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Pressenotiz zu : Die Zeit, 03.08.2000
Rolf Michaelis freut sich über den "glücklichen Einfall" Hanjo Kestings, die Auseinandersetzungen der Brüder Heinrich und Thomas Mann in dieser Dokumentation auf zwei CDs zu Gehör zu bringen. Die Hauptschwierigkeit, erkennt der Rezensent an, war es, die Seite Heinrichs angemessen zu dokumentieren, da dessen Äußerungen aus den wichtigen Jahren 1910 bis 1920 auf der Flucht vor den Nazis und im Exil verloren gegangen sind. Um so mehr weiß es Michaelis zu schätzen, wie durch Briefe und Tagebücher von Verwandten und Freunden sowie Zitate aus Heinrichs Romanen und autobiografischen Texten doch eine Rekonstruktion seiner Rolle gelinge. Und das dies ausschließlich mit "originalen Dokumenten" ohne jeden Kommentar glückt, erringt das uneingeschränkte Lob des Rezensenten.
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Kurzbeschreibung
In Shakespeares "Hamlet" beschreibt der Dänenprinz sein Verhältnis zu König Claudius, dem Mörder seines Vaters, mit den Worten: "Mehr als befreundet, weniger als Freund". Es ist diese Hamlet-Formel, die besser als jede andere das Verhältnis der beiden großen Schriftsteller Heinrich Mann und Thomas Mann charakterisiert. "Mehr als befreundet", nämlich brüderlich verwandt, "weniger als Freund", nämlich rivalisierende Kollegen und, in der Zeit des Ersten Weltkriegs, politische Gegner, tief verstrickt in Bruderzwist und Bruderfeindschaft. Es ging nicht nur um persönliche Dinge. Dieser Zwist war zugleich ein exemplarischer, überpersönlicher: über die Rolle des Schriftstellers in Politik und Gesellschaft, über literarishes "Engagement" auf der einen Seite, "reines" Künstlertum auf der anderen, über den "politischen"Schriftsteller hier, den sogenannten "unpolitischen"dort.Thomas Mann wurde 1875 in Lübeck geboren und wohnte seit 1894 in München. 1933 verließ er Deutschland und lebte zuerst in der Schweiz am Zürichsee, dann in den Vereinigten Staaten, wo er 1938 eine Professur an der Universität in Princeton annahm. Später hatte er seinen Wohnsitz in Kalifornien, danach wieder in der Schweiz. Er starb in Zürich am 12. August 1955.Heinrich Mann, 1871 in Lübeck geboren, begann nach dem Abgang vom Gymnasium eine Buchhandelslehre, 1891-1892 volontierte er im S. Fischer Verlag, Berlin, gleichzeitig war er Gasthörer an der Universität. Freier Schriftsteller: Romane, Novellen, Essays, Schauspiele. 1933 Emigration nach Frankreich, später in die USA; er starb 1950 in Santa Monica/Kalifornien.Hanjo Kesting, geboren 1943 in Wuppertal, studierte Philosophie, Literaturwissenschaft und Geschichte in Köln, Tübingen und Hamburg. Seit 1973 leitet er die Redaktion Kulturelles Wort im NDR-Hörfunk. Herausgeber der HÖR-BÜCHER der Deutschen Grammophon.
Veröffentlichungen:
Zahlreiche Publikationen zu Literatur und Musik sowie zum Medium Rundfunk, u.a.:
Franz Liszt/Richard Wagner: Briefwechsel (1989)
Das schlechte Gewissen an der Musik (1991)
Das Pump-Genie. Richard Wagner & das Geld (1993)