Der eine oder die andere wird sich vielleicht noch an die Jahre erinnern, als Ingo Insterburg mit seiner Formation Insterburg & Co. (Peter Ehlebracht, Jürgen Barz, Karl Dall) im Radio (WDR) oder im Fernsehen („Musikladen", „Dalli Dalli") das Blödelbardentum zur Kunstform erhob. 15 Alben wurden veröffentlicht, allesamt mit Kalauern angefüllt, mit dummen Kommentaren, schrägen Texten und schrägen Melodien, die auf noch schrägeren Instrumenten dargeboten wurden. Alles bewegte sich irgendwo zwischen Hochintelligent und Saudumm, zwischen Großartig und Grottenschlecht, zwischen Niveau und Naivität. Eines ihrer Lieder („Ich liebte ein Mädchen") entwickelte sich zu einem regelrechten Gassenhauer. Dann kam der Bruch und fast die kompletten 80er Jahre hindurch waren - abgesehen von Karl Dall - alle „Insterburger" in der Versenkung verschwunden.
Erst Ende der 80er begann Ingo Insterburg damit, sich langsam ein neues Publikum zu erobern, seit 1994 betreibt er dieses auf Solopfaden. Dabei setzt er immer noch auf den Blödsinn, auf sonderbare Instrumente und skurrile Texte. Nichts wirkt professionell, alles ist von einem Hauch Dilettantismus durchzogen. Dabei wirkt das Konzept auch heute noch erstaunlich unverbraucht, wenn auch nicht mehr zeitgemäß. Insterburg ist keiner von denen, die im Sekundentakt Pointen reißen. Da geht eine amüsante Geschichte schon gerne mal über vier Minuten. Insterburg schießt sich nicht auf ein Thema ein, sondern springt munter hin und her und baut Brücken, wo eigentlich gar keine hingehören. Dazu singt und tönt er, zeitweise auf immer neuen Instrumenten wie etwa der Bierflöte oder dem Baßbesen, manchmal darf's auch etwas mehr als ein Instrument sein. Kurz: Ingo Insterburg ist eine Institution für sich, ein Vergleich mit anderen Künstlern ist einfach nicht möglich.
1997 erschien seine bislang einzige Solo-CD „Ein Virtuose mit Zukunft", auf der sich ein Live-Mitschnitt eines Auftritts in Gotha befindet. Diese Scheibe macht aber auch leider eines deutlich - es macht bei weitem mehr Spaß, Insterburg bei seinem Tun auf der Bühne zu beobachten als „nur" zuzuhören. Einige Stücke oder Beschreibungen von Instrumenten verlieren mächtig an Wirkung, wenn man keinen optischen Bezug hat. Aus diesem Grund wird die CD recht schnell langweilig. Sicherlich gibt es einige Höhepunkte darauf wie etwa das instrumentale „Oh When The Saints", gleichzeitig gespielt auf Gitarre und Trompete, die zugegebenermaßen saudumme, aber originelle „Geschichte von Georg Pi", die herrlich-verschrobene „Ekel-Lyrik" oder die urkomische „Gymnastiklehrerin". Aber einiges zwischen diesen Titeln und Geschichten, so inspiriert und so kunterbunt sie auch sein mögen, ist eben nur für Zuschauer - und nicht nur für Zuhörer.