In der von Kinowelt veröffentlichten Reihe "Ein Wiedersehen mit..." erscheinen zwei weniger bekannte Filme mit Kirk Douglas.
ZU DEN FILMEN:
1. Stadt ohne Mitleid (Town without Pity), Regie: Gottfried Reinhardt, USA/ D/ CH 1961, s/w, gedreht in Deutschland, nach dem Roman "Das Urteil" von Manfred Gregor
Zum Inhalt: Süddeutschland 1960: Aus Langeweile vergewaltigen vier angetrunkenen GIs eine 16jährige Schülerin (Christine Kaufmann). Um dem Misstrauen der deutschen Bevölkerung zu begegnen, soll der Prozess in Deutschland vor einem amerikanischen Militärgericht stattfinden. Der zuständige Richter stellt zudem klar, dass im Falle einer Verurteilung sogar die Todesstrafe verhängt werden könne, eine sehr bedenkliche Situation, da in Deutschland selbst die Todesstrafe längst abgeschafft ist. Der Verteidiger der GIs, Major Steve Garrett (Kirk Douglas), sieht, welche Belastungen durch eine öffentliche Verhandlung auf die Schülerin zukommen. Er schlägt, auch weil einer der Soldaten zwar als Mitwisser, aber nicht als Täter in Frage kommt, einen Deal vor, der langjährige Haftstrafen und die unehrenhafte Entlassung aus der Armee vorsieht. Der Vater des Opfers (Hans Nielsen) kann sich aber nur die härteste Bestrafung als Sühne für die Tat vorstellen und zwingt seine Tochter damit, in einer öffentlichen Gerichtsverhandlung auszusagen. Garretts einzige Möglichkeit, die drohende Todesstrafe abzuwenden, ist die Diskreditierung des Opfers.
Bemerkenswert ist die geradezu zynische Analyse einer kleinbürgerlichen "Law-and-Order"- Mentalität. Wirklich angekommen im freiheitlichen Rechtsstaat sind die wenigsten. Die Empörung der Bevölkerung weicht auch sehr schnell einem gierigen Aufsaugen der intimen Details aus dem Leben der allzu selbstbewussten jungen Frau. Die Anfeindungen ihrer eigenen Landsleute führen schließlich in die Katastrophe. Zudem offenbart sich im Militär eine Machokultur, die dazu führt, dass ein Soldat lieber die Todesstrafe in Kauf nähme als zuzugeben, dass er impotent ist.
Kirk Douglas liefert eine beeindruckende Studie eines innerlich zerrissenen Mannes und Christine Kaufmann brilliert als Mädchen, das gleich zweimal zum Opfer wird. Viel zum Gelingen trägt auch der melancholische Titelsong von Dimitri Tiomkin bei. Einzig störend ist der Voice-Over- Kommentar einer deutschen Journalistin (Barbara Rütting). Recht und Gerechtigkeit passen nicht immer zusammen, ein Film, der einen noch heute frösteln lässt.
Filmbewertung: 5 Sterne
2. Kennwort "Schweres Wasser" (The Heroes of Telemark), Regie: Anthony Mann (letzter von ihm allein fertig gestellter Film), GB/ USA 1965/66, Farbe, die Geschichte soll auf historischen Ereignissen beruhen.
Zum Inhalt: Norwegen 1942, im von Nazi- Deutschland besetzten Land regt sich Widerstand gegen die Entwicklung einer Atombombe. Knut Straud (Richard Harris) gelingt es, den Wissenschaftler Dr. Rolf Pedersen (Kirk Douglas) für einen Sabotageakt zu gewinnen. Dabei müssen die beiden auch mit Pedersens Exfrau (Ulla Jacobsson) und deren Onkel (viel zu gut für die kleine Rolle besetzt: Michael Redgrave) zusammenarbeiten. In der umwerfend schönen norwegischen Landschaft bereiten die beiden ihre Attentate vor, während Pedersen versucht, wieder mit seiner Ex anzubandeln.
Die tollen Landschaftsaufnahmen und die innovative Kameraführung von Robert Krasker (Oscar für den "Dritten Mann") können nicht das dröge Drehbuch kaschieren. Pedersen ist ein James Bond ohne jeglichen Humor. Wenn er -erfolglos- auf der Erschießung eines unliebsamen Zeugen beharrt, so muss sich im Nachhinein herausstellen, dass dieser die Widerstandgruppe verratenen hat. Wenn er auf der Versenkung eines Bootes mit hunderten Zivilisten an Bord besteht, so gelingt ihm natürlich in letzter Minute die Rettung aller Passagiere (von ein paar Nazis natürlich abgesehen). Pathos, Action, wenig glaubwürdig, teilweise zudem etwas langatmig erzählt. Wer WW-II-Filme wie "Die Nadel" oder "Der Adler ist gelandet" liebt, wird von diesem Film enttäuscht sein. Dabei fängt der Film so verheißungsvoll an, als Douglas von Harris bei einem Schäferstündchen in der Dunkelkammer überrascht wird (was er da wohl "entwickeln" wollte?). Immerhin sieht Douglas im Norwegerpullover wirklich heiß aus.
Filmbewertung: Eher drei als vier Sterne
ZUR AUSSTATTUNG:
"Stadt ohne Mitleid" liegt im Vollbildformat (4:3), "Kennwort `Schweres Wasser`" im Format 2,35:1 vor. Der Hinweis bei Amazon "Sprache: Deutsch, Englisch" ist sehr missverständlich. Zwar enthalten beide Filme englischsprachige Passagen, es liegen aber beide Filme NICHT in der Originalfassung vor.
Im ersten Film sind die Passagen vor Gericht, die von einem Dolmetscher ins Deutsche übersetzt werden, natürlich nicht synchronisiert. Der zweite Film enthält Passagen, die für die deutsche Kinoauswertung geschnitten worden waren und für die also keine Synchro vorliegt. Sie sind hier im Original mit deutschen Untertiteln eingefügt worden. Es ist schon sehr bezeichnend, welche Szenen gekürzt wurden!
Besonders im ersten Fall ist das Fehlen der Originalfassung sehr störend, da so nicht immer nachvollziehbar ist, wann Deutsch und wann Englisch gesprochen wird. Beim zweiten Film hat mich persönlich etwas die Synchronstimme von Douglas gestört. Lothar Blumhagen passt für mich einfach nicht zu Douglas.
Zum zweiten Film gibt es zusätzlich optionale deutsche UT für den ganzen Film, die deutschen UT für die nicht synchronisierten Passagen sind fest eingeblendet.
Ein Jahr später veröffentlichte Kinowelt die Reihe "Filmlegende" in ähnlicher Form, allerdings immer mit Originalton und Synchro. Es geht also!
Aufgrund der fehlenden Originalfassung ziehe ich einen Stern ab.