammen mit seiner Frau Sabine hier seinen Urlaub zu verbringen. Es sind diese vier Wochen im Sommer, die es Halm einmal im Jahr erlauben, dem alltäglichen Trott zu entfliehen und mal ganz er selbst zu sein. Und dann steht da plötzlich dieser Klaus Buch vor ihm, dieser ehemalige Schul- und Studienfreund, der so anders ist als Helmut, jung, aktiv, lebensfroh, der von dessen angestammten Urlaubsort so spricht: "Das ist schon ein Scheißsee. (...) Das sei vielleicht was für Opas, in deren Wipfeln Ruh ist. Jetzt schau dich doch einmal um, diese Gegend, eingeschlafen für immer. Ich schwör' dir. Hier geht nichts mehr. Wir sind im Totenreich. Farbloses farblos im Farblosen."

Nicht segeln, nicht schwimmen oder Rad fahren - alles was er sich für diesen Urlaub vorgenommen hat, ist die fünfbändigen Tagebücher des dänischen Philosophen Sören Kierkegaard zu lesen. Auch wenn er letztlich über ein paar Seiten nicht hinauskommt, allein diese Vorstellung von Urlaubsbetätigung sagt viel über Helmut Halm aus, den Lehrer, der nichts mehr vom Leben erwartet. Der, obwohl erst Ende Vierzig, bereits in einem lebensträgen Phlegma gefangen ist. Der in seiner Isolation vor dem Leben in stiller Angst vor jeder Geselligkeit, vor menschlicher Nähe, vor sozialen Kontakten lebt. Der in seiner kühlen, abweisenden Natur den einzigen Weg gefunden hat, von Mitmenschen nicht erkannt und durchschaut zu werden. Ohne nahestehende Freunde oder Bekannten, die ihn, seine Lebensweise und Spleens kennen, muss er nicht fürchten, seelisch entblößt zu werden, muss er nicht fürchten, seine Gefühle preiszugeben, die alleinige Kontrolle über sich selbst zu verlieren. Ein Leben ohne Emotionen - ohne sichtbare Emotionen. Helmut Halm - ein Misanthrop, dem plötzlich aufgezeigt wird, dass seine selbstgewählte Lebensabstinenz keineswegs alternativlos ist, dass doch auch er auf eine leutselige Jugend zurückblicken kann, damals, als er noch der "Ha-Ha" genannt wurde, der Ha-Ha, der jeden Unfug mitmachte. Klaus Buch steht vor ihm.

Klaus Buch? Aufs Verrecken nicht will er sich erinnern an diesen braungebrannten, athletischen Sunnny-Boy, der sein einstiger Kommilitone gewesen sein soll.
Hatte Helmut anfangs nur skeptisches Kopfschütteln für den zwanghaft trendigen Habitus Klaus' übrig gehabt, so entwickelt sich der zufällige Urlaubstreff zunehmend zu einem Wettkampf zweier Charaktertypen: In Gestalt von Klaus Buch steht dem introvertierten, menschenscheuen Helmut der personifizierte Widerspruch gegenüber: lebensfreudig, aufgeschlossen, jovial, attraktiv, vollschlanke Freundin im Arm.
Während er sich die ersten gemeinsamen Urlaubsaktivitäten über gänzlich unberührt zeigte von der Dynamik, vom Aktivitätendrang und der körperlichen Fitness seines Pendants, lässt ein Ereignis Helmut aufzeigen, dass diese Koinzidenz am Bodensee immer mehr zur Wachablösung einer Lebenseinstellung wird: Ein fliehendes Pferd, das selbst der Besitzer nicht zu bändigen weiß, kommt auf die Wandergruppe zugeschossen. Während Helmut hastig zurückweicht und gar Mühe hat, seine Spanielhündin zurückzuhalten, nähert sich Klaus, scheinbar in seiner Manneskraft herausgefordert, dem Tier, als dieses am Wiesenrand rastet.
Indem er blitzartig auf dessen Rücken springt, trotz heftigem Widerstreben des Pferdes dessen Herr bleibt und, nach wildem Ritt triumphal zurückkehrend, das Tier seinem Besitzer demonstrativ übergeben kann, hält Klaus seinem gleichaltrigen Schulfreund den Spiegel vor: Klaus' Leben in seinem offenkundigen Erfolg, seiner Unbekümmertheit und ausgelassenen Heiterkeit konterkariert eindringlich die halmsche Einsiedelei, und auch Helmut wird bewusst, dass ihm, dem routinierten und in dieser Routine erschlaffenden Biedermann, unwillkürlich der Staffelstab aus der Hand genommen wird vom Abenteuer, der Nonchalance und Lebensfreude seines Schulfreunds. Dennoch wird der Wunsch nach Veränderung in Helmut erst - und auch da nur latent - hervorgerufen, als dessen Frau Sabine auf die beständige Sexualunlust ihres Mannes hin mürrisch repliziert: "Dann frag ich eben Klaus, ob er mit mir schlafen will."

Martin Walsers Novelle "Ein fliehendes Pferd" ist gleichsam eine Synkrisis zweier Lebenswege, die unterschiedlicher nicht sein könnten: Indem dem braven, pflichtbewussten Kleinbürger Helmut durch die Konfrontation mit seinem ehemaligen Kommilitonen Klaus aufgezeigt wird, dass auch ein vitales, abenteuerlustiges, leutseliges Leben zu Erfolg und Anerkennung führen kann, wird in ihm schließlich das ungute Gefühl evoziert, etwas verpasst zu haben im Leben. Auch wenn er mit sich selbst, seiner Reserviertheit und Apathie voll zufrieden ist, auch wenn er weder Willen, noch Kraft zur Selbständerung hat, so ruft dieser Klaus in seinem plötzlichen Auftreten und der Penetranz seiner Selbstdarstellung in Helmut die Unruhe hervor, sein Leben derweil verschenkt zu haben und zum "schicksallosen Kleinbürger" geworden zu sein, der nach Klaus' Meinung nichts anderes sei als ein "spießig verwitterndes Harnsäurekonzentrat."
Das Psychogramm zweier Charaktere, das Walser in dieser Novelle zeichnet, ist in seiner schonungslosen Offenheit und seiner Authentizität beeindruckend. Und ebenso warnend: Indem ich Wesenszüge Helmuts so deutlich in mir selbst wiederentdeckt habe - Selbstverschluss, Emotionsleere, Distanz, Abgleiten aus Ruhe in Trägheit -, indem ich fast fatalistisch sicher bin, mal so zu enden, wie Helmut in seiner unberührbaren Lebensweise dargestellt wird, und trotz allem Widerstreben glaube, dies nicht beeinflussen, geschweige denn ändern zu können, hat "Ein fliehendes Pferd" mich endlich mit der Frage konfrontiert, was ich denn selbst von meinem Leben erwarte, wie meine Zukunft aussehen soll, was mir wichtiger ist: Anerkennung oder Spaß? Erfolg oder Freiheit? Ruhe oder Party?
Zumal da ich gerade vor der wichtigen Frage nach der idealen Berufs- und Studienwahl stehe und damit vor meiner kurz- bis mittelfristigen Lebensplanung, diente Walsers Novelle als dankbare Orientierungshilfe, auch wenn sie letztlich keine eindeutige Hilfe gibt:

"Du musst gerettet werden. Du brauchst mich, Helmut, das spür' ich." - Auf dem gemeinsamen Segeltörn, auf dem Klaus das Angebot an Helmut ausspricht, mit ihm auf die Bahamas zu kommen, um dort den Neuanfang eines anderen, aufregenden, forschen Lebens zu setzen, kommt plötzlich ein wütender Sturm auf, der nochmals beide Charaktere in ihren Extremen gegenüberstellt: Während Klaus sich an immer stärker werdenden Böen erfreut, bittet Helmut ängstlich, doch bitte das nächste Ufer anzusteuern. Auf dem Höhepunkt des Unwetters - Klaus frohlockt ob des maritimen Abenteuers - stürzt der Bonvivant (unter unglücklicher Mithilfe Helmuts) von Bord. Helmut erreicht das Ufer. Ohne Klaus.
Was dann geschieht, kehrt die bisherige Konstellation gänzlich um: Während Helene, die wohlgeformte Freundin Klaus Buchs, von ihrer Abstinenzler- und Low-Fat-Trennkost-Linie abkommt, zu trinken, rauchen und gar Kuchen zu essen beginnt, gehen die Halms plötzlich in Aktivitätendrang und Vitalität auf, kaufen Fahrradausrüstung und Sportkleidung.
Und dann steht plötzlich Klaus vor der Tür...
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16 von 18 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Walsers bestes 14. März 2005
Format:Broschiert
Es gibt Bücher, die sind so gut, das die entsprechenden Autoren danach immer ein Sternchen weniger bekommen, um die Relativität zu wahren. "Ein fliehendes Pferd" ist meiner Meinung nach das beste von Martin Walser, alles danach habe ich gerne gelesen, aber dieses Level hat er bisher noch nicht wieder erreicht.

Die Geschichte nacherzählt, hört sich profan an: Zwei Studienfreunde treffen sich nach Jahren zufällig im Urlaub am Bodensee, beide haben sich total unterschiedlich entwickelt, und beide beneiden heimlich ein bisschen den anderen. Das besondere an diesem Buch: zum einen natürlich Walsers Umgang mit der deutschen Sprache, ich könnte ihm ewig "zuhören", egal, wie die Handlung ist, zum anderen die Einblicke in das Leben dieser 2 Hauptakteure und ihrer Frauen. Dazu ein fulminante Ende, kein Satz zuviel, keiner zuwenig, ein Buch, das man immer mal wieder in die Hand nimmt, Walsers bestes.

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11 von 13 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Psychogramm der Extraklasse 24. November 2003
Von R.S. TOP 1000 REZENSENT
Format:Taschenbuch
Walser stellt zwei Männer in deren Lebensmitte dar, die unterschiedlicher nicht sein könnten. Der eine angepasst, fast spießbürgerlich - jedenfalls aber vergangenheitsverhaftet und kopflastig. Der andere lebensfroh bis zum Exzess, auch wenn es nur Kulisse ist. Diese Darstellung klingt zunächst nach nichts Besonderem, doch die Tatsache, dass diese beiden in einen Dialog gezwungen werden, bietet einen Stoff der besser nicht bearbeitet werden hätte können.

Die beiden Schulkameraden deren Leben so unterschiedlich ist, treffen einander in einem Urlaub am Bodensee wieder und dort beginnt ein Kampf zwischen beiden Lebensbildern. Zunächst entlarvt Walser den lebensmüden (im wahrsten Sinne des Wortes) Protagonisten, als angepasst und antriebslos. Als dieser am Höhepunkt der Geschichte mitverantwortlich für den vermeintlichen Tod des Antagonisten wird, entlarvt er diesen als Blender, der seinen Lebenshunger als Fluchthilfe vor sich selbst und dem herannahenden Alter einsetzt.

Die Darstellung der Psychen dieser beiden Männer hätte wohl kaum besser gelingen können. Dafür gibt es klar 100% der möglichen Punkte. Warum dann nur vier von fünf Sternen? Nun, sprachlich ist das Werk zunächst absolut abstoßend. Walser verletzt sämtliche "Regeln" des Schreibens. Er baut Sätze die kürzer sind als in Groschenromanen und wiederholt das Wort "sagt" bis zu erbrechen. Zusätzlich entschied er sich, auch direkte Rede nicht unter Anführungszeichen zu setzen. Dieser Stil quält über lange Strecken des Buches, bis man *endlich* daran gewöhnt ist und ihn vielleicht sogar als interessant empfindet. Man mag diese Art zu schreiben als künstlerisch interessant empfinden, sogar als bahnbrechend ansehen, mir jedenfalls hat es lange Zeit kalte Schauer über den Rücken gejagt. Dafür erlaube ich mir einen Stern abzuziehen. Sie finden das ist ungerecht, weil es schließlich Teil des Kunstwerkes ist? Dem kann ich Nichts entgegensetzen. Addieren Sie diesen Stern im Geiste dazu.

Eines jedoch kann ich abschließend jedenfalls sagen. "Ein fliehendes Pferd" ist ein Buch das ich nicht missen möchte, ein Buch das man auch ein weiteres Mal lesen muss. Vielleicht sollte ich doch fünf Sterne geben.

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