Was für ein sinnliches Lesevergnügen! Jede neue Geschichte ist wie ein kleines Geschenk und unterscheidet sich in allem von ihrem Vorgänger. Mit einer Ausnahme: Alle Erzählungen entführen in eine andere Welt, eine Welt, wie die unsere, nur viel märchenhafter. Allende schreibt, als erzähle sie alte Legenden und so haftet jeder Geschichte etwas traumähnliches an, das vollkommen gefangen nimmt. Endet eine Erzählung, hält man kurz inne, staunt über dieses kleine (alles andere als diskrete) Wunder und stürzt sich dann Hals über Kopf in die neue Geschichte, voller Neugier auf das, was nun kommen wird.
Ob sie von einem alten Pfarrer schreibt, der durch das Wunder seiner Genesung nun tatsächlich im hohen Alter zu Gott und zum Glauben findet, ob sie von einer eigenwilligen Schönheit schreibt, die alles will und am Schluss nichts bekommt, von einem mysteriösen Liebespaar im Guggenheimmuseum, das das erkaltete Herz eines Polizisten erwärmr oder ob sie die wunderschöne Liebesgeschichte des Kapitäns und der Senorita Eloísa im Tanzlokal "Klein Heidelberg" erzählt - immer haftet der Geschichte ein Zauber an. Und so eine freche Geschichte, wie "Colomba und die Natur" habe ich schon lange nicht mehr gelesen. Nie ist eine runde Frau sinnlicher beschrieben worden: "Ihre feinen Nymphenfüße konnten kaum die kräftigen Säulen ihrer Beine und die aufreizenden Hinterbacken tragen, darüber prangten die perfekten Melonen ihrer Brüste, der Hals mit den sinnlichen Rundungen des Doppelkinns und die drallen Wallkürenarme." Eine Geschichte, wie das Manet-Gemälde "Déjeuner sur l'herbe"!!
Ein wirklich wunder-volles Lesevergnügen!!