"The best English novel since the war", nannte Philip Roth dieses Buch - wollen wir hoffen, er irrte. So ein Satz sagt mehr über den Sprecher als das Besprochene.
Le Carrè's Buch ist in Wahrheit nur Mittelmaß, ganz unabhängig von individuellen Vorlieben. Denn was leistet es, muss man sich fragen, zumindest wenn es um mehr als um Unterhaltung geht? Im Grunde genommen versucht er sich an einem großen Entwicklungsroman, der die Geschichte eines Doppelagenten psychologisch durchleuchten soll. Das gelingt auch im ganz konkreten Fall des Magnus Pym, scheitert aber trotzdem im höheren Sinne eben an der Außergewöhnlichkeit der individuellen Biografie Pyms, dessen prägender Vater ein Con man (ein Hochstapler) ist, und der schon deswegen nicht in einem typischen, verallgemeinerungsfähigen Ambiente aufwächst. Eine generelle Psycho-Analyse des Typus "Spion" ist damit von vornherein unmöglich gemacht, stattdessen wird ein massenliteraturtypischer Sensationalismus bedient. Das Schielen auf den Bestsellererfolg lässt sich im Übrigen auch stilistisch nachweisen, insbesondere die oft flachen, aber schnellen
Dialoge scheinen aus dem Sprachvorrat der kommerziellen Literatur zu stammen, aufgepeppt durch Fachvokabular, Slang und Idiosynkrasien; das ständige Saufen, die Übersexualisierung etc. tun ein Übriges. Zieht man dann noch die unnötige Länge in Betracht, die zahlreichen ausufernden Beschreibungen, die oft nichts zum Handlungsgefüge beisteuern und zu aufgesetzt ernsthafte Literatur sein wollen, dann kann das objektive Urteil nur zurückhaltend ausfallen.
Manches spricht allerdings auch für diesen Roman: Da sind in erster Linie die interessanten Einblicke in die Psyche des praktizierenden Agenten. Großartig wird die ständig wachsende und endlich zu große Komplexität des Lügengespinsts deutlich gemacht, die letztlich zur Angreifbarkeit, sprich Doppelagententätigkeit führen muss, selbst wenn es keine ideologischen oder finanziellen Gründe geben mag - hier vor allem ist Le Carrè meisterhaft, da plaudert er glaubhaft aus dem Nähkästchen, dort merkt man ihm die eigene Geheimdiensterfahrung an. Und nicht unterschlagen werden sollen die wirklich gelungenen Szenen, die es auch gibt, bei denen einem das Herz stehen zu bleiben droht.
Rezension bezieht sich auf das englische Buch, eventuelle übersetzerische Probleme konnten also nicht einbezogen werden.