Ich habe "Ein Zuhause am Ende der Welt" gerade ausgelesen und bin recht begeistert von dem Buch. Vorweggenommen: dem Leser, der auf der Suche ist nach Spannung und viel Action, würde ich das Buch nicht empfehlen. Dem Leser aber, der sich aber für intermenschliche Beziehung interessiert und der offensteht für die mehr unkonventionellen Arten des Zusammenlebens, kann ich nur raten, das Buch zu lesen.
Bobby, Claire, Jonathan und Alice sind die Erzähler. Ned, Jonathans Vater, und Erich, Liebhaber von Jonathan, sind wichtige Figuranten.
Das Buch schildert die Suche nach einem sinvollen Leben aus der Sichtweise verschiedener Personen. Fragen wie: "was ist sinnvoll", "was gibt dem Leben Erfüllung", "was hat mich geprägt" werden dabei behandelt. Probieren nicht viele von uns - bewusst oder unbewusst - eine Antwort auf genau diese Fragen zu finden? Die Dynamik des Buches befindet sich ausserhalb der Handlung, innerhalb der Entwicklung, die die verschiedenen Hauptpersonen durchlaufen und ist völlig nachvollziehbar.
Michael Cunningham's Buch ist ein stilistisches Meisterwerk: kräftig, manchmal philosophisch, ausgereift. Eine ausgezeichnete Bilanz zwischen Dialogen und Beschreibungen. Ein kleines Beispiel: "mir war klar, dass ich mich getröstet hätte fühlen müssen; beinahe, wäre es auch der Fall gewesen, doch das wirkliche Gefühl des Trostes zitterte knapp ausserhalb meiner Reichweite". Ist das nicht herrlich ausgedrückt? Für wen das Thema anspricht ein ohne weiteres sehr, sehr lesenswertes Buch