Ein Jugendlicher erschlägt in einer amerikanischen Kleinstadt seine Familie mit dem Baseballschläger. Nur eine Schwester überlebt, weil sie in seinen Plan eingeweiht war. Der Junge schreibt ihr an jedem Jahrestag eine Postkarte aus dem Gefängnis, die immer mit dem gleichen Satz endet: 'Was machst Du, damit die Erinnerung an uns gut wird?'.
Auf den Tag genau 11 Jahre später wird in Rom eine junge Frau ermordet. Die Mörderin benutzt ihre Kleidung und fährt tagelang durch die Gegend. Dabei trifft sie auf den Pathologen Andrea Landolfi, der die Ermordete obduziert hat.
Das klingt nach einem Krimi, aber das ist nicht die richtige Bezeichnung für dieses ganz besondere Buch. Die Gewalttaten ereignen sich wie im luftleeren Raum; die Vorgeschichte und die Motive für die Morde werden nicht einmal erwähnt. Die Morde passieren und haben Auswirkungen. Aber welche eigentlich genau?
Auch die Menschen verhalten sich wie im luftleeren Raum, fern von Ethik und Empathie. Die Beziehungen zwischen ihnen sind bestenfalls distanziert, normal sind sie nicht.
Dieses verstörende Buch liest sich wie ein schlechter Traum, aus dem man nicht aufwachen kann. Aber es ist auch faszinierend und fesselnd, was besonders an der poetischen Sprache dieser ungewöhnlichen Autorin liegt. Ich konnte es jedenfalls nicht aus der Hand legen, und es hat mich noch in meine Träume verfolgt.