Deutsche Zahnärztliche Zeitschrift 2/2005
Robert Jütte überzeugt in der vorliegenden Studie nicht nur mit einer akribisch betriebenen Rechercheleistung, sondern auch - und vor allem - durch den hohen Unterhaltungswert der mit leichter Feder und einigem Augenzwinkern erzählten Dentalgeschichte. Er informiert in unaufdringlicher Weise über das skurril anmutende Interesse frühneuzeitlicher Gelehrter an Wunderdingen und über den Entstehungshorizont (pseudo) wissenschaftlicher Deutungsversuche. Wer sich mit zahnmedizinischen Aspekten beschäftigen und zugleich Lesevergnügen entwickeln möchte, wird mit der vorliegenden kulturgeschichtlichen Darstellung in ansprechender Hardcover-Aufmachung bestens bedient.
Die Zeit, 31. März 2005
"Im schlesischen Eulengebirge liegt das Dörflein Weigelsdorf. Dort begaben sich in den Ostertagen des Jahres 1593 wundersame Dinge, die Medizin und Kulturhistorie schreiben sollten. Während in der großen Welt draußen die Türkengefahr immer größer wurde und das Abendland auf die Hilfe oder wenigstens einen Fingerzeig des Herrn hoffte, entdeckte eine Schulkameradin des siebenjährigen Müllerssohns Christoph Müller, dass diesem ein güldener Backenzahn gesprossen war. Das Motiv der auf unerklärliche Art und Weise gewachsenen Goldzähne nimmt seitdem seinen Lauf durch die Geschichte. ... Ein ärztlich bewanderter Schullehrer entdeckte bald den Schmu. Der Junge trug wie alle seine Nachfolger eine kunstvoll gefertigte Zahnkrone aus Gold oder Messing, ein frühes technisches Meisterwerk. ... Robert Jütte, Leiter des Instituts für die Geschichte der Medizin in der Robert Bosch-Stiftung, ist auf diese Geschichte und den entsprechenden literarischen Formenkreis bei den Recherchen zu einer Geschichte des Zahnschmerzes gestoßen. Bestechend, wie er Wissenschaftsgeschichte schreibt...."