Enquist schreibt über sich in der dritten Person, schafft es so, Distanz zu halten, Dingen nachzuspüren und den Finger in die Wunde zu legen, ohne dass man sich als Leser genervt oder beschämt abwendet. Im Gegenteil, man meint den Autor zu spüren, der sich nicht anbiedert, nicht entschuldigt, nicht auf die konventionelle Weise selbstbeschaut, sondern gleichzeitig distanziert und involviert sein Leben betrachtet, Teile davon, diese zusammensetzt und etwas daraus macht, das man seine Geschichte, sein Leben nennen kann und das nicht immer schmerzfrei gewesen ist. Kennt man Bücher oder Stücke des Autors, wird dieses Buch sicher noch ein anderes Licht auf sie werfen. Kennt man sie nicht, ist die Autobiografie trotzdem lesenswert.
Zugegeben, man muss sich einlesen, braucht Ruhe und Muße. Enquists autobiografisches Buch ist keine leicht verdauliche Kost für zwischendurch, mit Sätzen, die man allzu flüssig lesen kann. Man muss achtsam sein, ist das Auge zu schnell, gerät man ins Stocken. Auch die Perspektive ist zu Beginn etwas befremdlich, aber bald schon ist man gefangen im Enquistschen Erzählen und alles passt schließlich zusammen: die Satzstruktur, die das Lesetempo drosselt, die langsame Annäherung des Autors an sich selbst über die dritte Person und gleichzeitig die langsame Annäherung des Lesers an den Autor.