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Ein amerikanischer Thriller
 
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Ein amerikanischer Thriller [Taschenbuch]

James Ellroy , Stephen Tree
4.2 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (21 Kundenrezensionen)

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Taschenbuch, 2002 --  

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Produktinformation

  • Taschenbuch
  • Verlag: Ullstein Tb (2002)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 354825487X
  • ISBN-13: 978-3548254876
  • Größe und/oder Gewicht: 17,6 x 11,6 x 4,4 cm
  • Durchschnittliche Kundenbewertung: 4.2 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (21 Kundenrezensionen)
  • Amazon Bestseller-Rang: Nr. 953.142 in Bücher (Siehe Top 100 in Bücher)

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James Ellroy
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Aus der Amazon.de-Redaktion

Kurz und hart: 637 Seiten Unterwelt von James Ellroy
James Ellroy über seine Abrechnung mit dem Kennedy-Mythos in Ein amerikanischer Thriller. Das St. James Court Hotel in London könnte einer Raymond-Chandler-Story entnommen sein: Wuchtiger Marmor, Eiche und Kupfer beherrschen die Lobby, in der sich gerade ein Dutzend Sikhs für eine Convention sammeln. Der Set scheint ideal für einen Thriller -- inklusive Concierge, der mit seinem Handy gestikuliert wie ein Playboy, der auf die 40 zurauscht. Im Rückwärtsgang. Und selbst dabei würde er sich keinen abbrechen.

James Ellroy mag Chandler nicht sonderlich, auch wenn dessen Name in jeder Besprechung eines neuen Ellroy-Krimis fällt. "Ich denke, er war nicht so wichtig, wie man ihn immer macht. Ich halte Dashiell Hammett für wesentlich wichtiger, und auch Joseph Wambaugh ist ein viel besserer Schreiber, besonders seine frühen Sachen. Chandler schrieb immer wieder dasselbe Buch. Er erweiterte es ein bisschen in Der lange Abschied, aber er machte nie was anderes. Er füllte sieben Romane mit Marlowes Gedanken und schrieb einige Shortstories. Sonst nichts. Er hätte sich an anderem versuchen sollen: Er hatte sich mehr bemühen sollen. Er hätte härter daran arbeiten sollen, das zu ändern; und sein Privatleben in den Griff zu bekommen. Er hätte mit dem Trinken aufhören sollen. Dann hätte er schon mal länger gelebt."

Harte Worte sind Ellroys Hauptbeschäftigung. Seit 1979. Und er ist erfolgreich: Pro Buch streicht er einen Vorschuss von 600.000 Dollar ein. Jahrelang als der Autor verkauft, dessen Mutter ermordet wurde, als er gerade zehn Lenze zählte, legt Ellroy pro Jahr fast ein Buch vor. Er hatte schon zum Zeitpunkt dieses Treffens, 1995, seinen Kalender bis 1999 mit kommenden Projekten verplant.

Ellroy. Ein Mann der harten Worte, der kurzen Sätze. Nach Nächten auf Parkbänken, über 30 Stippvisiten im Knast, hört er 1975 mit dem Saufen auf, 1977 mit den Drogen. Etwas später, inzwischen 31 Jahre alt, nimmt er sich einen Bleistift und schreibt in einem schäbigen Hotelzimmer -- der Legende nach im Stehen -- seinen ersten Roman: Browns Grabgesang. "Ich stehe darauf, wenn eine Story ohne Umschweife vorwärts entwickelt wird. Ich mag Bücher, die gut, möglichst straff konstruiert sind. Ich mag es nicht, wenn sich Schreiber in ihrem Saft lümmeln und wälzen -- irrelevante Detailbeschreibungen gefallen mir nicht. Das geht einfach an mir vorbei. Immer schon. Tempo ist mir wichtig", sagt der Mann, der heute hier ist, um seinen elften Roman zu promoten. "In den meisten Fällen sind ausführliche Beschreibungen von Personen und Sachen lediglich Vorwand für Metaphern und Gleichnisse. Ich meine, die Kunst des Schreibens besteht vor allem darin, mit möglichst wenig Worten möglichst viel Dichte zu erzeugen. Ohne Umwege führe ich meinen Lesern die Standpunkte meiner Charaktere vor -- innerhalb der Zeilen, die man dazu benötigt."

In seinen Krimis steuert Ellroy bereits im ersten Kapitel auf Korruption und Erpressung zu, kurz später rollen die ersten Köpfe, dann taucht in irgendeinem Vorgarten ein Gelynchter auf, nicht selten verstümmelt, Genitalien im Mund. Gleichgültig, worum es geht, ob um die Doppelleben korrupter L.A.-Cops, um Hollywoods Größen der Entertainment-Industrie oder des Stadtrats, die mit Zuhälterei und Schmuggel Karrieren anschieben, Gehälter aufbessern, Bekannte bei Laune halten oder ob es um Gauner geht, die auch zu Gutem fähig sind, im nächsten Moment aber schon wieder dermaßen politisch unkorrekt, dass man sich als Leser fast schämt -- Ellroy schaut nicht weg. Nie. Er fasst in Worte, was andere kaum zu denken wagen. Mit einem Faible für alles, was unter der Oberfläche gammelt, was hinter den Kulissen Hollywoods schimmelt, ist es nur konsequent, dass sich der Mann nach dem L.A. Quartett (Die schwarze Dahlie, Blutschatten, Stadt der Teufel, White Jazz), einer Krimiserie, die in Chandlers Territorium, dem Los Angeles der 40er und 50er Jahre spielt, nicht länger um bloße Kriminalverbrechen kümmert.

Sein neuestes Werk, Ein amerikanischer Thriller, ist der erste Roman einer geplanten Trilogie über die US-amerikanische Unterwelt. Es startet exakt fünf Jahre vor der Ermordung John F. Kennedys, endet wenige Minuten (oder Sekunden?) vorher. "Es baut nicht auf Polizeiarbeit auf. Es ist größtenteils historisch. Es ist weder der Form noch dem Inhalt nach ein Krimi. Es bewegt sich auf einem größeren geschichtlichen Umfeld als alles, woran ich bisher gearbeitet habe." Personal und Ereignisse in Ein amerikanischer Thriller vermischen Fakt und Fiktion. Die dubiosen Mittel, mit denen John F. Kennedys Vater Millionen erwirtschaftete, kommen genauso zur Sprache wie die geheimen Konten, auf denen er die Kohle aufbewahrte, die Fonds, an die er sie verlieh. Kurz und prägnant, in gewohnter Respekt- und Kompromißlosigkeit zeigt Ellroy, weshalb der CIA die Kennedys hasste, weshalb Sinatra mal gern gesehener Gast bei den Kennedys und der Mafia war, dann nicht mehr, weshalb das FBI mit großen Waffen gegen rote Umtriebe auffuhr, Ärger mit der Mafia aber vermied.

Auch enthalten, zum Teil authentisch, in Episoden erfunden: Geplante Invasionen auf Kuba, das Fidel Castro gerade aus dem Würgegriff amerikanischer und italo-amerikanischer (sprich: Mafia-)Interessen befreit hatte. Es kolaborieren: durchgeklinkte Ku-Klux-Klan-Anhänger, Mafia und CIA. Heroinverkauf bringt das nötige Kleingeld, mit dem Exilkubaner ausgebildet werden. Wie man sich leicht vorstellen kann, waren nicht gar so viele Helfer nötig, als es um Kennedys Eroberung von Marilyn Monroe ging. "Was ich mir zum Ziel setzte, war, den Kennedy-Mythos zu zerstören. Eben diesen Mythos, der besagt, dass Amerika vor seinem Tod die reine Unschuld war, dass sein Tod uns daran gehindert hat, in ein goldenes neues Zeitalter einzutreten. Scheißdreck."

"John Kennedy hatte feste Verbindungen zu Kriminellen, zu verbrecherischen Geheimagenten, durchgeklinkten Exilkubanern und zur Mafia. Er hat die Exilkubaner in der Schweinebucht auflaufen lassen. Er melkte die Mafia, ließ sie dann von seinem kleinen Bruder verfolgen. Dafür brachten sie ihn um. Ich wollte seinen Tod darstellen als einfach einen weiteren in einer langen Serie von Morden, zu denen es kam, weil im Amerika der Jahre 1958 bis 1963 ein Haufen Gauner regierte, der fest entschlossen war, die Köpfe rollen zu lassen, die ihnen in die Quere kamen. Man hätte natürlich auch früher, viel früher ansetzen können - das war es aber, wo ich den Faden aufnahm."

Der zweite Band der Underworld USA-Trilogie wird die Jahre 1963 bis 1968 behandeln, der dritte 1968 bis Watergate, 1973. Ob die Schnittstelle zwischen diesen Bänden der 4. April oder der 6. Juni 1968 sein wird, also die Ermordung Martin Luther Kings oder die Robert Kennedys, wusste Ellroy zum Zeitpunkt des Interviews noch nicht. Es beschäftigte ihn auch nur tangentiell, denn das nächste Projekt in seinem Kalender war Die Rothaarige, eine Rekonstruktion des nach wie vor ungeklärten Mordes an seine Mutter im Juni 1958.

Ellroy. Wie gesagt: Eine harte Nummer. Kompromisslos. Und ohne Respekt vor Chandler. Bei ihm hätte diese Story eher so begonnen: Wir pellten uns aus dem Lift, geräumig wie eine Streichholzschachtel des Bel Air Country Clubs, da packte mich die Publizistin am Unterarm -- Zwei Sachen: Es wäre besser, du rauchst nicht, und frag ihn bloß nicht nach Quentin Tarrantino. Darauf spricht ihn jeder an, das kann er nicht mehr hören. --Matthias Penzel -- Dieser Text bezieht sich auf eine vergriffene oder nicht verfügbare Ausgabe dieses Titels.

Kurzbeschreibung

Fünf Jahre amerikanische Geschichte, vom 22. November 1958 bis zum 22. November 1963, vom Aufstieg John F. Kennedys bis zu seiner Ermordung in Dallas. Von kleinen Gangstern und FBI-Männern, Erpressungsartisten und schwulen Nachtklub-Entertainern, von Mafiabossen, von dem mächtigen Vorsitzenden der Teamster, Jimmy Hoffa, von J. Edgar Hoover und Howard Hughes erzählt James Elroy: von der Kehrseite des amerikanischen Mythos. -- Dieser Text bezieht sich auf eine vergriffene oder nicht verfügbare Ausgabe dieses Titels.

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Kundenrezensionen

Die hilfreichsten Kundenrezensionen
10 von 10 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Von Ein Kunde
Format:Taschenbuch
Das Buch hat alles, was ein guter Krimi braucht. Aber es hat noch mehr: die Art und Weise wie Ellroy Fakten und Fantasie vermischt ist schlicht atemberaubend. Ebenso wie das Tempo. Und obwohl jeder weiß, daß am Ende alles auf die Ermordung Kennedys hinausläuft, gibt es so viele Überraschungen und Wendungen, daß man den Krimi gar nicht aus den Händen legen mag. Zu neugierig ist der Leser, wie Ellroy die verschiedenen Handlungsstränge wieder zusammenfügt. Doch er schafft es. Er schafft es in einem Maße, daß selbst Historiker ihre wahre Freude haben werden. Und die Krimifans sowieso!
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16 von 17 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Format:Taschenbuch
James Ellroys "Amerikanischer Thriller" ist ein packender Roman, der inhaltlich und stilistisch außergewöhnlich ist.

Die Handlung des Buchs umfasst genau fünf Jahre: vom 22.11.57 bis zum 22.11.63 - dem Tag der Ermordung von John F. Kennedy. Erzählt wird die Geschichte von drei Männern, die im Hintergrund, im Untergrund und auf der Straße die schmutzige Arbeit für die ganz Großen der Zeit machen. Ihre Auftraggeber heißen John F. Kennedy, Robert Kennedy, John Edgar Hoover, Howard Hughes und Gewerkschaftsboss Jimmi Hoffa. In wechselnden Konstellationen sind die drei Protagonisten mal für den einen, mal gegen den anderen tätig, mal miteinander, mal gegeneinander. Immer aber haben sie Blut an den Händen kleben, bestechen mit schmutzigem Geld, bespitzeln arrangierte Stelldicheins und kochen nebenbei noch ihr eigenes Süppchen. Die Handlung erreicht ihre Höhepunkte in der missglückten Invasion in der Schweinebucht und in dem Attentat auf JFK.

So zeichnet Ellroy ein Bild der amerikanischen Politik dieser Zeit, das so gar nichts mit der offiziellen Geschichtsschreibung zu tun hat. Besonders interessant ist sein Erzählstil: Ellroy erzählt in vielen kleinen Kapiteln und in kurzen Hauptsätzen. Nebensätze verwendet er sparsam, und die Zahl der "weil"'s lässt sich an zwei Händen abzählen: Es gibt keine Gründe, schon gar gar keine Rechtfertigungen, die Dinge passieren einfach. Dadurch erreicht Ellroy eine ungeheure Direktheit, das Geschehen erscheint zwangsläufig, unausweichlich und auf schreckliche Weise lapidar - selbst in den blutigsten Szenen. Ellroys Sprache ist klar und gnadenlos, sie nennt auch die schlimmsten Dinge beim Namen, ohne sie zu schönen. Insofern hat "Ein amerikanischer Thriller" sogar einiges mit "American Psycho" gemeinsam.

"Ein amerikanischer Thriller" ist ein packender, literarisch hochwertiger Roman. Er gehört in jede gut sortierte Krimi-Sammlung - und eigentlich auch in jede Schulstunde zur jüngeren amerikanischen Geschichte.

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4 von 4 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Von Ein Kunde
Format:Taschenbuch
Amerika zwischen 1958 und 1963. In typischer Manier kratzt James Ellroy auch hier glänzende Fassaden auf, um einen Blick in das weniger glamouröse Herz der USA zu gestatten. Der Zweck heiligt die Mittel: Die CIA kungelt mit dem organisierten Verbrechen - in das auch Kennedy-Clanchef Joe verstrickt ist -, um Fidel Castro zu beseitigen. Das FBI mit dem mächtigen Gewerkschaftsboss Jimmy Hoffa, um die Wahl Jack Kennedys zum Präsidenten zu verhindern. Es entspinnt sich ein dichtes Netz, in dem keiner keinem traut. In diesem Gestrüpp bewegen sich FBI-Mann, CIA-Mitarbeiter und Kennedy-Vertrauter Kemper Boyd; Ex-Bulle, Mietkiller und Howard-Hughes-Leibwächter Pete Bondurant sowie Ex-G-Man und Quartalssäufer Ward Litell, die alle versuchen, ihr eigenes Schäfchen ins Trockene zu bringen. James Ellroy gelingt es, ein pralles düsteres und atmosphärisch dichtes Bilderbuch zu entwerfen, in dem es wieder um Mythenbildung, Moral und Versuchung geht. Klasse. (Dies ist eine Amazon.de an der Uni-Studentenrezension.)
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