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Amos Oz
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Produktinformation

  • Gebundene Ausgabe: 447 Seiten
  • Verlag: Süddeutsche Zeitung / Bibliothek; Auflage: 1., Aufl. (18. August 2007)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3866155212
  • ISBN-13: 978-3866155213
  • Größe und/oder Gewicht: 21,1 x 13 x 3,6 cm
  • Durchschnittliche Kundenbewertung: 4.3 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (3 Kundenrezensionen)
  • Amazon Bestseller-Rang: Nr. 80.900 in Bücher (Siehe Top 100 in Bücher)

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Produktbeschreibungen

Neue Zürcher Zeitung

Der Kibbuz als Mikrokosmos

Ein früher Roman von Amos Oz

Seit seinem ersten veröffentlichten Werk, das vor fünfunddreissig Jahren erschien, hat sich Amos Oz mit immer neuen Beschreibungen der israelischen Zustände als einer der renommiertesten Schriftsteller des Landes etabliert – und mit Stellungnahmen zum aktuellen Geschehen profilierte er sich auch als kritischer Intellektueller und politischer Kommentator. So war es sowohl der Dichter als auch der politische Autor, der 1992 mit dem Friedenspreis des Deutschen Buchhandels ausgezeichnet wurde.

Zwar schien der Schriftsteller durch die vom deutschsprachigen Feuilleton abgedruckten politischen Essays und durch regelmässige Übersetzungen seines fiktionalen Werks immer präsent zu sein, aber gerade einer seiner schönsten Romane blieb bis jetzt unübersetzt: «Ein anderer Ort», sein zweites Buch, das schon 1966 erschienen war, ist erst in diesem Jahr in der flüssigen Übersetzung von Ruth Achlama auf Deutsch herausgekommen. Ort der Handlung ist ein Kibbuz an der nördlichen Grenze Israels; die Figuren sind die Kibbuzniks, die ihrem Alltag und ihren Launen und Leidenschaften nachgehen und deren Lebensläufe miteinander verwoben sind. Dabei gibt es keine Handlung im herkömmlichen Sinn, sondern nur die Darstellung der Beziehungen zwischen den Kibbuzniks und den Versuch, ihren inneren Befindlichkeiten nachzuspüren.

Die Figur des Erzählers hat Oz den jiddischen Chronisten nachempfunden, zugleich ist dieser Erzähler das Klatschmaul, das in jeder engen Gemeinschaft das soziale Gewebe zusammenhält: Zeuge der Geschehnisse, der beobachtet, berichtet und kommentiert. Dieser Erzähler weiss alles und sagt alles – würde alles sagen, aber Oz entzieht ihm immer wieder das Wort und lässt die Figuren über sich selbst oder über einander nachdenken. Ihr Pathos und ihre Selbstgefälligkeit konterkariert dann wieder der Erzähler mit bissigen Kommentaren – je länger man ihm folgt, desto deutlicher entpuppt sich, was zuerst ein bieder-realistisches Bild des Kibbuzalltags zu sein schien, als ironische Beschreibung einer krisengeschüttelten Gesellschaft. Denn während die Kibbuzniks einer sozialistischen Utopie entgegenzugehen glauben, werden sie von ihrer Vergangenheit eingeholt und in ihrer Gegenwart existenziell gefährdet. Es ist kein harmonisches Zusammenleben, sondern ein Alltag voller Leid und Leidenschaft, Streit und Versöhnung, der hier vorgeführt wird.

Der Kibbuz als Mikrokosmos, symptomatisch für eine Gesellschaft, die sich zu definieren versucht und sich dabei selbst erfindet – das ist der thematische Hintergrund, vor dem Oz ein subtiles Bild der noch jungen israelischen Gesellschaft zeichnet, ja, eine menschliche Komödie, die das Lokale transzendiert und Allgemeingültigkeit erlangt.

Stefana Sabin -- Dieser Text bezieht sich auf eine andere Ausgabe: Gebundene Ausgabe .

Perlentaucher.de

Buchnotiz zu : Süddeutsche Zeitung, 10.04.2001
Diesem Roman über einen Kibbuz haftet "ein nostalgischer Firnis" an, schreibt Klaus Siblewski. Den Grund dafür vermutet er in der Tatsache, dass die Kibbuzbewegung zu der Zeit, als Oz diesen leicht verklärenden Roman schrieb, Anfang der 60er Jahre, politisch bereits gescheitert war. Das Anrührende besteht für Siblewski nicht etwa in dem leicht verklärenden, märchenhaften Ton, in den netten Pioniergeschichten, die da verbraten werden, sondern in dem Anschreiben gegen diese Entwicklung: Siblewski spricht von einer "vergeblichen Beredsamkeit". Immerhin, so ganz verklärend kann der Roman auch wieder nicht sein, konstatiert der Rezensent doch auch einen spürbaren Bruch zwischen der älteren und der jüngeren Generation im Kibbuz. Ganz so stimmig kann das Gemeinschaftsleben und -gefühl eben damals schon nicht mehr gewesen sein, und Amos Oz hat ihm - "mit unangestrengtem Bekennermut", so Siblewski - hinterhergetrauert.

© Perlentaucher Medien GmbH
-- Dieser Text bezieht sich auf eine andere Ausgabe: Gebundene Ausgabe .

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10 von 11 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Von WoMo
Format:Taschenbuch
"Ein perfektes und herzerfreuendes Dorf" heißt das erste Kapitel des in der hebräischen Ausgabe schon 1966 erschienenen Romans des Trägers des Friedenspreises des deutschen Buchhandels.

Ein ungenannt bleibender Lokalpatriot führt den Leser durch den Kibbuz Mezudat Ram, gleichsam wie ein schwatzhafter Gastgeber einen hohen Gast, der sich der unbeugsamen Bevormundung kaum erwehren kann. Der Blick des Lesers fällt auf fleißige Kibbuzniks, die Anfang der 60er-Jahre - nur wenige Jahre nach der israelischen Unabhängigkeit, aber noch vor der Besetzung des Westjordanlandes - die neue Heimat aufbauen wollen. Die schreckliche Vergangenheit in Europa ist scheinbar weit entfernt, Soldaten des arabische Nachbarstaates lauern aber nur wenige Kilometer vom Kibbuz entfernt auf Gelegenheiten, um das Wehrdorf Mezudat Ram ("Hohe Feste") vernichten zu können. Der Archetyp des Bösen scheint nahtlos von den Nazis auf die arabischen Feinde übergegangen zu sein. So sieht es jedenfalls der Erzähler und spart nicht mit überschwenglichem Lob für seine fleißigen und wehrhaften Mitbewohner, die im jüdischen Sozialismus ihr politisches und persönliches Ziel sehen.

Immer wieder aber aber scheint der lobhudelnde Plauderton nicht recht zu passen; es eröffnen sich Einblicke in weniger harmonische Welten: die Liebe einer Sechzehnjährigen zum Ehemann der Geliebten ihres Vaters, ein ehemaliger Mitbewohner, der in Deutschland (!) ein Bordell (!) betreibt und seinen Namen von Sacharja auf Siegfried (!) änderte, junge Männer, deren soldatischer Heldentat die Provokation von feindlichen Angriffen vorangeht, ...

Der Klatsch geht weiter, neue Stimmen mischen sich ein, der Leser erfährt viel Interessantes über das kollektive Kibbuz-Leben ohne Privateigentum. Er (und sie!) wird eingeladen, eigene Schlüsse zu ziehen, den schicksalhaften Zusammenhalt und Patriotismus der wehrhaften Dorfbewohner in Zweifel zu ziehen, Gut und Böse neu zu ordnen und gleich wieder zu relativieren.

Amos Oz, der gewitzte Chronist eines komplizierten Landes, wagt ein erzählerisches Abenteuer und sichert so seinen Lesern ein Recht, das in Regionen und Zeiten politischen Hasses besonders bedroht ist: die eigene Meinung.

War diese Rezension für Sie hilfreich?
3 von 4 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Von Ein Kunde
Format:Gebundene Ausgabe
"Ein perfektes und herzerfreuendes Dorf" heißt das erste Kapitel des in der hebräischen Ausgabe schon 1966 erschienenen Romans des Trägers des Friedenspreises des deutschen Buchhandels.

Ein ungenannt bleibender Lokalpatriot führt den Leser durch den Kibbuz Mezudat Ram, gleichsam wie ein schwatzhafter Gastgeber einen hohen Gast, der sich der unbeugsamen Bevormundung kaum erwehren kann. Der Blick des Lesers fällt auf fleißige Kibbuzniks, die Anfang der 60er-Jahre - nur wenige Jahre nach der israelischen Unabhängigkeit, aber noch vor der Besetzung des Westjordanlandes - die neue Heimat aufbauen wollen. Die schreckliche Vergangenheit in Europa ist scheinbar weit entfernt, Soldaten des arabische Nachbarstaates lauern aber nur wenige Kilometer vom Kibbuz entfernt auf Gelegenheiten, um das Wehrdorf Mezudat Ram ("Hohe Feste") vernichten zu können. Der Archetyp des Bösen scheint nahtlos von den Nazis auf die arabischen Feinde übergegangen zu sein. So sieht es jedenfalls der Erzähler und spart nicht mit überschwenglichem Lob für seine fleißigen und wehrhaften Mitbewohner, die im jüdischen Sozialismus ihr politisches und persönliches Ziel sehen.

Immer wieder aber aber scheint der lobhudelnde Plauderton nicht recht zu passen; es eröffnen sich Einblicke in weniger harmonische Welten: die Liebe einer Sechzehnjährigen zum Ehemann der Geliebten ihres Vaters, ein ehemaliger Mitbewohner, der in Deutschland (!) ein Bordell (!) betreibt und seinen Namen von Sacharja auf Siegfried (!) änderte, junge Männer, deren soldatischer Heldentat die Provokation von feindlichen Angriffen vorangeht, ...

Der Klatsch geht weiter, neue Stimmen mischen sich ein, der Leser erfährt viel Interessantes über das kollektive Kibbuz-Leben ohne Privateigentum. Er (und sie!) wird eingeladen, eigene Schlüsse zu ziehen, den schicksalhaften Zusammenhalt und Patriotismus der wehrhaften Dorfbewohner in Zweifel zu ziehen, Gut und Böse neu zu ordnen und gleich wieder zu relativieren.

Amos Oz, der gewitzte Chronist eines komplizierten Landes, wagt ein erzählerisches Abenteuer und sichert so seinen Lesern ein Recht, das in Regionen und Zeiten politischen Hasses besonders bedroht ist: die eigene Meinung.

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3 von 5 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Von Ein Kunde
Format:Taschenbuch
...die er in "Eine Geschichte von Liebe und Finsternis" beschreibt, kennen, um zu verstehen, warum er über die Kibbuzim so und nicht anders schreibt. Wer Oz also kennt, liest zwischen den Zeilen und kann nicht anders, als auch dieses Buch als Essenz seines großartigen sprachlichen Könnens zu lieben.
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