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Ein Volksfeind
 
 
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Ein Volksfeind [Broschiert]

Henrik Ibsen , Dietrich Haugk
4.8 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (5 Kundenrezensionen)

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Produktinformation

  • Broschiert: 98 Seiten
  • Verlag: Verlag Rudolf Winkelmann Recklinghausen (1972)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3921052033
  • ISBN-13: 978-3921052037
  • Durchschnittliche Kundenbewertung: 4.8 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (5 Kundenrezensionen)
  • Amazon Bestseller-Rang: Nr. 2.596.450 in Bücher (Siehe Top 100 in Bücher)

Produktbeschreibungen

Klappentext

Ein Volksfeind - das meint den Kurarzt Thomas Stockmann, der entdeckt, daß in der Stadt, in der er praktiziert, das Wasser verseucht ist, und der in seinem erbitterten Kampf gegen all jene, die aus dem Kurbetrieb ihren finanziellen Gewinn ziehen, erkennen muß, daß nicht nur der Grund und Boden seiner Gemeinde, sondern auch das Gewissen ihrer Repräsentanten verpestet ist. 1883 uraufgeführt, ist das gesellschaftskritische Drama thematisch noch heute von größter Aktualität. -- Dieser Text bezieht sich auf eine andere Ausgabe: Taschenbuch .

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4 von 4 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Geld und Moral 5. April 2009
Von deathdealer92618 TOP 1000 REZENSENT
Format:Taschenbuch
Kurarzt Dr. Stockmann findet heraus, dass das Wasser seines Heimatortes verseucht ist und das ansässige Kurbad dementsprechend geschlossen bzw. erneuert werden muss. Zuerst hat er noch wichtige Leute von der Zeitung auf seiner Seite, mit denen er eine Großoffensive gegen die Obrigkeiten der Stadt, allen voran sein Bruder, der Amtsrat, starten will, um die Missstände ganz offen darzulegen. Doch durch Intrigen und dem Vorspiegeln falscher Tatsachen, sein Bruder ist sehr daran interessiert das Kurbad so zu belassen wie es ist, da es die größte Einnahmequelle für das Städtchen darstellt, schafft dieser es die oben Genannten und damit auch den Rest des Volkes gegen den Doktor einzunehmen. Ab jetzt heißt es alle gegen einen.
Ich schätze über die Aktualität dieses Dramas dürfte es keine zwei Meinungen geben. Eine notwendige Änderung der Sachlage wird durch Opportunisten und Materialisten skrupellos unter den Teppich gekehrt und der aufmüpfige Verantwortliche, der ja nun mal recht hat und es nur gut meint, wird als der "Volksfeind" dargestellt. Geld und Moral passen nur schlecht zusammen, da Geld korrumpiert und der Rest auf der Strecke bleibt. Das macht aber noch nicht die Besonderheit dieses Stückes aus, nein, das Besondere bei Ibsen ist ja, das er keine wirklichen Helden zeigt. Es gibt niemanden, dem man hier uneingeschränkt Sympathie entgegenbringen kann, auch wenn die Hauptfigur Dr. Stockmann gerade dafür prädestiniert zu sein scheint. Und ich muss sagen, bis in den 4. Akt hinein war er für mich auch der einsame Held, der ohne wenn und aber unterstützungswert schien. Doch spätestens dann, vorher zeichnet es sich nur ganz leicht ab, wenn Stockmann anscheinend vor allem Spaß daran hat, dass er eher als sein Bruder die bahnbrechende Entdeckung gemacht hat, merkt man doch, das er immer verstockter wird und nur noch sich und die (seine!?) Wahrheit sieht. Nennt er denn in der großen Versammlung im besagten Akt auch nur einmal die wahren Konsequenzen seiner Entdeckung? Nein. Die Leute aus dem Volk wissen gar nicht worum es eigentlich geht. Es scheint ihm gar nicht mehr um die Gesundheit seiner Mitbürger zu gehen, vielmehr stellt er sich immer mehr als derjenige hin, der die Wahrheit gepachtet hat, als Märtyrer, er hetzt nur noch gegen die Verantwortlichen, hohe Herren könne er auf den Tod nicht ausstehen, so sagt er, dabei merkt man deutlich, dass auch er sehr gerne ein hoher Herr wäre. Der Zweck heiligt die Mittel, so heißt es, so gesehen ist man natürlich aus Stockmanns Seite, aber bleibt man es auch? Ich jedenfalls nicht. Aber nicht nur die Hauptfigur ist interessant und facettenreich von Ibsen erdacht worden. Auch diese hinterhältigen Leute von der Zeitung, die erst dafür, dann dagegen, am Ende dann doch wieder für Stockmann sind, wurden eindringlich beschrieben, man kann sie fast nur verachten. Auch die recht progressive Tochter hat mir gut gefallen.
Meiner Meinung nach kann man hier, wie bei fast allen Stücken von Ibsen, problemlos zugreifen. An Aktualität wie an tiefer Charakterzeichnungen mangelt es keinem.
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3 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Von kpoac TOP 500 REZENSENT
Format:Kindle Edition
"Es gibt Situationen, da holt man Klassiker heraus. Und führt sie neu auf", sagt Peter Sloterdijk.
"Und wir nehmen im Augenblick die Verfassung aus dem Schrank. Und lesen sie. Und da steht dieser
mysteriöse Satz im Artikel 20, Absatz 2: dass alle Staatsgewalt vom Volke ausgehe."

"Soll das Individuum unglücklich leben, damit eine ungesunde Gesellschaft aufrecht erhalten wird?" So eine Frage von August Strindberg, die als Kern des Ibsenschauspiels bestens als Einstieg geeignet ist. Denn zu allem Glück des Individuums zählt Wahrheit und Freiheit und zu allem Glück der Gesellschaft eine signifikante Anzahl glücklicher Menschen. Oder bindet der verlogene Schein einer Gesellschaft mehr als die Idee von der Wahrheit und der Freiheit?

Ein kleines norwegisches Küstenstädtchen ist Schauplatz der wichtigen Fragen, wie man leben möchte oder sollte. Denn alle prosperierende Zukunft hängt an der Entwicklung als Kurort und alle prosperierende Zukunft der Bürger ebenso. Was liegt nun näher, als jede Entwicklung des Städtchens, die dieses unterstützt, gutzuheißen. Doch es ergeben sich neue Wahrheiten. Die erste Wahrheit der Wissenschaft nach Analyse heißt, dass das Wasser gesundheitsgefährdend ist und daher der Bad- bzw. Kurbetrieb einer dringenden Erneuerung bedarf. Die daraus folgende Wahrheit ist jene, dass mindesten zwei Jahre Bauzeit Kosten und Verluste aus dem Kurbetrieb erzeugen werden, die der berauschenden Entwicklung diametral entgegenstehen. Jene bedrohlichen Wahrheiten werden ans Licht gezerrt durch den beliebten Badearzt Dr. Thomas Stockmann. Diese Wahrheiten sind gegen die gesinnungspolitischen Bestrebungen, den Ort und die Bürger zu Reichtum zu verhelfen. Der Stadtvogt Peter Stockmann, Bruder des Badearztes möchte zugunsten der Weiterentwicklung die Wahrheit verschweigen und die Folgen einer höheren Gesinnung opfern. Max Webers Verantwortungsethik bei Thomas Stockmann steht der Gesinnungsethik seines Bruders gegenüber. Ersteren treibt die Sorge, dass gut begründetes Wissen in das Regierungshandeln einfließt.

Henrik Ibsens (1828-1906) geniales Stück reibt sich an den Fragen zwischen Individuum und Gesellschaft, zwischen Gesinnung und Verantwortung, an der Frage, wie viel Wahrheit braucht der Mensch und letztendlich, inwieweit ist man durch die Verpflichtung zur Wahrheit frei. Dass die Gegensätzlichkeit von Anschauungen zugleich als Bruch durch eine Familie geht, ist weiteres besonderes Merkmal Ibsenscher Betrachtung. Zunächst scheint Dr. Stockmann Presse und die Majorität der Bürger auf seiner Seite zu haben. Diese Zustimmung ist eher eine Gegenstimmung zu der bisher herrschenden politischen Klasse, die in erster Priorität sich um die eigene Macht bemühte. Presse und Masse wechseln jedoch ihre Positionen synchron zu der Erkenntnis des schwindenden Reichtums durch die Baukosten und der reduzierten Anzahl von Kurgästen, die in die Nachbarort abwandern würden.

Ibsens Sicht auf Mensch und Gesellschaft ist eine sezierende. Ihm gelingt es, die Lebenslüge einer Gesellschaft offenzulegen und die Verdrängung als kollektiven Prozess zu entlarven. Ihm gelingt es auch, die Stärke des Einzelnen im Kampf um die reale Wahrheit sehr deutlich zu machen, insbesondere den privaten Kampf gegen eine Majorität. Ihm gelingt es auch zu zeigen, dass es Mut und Aufgabe privater Güter bedarf, sich gegen die Gesellschaft, die Sozietät und gegen eine "kompakte Majorität" der Wutbürger zu stellen. Als Volksfeind tituliert gelingt es vordergründig Thomas Stockmann, eine authentische und echte Selbstständigkeit für den Leser zu erzeugen. Er wird zum Liebling des Lesers spätestens in seinem großen Monolog, der bewundert und von der Masse gehasst wird. Denn hier vergleicht er die Vergiftung des Wassers mit der Vergiftung des Geistes durch die geplante und gewollte Lüge. Er bildet sich zum Modell für das eigentliche Menschsein, indem er seine persönlichen Wünsche der Notwendigkeit der Wahrheit unterstellt, er geht seinen Weg der Wahrheit und der darin liegenden Freiheit. Einzig seine Familie - Frau und Kinder - folgen ihm in seinem Denken und Handeln.

Ibsen schrieb in einem seiner Gedichte: "Leben heißt - dunkler Gewalten Spuk bekämpfen in sich. / Dichten - Gerichtstag halten über sein eigenes Ich." Ihm gelingt es, mit diesem Schauspiel erneut auf die Gegensätzlichkeit der menschlichen Entwicklung hinzuweisen. Er stellt ein stabiles Sein gegen die Fragilität des Werdens. Daher erkennt der Leser auch, dass Thomas Stockmann sich zwar um die Wahrheit bemüht und sie als unumstößliche Kraft in die Waage der Argumente wirft. Aber wer den tiefen Blick hinter die Zeilen wagt, erkennt auch die Absicht des Arztes, sich auf ein Podest des Ruhmes zu stellen. Nicht die Wahrheit ist der Zweck, die Wahrheit wird angekratzt, in dem sie als Mittel zur eigenen Erhöhung benutzt wird. "Ach, du meinst dich?" In dieser rhetorischen Frage der Frau Stockmann steckt die klare Entlarvung der wahren Absicht.

Aber Ibsen wird nur auf die Schwierigkeit des Menschen an sich hinweisen wollen. Am eigenen Tun erkennt man nicht die Absichten sofort. Er zeigt die Bandbreite von Möglichkeiten und schärft somit den Blick der Leser. Ibsens Ziel ist damit noch klarer: die Ich-Selbst-Werdung ist nur ein Weg. Die Fragilität des Werdens gibt somit keine Antworten auf die Fragen: Wozu? und Wohin?. Der feste Ort kennt Zeit und Ort, das Werden kennt nur Wagnis. Der Rezensent erinnert sich an Kafka: Der Aufbruch.

"Wohin reitet der Herr?" "Ich weiß es nicht", sagte ich, "nur weg von hier, nur weg von hier. Immerfort weg von hier. Nur so kann ich mein Ziel erreichen". "Du kennst also dein Ziel?", fragte er. "Ja" antwortete ich. "Ich sagte es doch. Weg von hier - das ist mein Ziel".

Den Aufbruch zur eigenen Identität lesen wir hier bei Kafka und Ibsen lässt seinen Thomas Stockmann aufbrechen, obwohl seine Selbstsicherheiten verloren zu gehen drohen. Er lässt ihn den "einsamen Stand" üben als unverzichtbare Voraussetzung, sich als den "stärksten Mann auf der Welt, der allein steht", zu rühmen.

Henrik Ibsens Diskurs in diesem Schauspiel ist ein aktueller ökologisch-modern bewegter über Wahrheit und Pragmatismus, über realpolitische Opportunität und radikale Konsequenz. Und er ist lesenswert.
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Von kpoac TOP 500 REZENSENT
Format:Broschiert
"Es gibt Situationen, da holt man Klassiker heraus. Und führt sie neu auf", sagt Peter Sloterdijk.
"Und wir nehmen im Augenblick die Verfassung aus dem Schrank. Und lesen sie. Und da steht dieser
mysteriöse Satz im Artikel 20, Absatz 2: dass alle Staatsgewalt vom Volke ausgehe."

Soll das Individuum unglücklich leben, damit eine ungesunde Gesellschaft aufrecht erhalten wird? So eine Frage von August Strindberg, die als Kern des Ibsenschauspiels bestens als Einstieg geeignet ist. Denn zu allem Glück des Individuums zählt Wahrheit und Freiheit und zu allem Glück der Gesellschaft eine signifikante Anzahl glücklicher Menschen. Oder bindet der verlogene Schein einer Gesellschaft mehr als die Idee von der Wahrheit und der Freiheit?

Ein kleines norwegisches Küstenstädtchen ist Schauplatz der wichtigen Fragen, wie man leben möchte oder sollte. Denn alle prosperierende Zukunft hängt an der Entwicklung als Kurort und alle prosperierende Zukunft der Bürger ebenso. Was liegt nun näher, als jede Entwicklung des Städtchens, die dieses unterstützt, gutzuheißen. Doch es ergeben sich neue Wahrheiten. Die erste Wahrheit der Wissenschaft nach Analyse heißt, dass das Wasser gesundheitsgefährdend ist und daher der Bad- bzw. Kurbetrieb einer dringenden Erneuerung bedarf. Die daraus folgende Wahrheit ist jene, dass mindesten zwei Jahre Bauzeit Kosten und Verluste aus dem Kurbetrieb erzeugen werden, die der berauschenden Entwicklung diametral entgegenstehen. Jene bedrohlichen Wahrheiten werden ans Licht gezerrt durch den beliebten Badearzt Dr. Thomas Stockmann. Diese Wahrheiten sind gegen die gesinnungspolitischen Bestrebungen, den Ort und die Bürger zu Reichtum zu verhelfen. Der Stadtvogt Peter Stockmann, Bruder des Badearztes möchte zugunsten der Weiterentwicklung die Wahrheit verschweigen und die Folgen einer höheren Gesinnung opfern. Max Webers Verantwortungsethik bei Thomas Stockmann steht der Gesinnungsethik seines Bruders gegenüber. Ersteren treibt die Sorge, dass gut begründetes Wissen in das Regierungshandeln einfließt.

Henrik Ibsens (1828-1906) geniales Stück reibt sich an den Fragen zwischen Individuum und Gesellschaft, zwischen Gesinnung und Verantwortung, an der Frage, wie viel Wahrheit braucht der Mensch und letztendlich, inwieweit ist man durch die Verpflichtung zur Wahrheit frei. Dass die Gegensätzlichkeit von Anschauungen zugleich als Bruch durch eine Familie geht, ist weiteres besonderes Merkmal Ibsenscher Betrachtung. Zunächst scheint Dr. Stockmann Presse und die Majorität der Bürger auf seiner Seite zu haben. Diese Zustimmung ist eher eine Gegenstimmung zu der bisher herrschenden politischen Klasse, die in erster Priorität sich um die eigene Macht bemühte. Presse und Masse wechseln jedoch ihre Positionen synchron zu der Erkenntnis des schwindenden Reichtums durch die Baukosten und der reduzierten Anzahl von Kurgästen, die in die Nachbarort abwandern würden.

Ibsens Sicht auf Mensch und Gesellschaft ist eine sezierende. Ihm gelingt es, die Lebenslüge einer Gesellschaft offenzulegen und die Verdrängung als kollektiven Prozess zu entlarven. Ihm gelingt es auch, die Stärke des Einzelnen im Kampf um die reale Wahrheit sehr deutlich zu machen, insbesondere den privaten Kampf gegen eine Majorität. Ihm gelingt es auch zu zeigen, dass es Mut und Aufgabe privater Güter bedarf, sich gegen die Gesellschaft, die Sozietät und gegen eine kompakte Majorität der Wutbürger zu stellen. Als Volksfeind tituliert gelingt es vordergründig Thomas Stockmann, eine authentische und echte Selbstständigkeit für den Leser zu erzeugen. Er wird zum Liebling, der bewundert wird. Er bildet sich zum Modell für das eigentliche Menschsein, indem er seine persönlichen Wünsche der Notwendigkeit der Wahrheit unterstellt, er geht seinen Weg der Wahrheit und der Freiheit. Einzig seine Familie - Frau und Kinder - folgen ihm in seinem Denken und Handeln.

Ibsen schrieb in einem seiner Gedichte: "Leben heißt - dunkler Gewalten Spuk bekämpfen in sich. / Dichten - Gerichtstag halten über sein eigenen Ich." Ihm gelingt es, mit diesem Schauspiel erneut auf die Gegensätzlichkeit der menschlichen Entwicklung hinzuweisen. Er stellt ein stabiles Sein gegen die Fragilität des Werdens. Daher erkennt der Leser auch, dass Thomas Stockmann sich zwar um die Wahrheit bemüht und sie als unumstößliche Kraft in die Waage der Argumente wirft. Aber wer den tiefen Blick hinter die Zeilen wagt, erkennt auch die Absicht des Arztes, sich auf ein Podest des Ruhmes zu stellen. Nicht die Wahrheit ist der Zweck, die Wahrheit wird angekratzt, in dem sie als Mittel zur eigenen Erhöhung benutzt wird. "Ach, du meinst dich?" In dieser rhetorischen Frage der Frau Stockmann steckt die klare Entlarvung der wahren Absicht.

Aber Ibsen wird nur auf die Schwierigkeit des Menschen an sich hinweisen wollen. Am eigenen Tun erkennt man nicht die Absichten sofort. Er zeigt die Bandbreite von Möglichkeiten und schärft somit den Blick der Leser. Ibsens Ziel ist damit noch klarer: die Ich-Selbst-Werdung ist nur ein Weg. Die Fragilität des Werdens gibt somit keine Antworten auf die Fragen: Wozu? und Wohin?. Der feste Ort kennt Zeit und Ort, das Werden kennt nur Wagnis. Der Rezensent erinnert sich an Kafka: Der Aufbruch.

"Wohin reitet der Herr?" "Ich weiß es nicht", sagte ich, "nur weg von hier, nur weg von hier. Immerfort weg von hier. Nur so kann ich mein Ziel erreichen". "Du kennst also dein Ziel?", fragte er. "Ja" antwortete ich. "Ich sagte es doch. Weg von hier - das ist mein Ziel".

Den Aufbruch zur eigenen Identität lesen wir hier bei Kafka und Ibsen lässt seinen Thomas Stockmann aufbrechen, obwohl seine Selbstsicherheiten verloren zu gehen drohen. Er lässt ihn den "einsamen Stand" üben als unverzichtbare Voraussetzung, sich als den "stärksten Mann auf der Welt, der allein steht", zu rühmen.

Henrik Ibsens Diskurs in diesem Schauspiel ist ein aktueller ökologisch-modern bewegter über Wahrheit und Pragmatismus, über realpolitische Opportunität und radikale Konsequenz. Und er ist lesenswert.
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