Ich kenne diese drei Streifen aus den neunziger Jahren bereits durch ihre Videoveröffentlichung und finde die Umsetzung auf DVD technisch gelungen. Es handelt sich um drei für das Kabelfernsehen und den Videomarkt exklusiv gedrehte Filme, heute würde man diese Präsentationsform "Direct-to-DVD" nennen.
Hauptdarsteller der drei Krimis ist Charles Bronson, einer der letzten wirklichen Stars des ausgehenden zwanzigsten Jahrhunderts, aber in vielen Actionthrillern auch eine ganz neue Art von Star, die mit Clark Gable und Errol Flynn höchstens das charakteristische Bärtchen gemein hat. Eine Form von Star, die dem Italo-Western entspringt (in dessen berühmtestem Vertreter Bronson mitgespielt hat). Oder die durch Charaktere aus Filmen wie "Das dreckige Dutzend" oder "Die glorreichen Sieben" geprägt wird (beide mit Bronson in Nebenrollen). Dieser Typ von Star eben, der im klassischen Hollywood höchstens den Good-Bad-Guy, meistens aber den ruchlosen Schurken gespielt hätte. Mit Charlton Heston gibt es da wenig Bezugspunkte, wie fälschlicherweise einer meiner Vor-Rezensenten behauptet hat. Charlton Heston stellt in seinen bemerkenswerten Filmen einen reineren, klassischeren Kinohelden dar, als es Bronson je gewesen ist.
Bei "Eiskalte Wut, "Der Beichtstuhlmörder", "Zigarren für den Killer" darf der Filmfreund, der Kinofan und der Bronson-Verehrer nicht die Wucht und Spannung von Genreperlen wie "The Stone Killer", "Love and Bullets, Charlie", "Ten to Midnight", "Murphys Law" oder "Kinjite" erwarten, allesamt Reißer, in denen Bronson Polizisten gespielt hat. Die drei Family-of-Cops-Krimis, die in den Originaltiteln einfach nur numeriert sind, bieten genormte amerikanische Fernsehunterhaltung der neunziger Jahre, nicht mehr und nicht weniger. Es geht - siehe Titel - um einen Familienclan, der aus Polizisten und einer Anwältin besteht, mit Bronson als ihrem Übervater, der gleichzeitig auch Außendienst verrichtender Police-Inspector ist. Die drei TV-Produktionen sind nicht ärmlich ausgestattet, gut besetzt, ordentlich inszeniert, sie haben einige originelle Stoffinhalte (russische Globalisierungseinwanderer in den USA; Kinder mit Akne, die zu Killern werden; die mörderische Geldgeilheit der Neunziger, die zu unserer heutigen Wirtschafts- und Finanzmisere geführt hat), sind mit einer Prise Humor versehen, dabei, wie vom US-TV gewohnt, leicht sentimental und eine Spur zu geschwätzig. Glücklicherweise ist Old Bronson wortkarg wie immer und trifft auch emotional den richtigen Ton.
Charles Bronson ist bei den Dreharbeiten der drei Spielfilme 72, 74 und 76 Jahre alt gewesen. Es sind seine letzten Darstellungen geworden. Bronson ist während seiner ganzen Karriere ein Action-Star gewesen. Ein Old-School-Action-Star wohlgemerkt, was solche Brachaialgewalt-Orgien, wie sie in Stallone-, Schwarzenegger- und Daniel-Graig-Kinostücken vorkommen, meist ausschließt. Er schaffte erst mit 45 Jahren den Durchbruch, wurde mit 50 zum Star und mit 55 zum Superstar. Mit 65 Jahren ist er immer noch ein Action-Held gewesen; und zwar einer, der noch sehr glaubwürdig fungierte. Selbstredend hat er in seiner gesamten Laufbahn als Hauptdarsteller niemals Männer seines Alters gespielt. Seine Rollen entsprachen nicht seinem Lebensalter. Bronson ist in den Filmen immer zehn, fünfzehn Jahre jünger gewesen, als es seiner Lebenswirklichkeit entsprochen hat.
Dementsprechend verkörpert er auch in den Family-of-Cops-Krimis einen Charakter von Mitte bis Ende fünfzig. Ob man ihm das noch abnimmt, sei der eigenen Beurteilung überlassen. Ich jedenfalls finde, er ist unzweifelhaft gealtert, aber die oben genannte Alterklasse bringt er trotzdem glaubwürdig rüber. Mit seinem Image sind die drei Direct-to-Video-Filmchen für ihn die einzige Möglichkeit gewesen, einen halbwegs würdigen Abschied vom Film zu bewerkstelligen. Das Kino der Neunziger bot einem Old-School-Action-Star wie Bronson keine Rollen mehr. Und alte Opas zu spielen, die mit ihren Enkeln an goldenen Seen angeln, hätte seine Fans zurecht vergrault. Hier bekommt er die Gelegenheit, den schweigsamen, harten Polizisten zu geben, gleichzeitig ist er aber auch Vater, Großvater, Urgroßvater und Familienpatriarch.
Hätte jemand anders die Hauptrolle in den drei Mischungen aus Soap Opera und Thriller gespielt, wäre mein Urteil vielleicht negativer ausgefallen. Doch hier sehen wir eine Kinolegende beim letzen Mundharmonikaspiel. Das gilt es zu würdigen und zu respektieren.