- Unbekannter Einband
- Verlag: Frankfurt am Main : Suhrkamp, (2001)
- ASIN: B002CDLDKO
- Größe und/oder Gewicht: 20,6 x 12,8 x 2,4 cm
- Durchschnittliche Kundenbewertung: 4.2 von 5 Sternen Alle Rezensionen anzeigen (4 Kundenrezensionen)
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Produktinformation
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In den Geschichten geht es meist um alltägliche Erfahrungen.
Irene hat sich nach zwei Jahren Ehe von Matze geschieden. Der muss ausziehen und darf das Haus auf richterliche Anordnung nicht mehr betreten. Freunde von Irene helfen beim Möbelschleppen und sollen vor einem befürchteten Eklat bewahren. Dass Matze ausrasten würde, ist jedoch von vornherein unwahrscheinlich. Dennoch liegt die gesamte Zeit über eine bedrohliche Stimmung in der Luft.
In einer anderen Erzählung sorgt sich ein von der Kündigung bedrohter Drucker, während er auf eine Fußballübertragung im Fernsehen wartet, um sein Haus und denkt darüber nach, dass er irgendetwas im Leben falsch gemacht haben muss. Er ist der erste in seiner Wohngegend, der das Haus morgens verlässt, und der letzte der abends wieder nach Hause kommt. Überall in den Nachbarhäusern, mit dicken oder modischen Autos vor der Tür, brennt dann schon Licht und die arbeitenden Väter haben Zeit für ihre Kinder.
Den ganzen Abend wechselt er kaum ein Wort mit seiner Frau, die sich gerade, ihm ganz unverständlich, für Feng Shui begeistert. Und man erwartet einen Streit oder eine Unstimmigkeit zwischen beiden. Doch als er nach dem Fußballspiel ins Bett geht, wird er liebevoll „Dummerchen“ genannt und unter die Decke gezogen.
Banale Situationen, nichts Aufregendes. Und doch ist man als Leser durchweg angespannt. Zum wiederholten Male ließe sich Rothmanns Erzählkunst herausheben, die Reinheit und Klarheit seiner Sprache. Die Wärme, mit der er seine Figuren beschreibt. Die Dramaturgie. Aber das ist es nicht allein. Diese Situationen sind einfach wahr, das kennt man genau so.
Rothmann kann nicht nur erzählen, er hat auch einen Blick dafür, was es zu erzählen gibt. Und darüber hinaus belässt er es nicht bei der Beobachtung von außen, sondern geht, ob in der Ich-Erzähler-Perspektive oder nicht, so weit in die Charaktere der Personen hinein, dass ihre Sehnsüchte, Ängste und Erwartungen allein schon durch die Beschreibung ihrer Gesten und Mimik aufscheinen.
Wie auch in seinen zahlreichen Romanen, die teils im Ruhrpott, teils in Berlin spielen, sind es einfache Menschen, die Rothmann beschreibt. Sie reden nicht viel. Sind meist nicht Handelnde, sondern Leidende der Situation. Gefühle werden im Zaum gehalten. Ebenso lakonisch wie ihre Haltung ist der Erzählstil des Autors.
Und doch, hier wird kein Grau in Grau gemalt, sich nicht an einer Tristesse ergötzt. Der Schauer und das Unbehagen, das einen bei der Lektüre befällt, sind nur das Spiegelbild der Wünsche und Hoffnungen der beschriebenen Personen. Auch wenn sie erkannt haben, dass ihre Träume im Nichts versickert sind, so haben sie dennoch die Erinnerung an diese und warten insgeheim doch auf das Wunderbare, das nicht eintritt.
Rothmann hat erst kürzlich einen Gedichtband veröffentlicht mit dem Titel „Gebet in Ruinen“. Darin sind teilweise recht mystisch-religiöse Verse enthalten. Ein Thema, das ihn immer wieder einholt und auch hier in mindestens drei der Geschichten zum Tragen kommt und auch im Zitat von Cesare Pavese, das dem Buch vorangestellt ist, durchklingt. „Eine furchtbare Kraft ist in uns, die Freiheit. Man kann die Unschuld berühren. Man ist zum Leiden bereit.“
Eine unbestimmte Religiosität scheint hier durch, fernab von jeglichem Dogma, zum Glück auch bar jeder Esoterik. Ein Ausdruck für die Sehnsucht nach einem Halt in einer auseinander brechenden Welt. Auch wenn Rothmann damit nicht das Lebensgefühl unserer Zeit im Ganzen einzufangen vermag, wir verstehen mehr von den Menschen, die er beschreibt, als uns lieb ist.
Von Gustav Mechlenburg
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